Außengastronomie-Öffnung in Hamburg – Perspektive unklar

Hamburg hat zum Pfingstwochenende überraschend die härtesten Corona-Beschränkungen fallen lassen: Die Außengastronomie sowie Geschäfte, Sportvereine und Kultureinrichtungen dürfen unter strengen Auflagen nach monatelangem Lockdown wieder öffnen. Aber Euphorie stellt sich bei den Unternehmern dadurch noch nicht ein. Nach dem monatelangen Stillstand sind Kundenbeziehungen zerbrochen, Beschäftigte mussten sich neu orientieren. Die finanziellen staatlichen Hilfen haben zwar oft das Überleben der Betriebe gesichert, aber noch immer laufen die Kosten weiter. Miete, Versicherungen, Leasingverträge müssen bezahlt werden, ohne dass Umsätze gemacht werden.

Überquell Aussen-Panorama

Bei den politischen Entscheidungen gehört die Gastronomie-Branche zu den Vergessenen. Es fehlt an Anerkennung für die Betriebe, die sich im letzten Jahr immer wieder auf neue Verordnungen eingestellt haben und dann dennoch schließen mussten. Neben der rein wirtschaftlichen Sicht fehlt es noch immer an Bewusstsein dafür, wie wichtig Restaurants und Kneipen für das nachbarschaftliche Leben und die Lebensqualität vor Ort sind.

Der Neustart wird schwierig

Nach fast sieben Monaten ruhenden Geschäftsbetriebes sind die Mitarbeiter aus der Gastronomie aus dem Rhythmus geraten. Manche haben ihre bisherige Tätigkeit zwangsläufig ganz aufgegeben und sind in andere Branchen abgewandert. Sobald alle gastronomischen Betriebe wieder auf Volllast gehen, wird es beim Arbeitskräfteangebot eng werden.

Wichtig ist, dass es bei überschaubaren Beschränkungen bleibt. Die Öffnung der Außengastronomie allein bietet für Hamburg keine wirkliche Perspektive. Das ergibt sich schon allein aus den Wetterverhältnissen. Der Betrieb rechnet sich für die meisten Gastwirte erst, wenn sie komplett öffnen können. Bisher ist es in vielen Fällen immer noch billiger abzuwarten als mit sehr begrenzten Plätzen zu öffnen.

Absehbar ist, dass Touristen als wichtiger Umsatzbringer für die Hamburger Gastronomie noch über die nächsten Monate hinweg entfallen, denn Hotels sind weiter nur für Geschäftsreisende geöffnet, Kulturveranstaltungen wie Musicals als Touristenmagnet öffnen erst später und Attraktionen wie das Miniaturwunderland oder der Hamburg Dungeon in der Speicherstadt arbeiten nur mit reduzierter Kapazität.

Viele Unternehmer hadern inzwischen mit der Hamburger Politik

Hamburgs Bürgermeister macht den Gastronomen in der Stadt kurzfristig wenig Hoffnung: Die Innengastronomie steht für ihn bei weiteren Öffnungsschritten auf der hinteren Position. Insgesamt war Hamburg durch die Senatsentscheidungen vom Lockdown stärker betroffen als andere Bundesländer. In Hamburg dauert der Lockdown länger bei teilweise härteren Regeln. So galt in Hamburg die Click and Collect Regel teilweise noch bei Inzidenzen unter 50, obwohl die Bundesnotbremse Click and Collect erst bei Inzidenzen über 100 vorschreibt.

Mit einer raschen Umkehr zu alten Umsätzen ist weder in der Gastronomie noch bei Einzelhandel zu rechnen. Einkaufen oder der Besuch von Kulturveranstaltungen sind ein Gesamterlebnis, das nicht für sich allein betrachtet werden darf. Der Kaffee zwischendurch beim Shoppen in der Innenstadt, der Restaurantbesuch vor oder nach einem Theater- oder Musical-Besuch sind miteinander verbunden. Das aber kommt wohl erst wieder zurück, wenn alle Beschränkungen fallen.

Manfred Troike, 24. Mai 2021

Weiterführende Links:

Internorga Insights – Tim Mälzer zur Situation der Gastro-Branche

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