Rock our Kitchen: Take-Away, Lieferservice und soziale Verantwortung

Viele Restaurants bieten in diesen Tagen zum ersten Mal Lieferservice oder Take-Away an. Viele nutzen dafür auch die bekannten Plattformen. Die Umstellung ist jedoch generell nicht ganz einfach, wenn das zuvor nicht zum Normalbetrieb gehörte. Menüs müssen verändert werden und Kosten wie auch Provisionen  für Plattformbetreiber erfordern neue Rentabilitätsbetrachtungen.

Das Gründerteam John Ehlerding und Till Witten, die im Januar 2017 ihren ersten eigenen Gastronomiebetrieb „ROK – Rock our Kitchen“ eröffneten, hatten ihren Restaurantbetrieb auch schon bisher durch Lieferservice und Catering ergänzt. Dadurch können sie nun weiter auf diesen  Anteil ihres Geschäftes setzen. Daneben nutzen Sie ihre Möglichkeiten, soziale Verantwortung zu zeigen und kostenlose Angebote für alle die zu machen, die in der gegenwärtigen Situation Dienstleistungen erbringen, um das gesellschaftliche Leben am Laufen zu halten.

  • John Ehlerding im Gespräch mit LEINENLOS
    John Ehlerding im Gespräch mit LEINENLOS

LEINENLOS: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise aktuell auf euer Geschäft?

John: Wie alle Gastronomen sind auch wir hart getroffen. Wir mussten die meisten Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und haben nur mit minimalem Team geöffnet um Take-away und Delivery am Laufen zu halten. Aber auch das ist enorm schwierig, weil kaum noch jemand in den Büros in der City ist und auch die Fahrer des Delivery Dienstes kommen kaum noch in die Innenstadt.

LEINENLOS: Welche kreativen Ansätze seht ihr, um euren Betrieb während dieser Zeit lebensfähig zu halten?

John: Erstens Take-Away und Delivery: Da uns die Hände relativ gebunden sind, versuchen wir mit Ideen wie Drive-in unsere Community zu aktivieren, pickup zu machen. Mit dem Auto vorfahren, 3 Mal Hupen, wir nehmen die Bestellung mit Abstand und elektronisch auf und reichen die Bestellung dann nach ca. 5 min direkt ins Auto hinein. So wollen wir unseren Gästen auf sichere Weise die Möglichkeit bieten, nicht auf unsere Bowls, Salate, Pizza und Wein  verzichten zu müssen.

Diejenigen die aktuell noch in den Büros sitzen, können sich über unseren Partner Ritual einloggen und kontaktlos alles vorbestellen und bezahlen und dann ihr Essen sicher bei uns abholen: http://ritual.co/ROCKOURKITCHEN

Zweitens soziale Verantwortung: Wir sehen in der aktuell schwierigen Lage, in der wir Unterstützung von staatlicher Seite in Anspruch nehmen möchten, auch unsere soziale Verantwortung, die Gesellschaft am Laufen zu halten. Daher bieten wir aktuell kostenlos all unsere Gerichte für all die „Alltagshelden“ an, die in der gegenwärtigen Situation das gesellschaftliche Leben mit ihrer Leistung in Gang halten. Alles zu der Aktion #kochenfuerhelden kann man hier nachlesen: https://kochen-fuer-helden.de

Wir bei ROK bieten unsere Salat, Bowls & Pizza denen kostenlos an, die gerade nicht zuhause bleiben können, weil sie für unsere Gesellschaft arbeiten. Das sind Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, Polizistinnen und Polizisten, Supermarktkassiererinnen und -kassierer und alle anderen Menschen in Funktionsberufen in Hamburg. Wir Gastronomen kochen gerade (mit Maximalabstand zueinander und unter Beachtung strenger Desinfektionsvorschriften) unsere Kühlhäuser leer.

Und wir richten uns gezielt an die Institutionen, für die Homeoffice keine Alternative ist.  Das sind zum Beispiel alle Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Polizei und Feuerwehrwachen. Wenn ihr etwas braucht, meldet euch gern bei uns unter ahoi@rockourkitchen.com und wir schicken Euch kostenfrei Essen!

LEINENLOS: Welche Lösungen könnt ihr eurem Personal anbieten?

John: Wie die meisten anderen hätten wir unseren Betrieb schon jetzt komplett schließen können und alle Mitarbeiter in Kurzarbeit Null schicken. Wir versuchen aber weiterhin, den Betrieb mit kleinem Team am Laufen zu halten. Auch wenn wir dabei aktuell als Unternehmer kräftig draufzahlen, können wir für ein paar Mitarbeiter zumindest so  die Kurzarbeitsquote etwas abmildern.

Parallel arbeiten wir an neuen Themen für die Zeit nach der Krise: Das ist u.a. unser kulinarisches Angebot noch zu erweitern… man darf gespannt sein, was da an Neuigkeiten hoffentlich bald zu verkünden sein wird!

LEINENLOS: Gibt es sonst noch etwas, das ihr zur aktuellen Situation gern sagen möchtet?

John: Wir denken, dass die aktuelle Situation für alle schwierig ist. Insofern hoffen wir natürlich auch auf Unterstützung von staatlicher Seite, einvernehmliche Lösungen mit unseren Vermietern und wir versuchen, unseren Teil dazu beizutragen, indem wir uns sozial engagieren und für die vielen Helfer kostenlos kochen und auch aktuell intensiv die Bahnhofsmission mit Essen beliefern pro bono.

LEINENLOS: Vielen Dank für euren Einsatz in diesen schwierigen Tagen. Ihr seid ein wirklich unternehmerisches Vorbild. Alles Gute und bleibt gesund!

Manfred Troike, 25. März 2020

Nachtrag vom 27.  März 2020

Im Zuge der sich schnell ändernden Situation im Rahmen der Corona-Krise haben sich  John Ehlerding und Till Witten nun doch entschlossen, ihren Betrieb zunächst komplett zu schließen.

Weiterführende Links:

ROK – Erste Eindrücke eines neuen Gastro-Konzeptes, LEINENLOS 31. Januar 2017

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