In der Pause einer Veranstaltung stand ich seitwärts vom Barbereich und schaute auf die Menschen, die sich in Schlangen zum Tresen drängten und wendete dann meine Aufmerksamkeit auf das Service-Personal, das mit großer Schnelligkeit und Präzision hinter dem Tresen die Bestellungen abarbeitete. Spannend war das, was da hinter dem Tresen so alles passierte. Während das Geschäft mit den Gästen auf Hochtouren lief, wurde Wechselgeld für die Kasse besorgt, Artikel aus dem Lager beschafft, Dinge zugereicht und bei all der Hektik blieb die Hauptaufmerksamkeit doch beim Gast: Zuverlässiges Bearbeiten der Bestellung, ein paar freundliche Worte, Lächeln, Augenkontakt.
Mir wurde bewusst, dass das alles nicht selbstverständlich ist. Da arbeiten Menschen mit großem Einsatz und vieles davon wird auf der Seite des Gastes in dem kurzen Kontakt oft gar nicht wahrgenommen oder gewürdigt.
Ich hatte meinen Blickwinkel verändert, war zwischen die beiden Seiten getreten, die der Tresen voneinander trennte und hatte so plötzlich ein erweitertes Erleben.
Die Position zwischen Gast und Gastronomie hat mich fortan nicht mehr losgelassen: Ich begann mich für die Abläufe im Restaurant zu interessieren, wenn ich zum Essen ausging, ich schaute auch gern mal hinter die Kulissen, auf den Küchenbetrieb, den gesamten Weg, den eine Speise von der Bestellung über die Zubereitung in der Küche bis zum Rückweg des Tellers zum Spüler und die Verrechnung im Kassensystem machte. Ich ließ mir erklären, was alles zu tun war, bis alles an seinem Platz stand und die Tür für die Gäste geöffnet werden konnte.
Diese Faszination für den Ablauf in Gastronomie-Betrieben ist mit der Zeit immer weiter gewachsen. Es ist der Kontakt mit sehr unterschiedlichen Menschen, der mich jeden Tag wieder neugierig macht.

