Meinung: Gastronomie leistet erneut den größten Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung

Gastronomen und Hoteliers leisten mit den erneuten Schließungen im November mit den größten Beitrag für die Pandemiebekämpfung – und dafür, dass 98 Prozent der Wirtschaft unbehelligt weitermachen können. Es gibt also gute Gründe für die Politik, die Branche zu unterstützen.

Kaum eine Branche leidet so unter der Pandemie wie Gastronomie, Hotellerie und Event-Veranstalter. Die Branche braucht planbare Hilfen. Zentraler Kritikpunkt an den erneut angeordneten Schließungen ist das Fehlen eines differenzierten Konzeptes für die Gastronomie. Es wird nicht unterschieden zwischen kontaktreicheren Betrieben wie Nachtclubs, Bars oder Diskotheken und professioneller Systemgastronomie sowie klassischer Bediengastronomie mit sicheren Hygienekonzepten.

Gastronomie, leere Stühle

Nach dem Lockdown im März 2020 hatten die meisten Gastronomiebetriebe alle Forderungen zur Corona-Bekämpfung erfüllt oder sogar übererfüllt. Man hatte tausende von Euro in Trennwände investiert, Desinfektionsspender gekauft, Geld für die TÜV-Zertifizierung investiert, Filteranlagen eingebaut, viel Geld für Zelte und Heizsysteme für die Außengastronomie ausgegeben. Da kamen schnell 6-stellige Investitionsbeträge für Hygiene zusammen. Die Gesundheit von Gästen und Personal hatte höchste Priorität.

Der Widerstand der Branche gegen Schließungen ist verständlich, denn es bestehen Zweifel, ob die versprochene Hilfe wirklich in geeigneter Weise kommt. Vor allem braucht die Gastronomie Planungssicherheit für die kommenden Monate. Die Bundesregierung sollte die Zusage an Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern über den November hinaus verlängern, dass sie bei Schließungen 75 Prozent des Vorkrisenumsatzes erstattet bekommen. Das sollte ausreichen, denn viele Kosten für den Betrieb entfallen.

Wichtig ist es auch, die Hilfen differenziert zu planen. Von pauschaler Unterstützung profitieren besonders Systemgastronomen, die ohnehin schon stärker sind. Schon vor Corona verdrängten Ketten Einzelgastronomen. Dabei sind Individualität und Einzigartigkeit deutscher Bars und Clubs der Grund, weshalb viele junge Touristen in große Städte wie Berlin und Hamburg kommen. Auf der anderen Seite bilden familiengeführte Gastronomien den sozialen Mittelpunkt vieler kleiner Orte. Die Politik hat in den vergangenen Tagen viel Vertrauen in der Branche verspielt: Das Versprechen, den Betrieb aufrecht zu erhalten, wenn bloß die Hygieneanforderungen umgesetzt werden, ließ sich nicht halten.

Auf dem Spiel steht nicht nur die Vielfalt der Gastronomie, sondern auch die Akzeptanz der Coronamaßnahmen in der Bevölkerung insgesamt, denn die Not der Gastronomiebetreiber und der Verlust der sozialen Kontakte durch die Schließung von Kneipen und Restaurants wird inzwischen für jeden spürbar.

Manfred Troike, 6. November 2020

 

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