Ganz still verschwunden: HEAT Altona

Die Gastronomiekonzepte von Lennert Wendt scheinen kurzlebig: Nach kurzem Hype sind sie plötzlich verschwunden. So erging es zunächst dem MEHL, das Anfang 2017 nach nur 4 Jahren plötzlich schlißen musste. Nun ist auch der Nachfolger, das HEAT, nach nur zwei Betriebsjahren ganz lautlos verschwunden. Und anders als das MEHL dieses Mal anscheinend sehr endgültig: Homepage und Facebook-Seite sind gelöscht, die großen Fenster des ehemaligen Gastraumes sind mit Zeitungspapier abgeklebt, keine Meldung weist auf das plötzliche Ende dieser Hipster-Pizzeria hin, die doch sonst recht oft in letzter Zeit eine Schlagzeile wert war. Schließlich ist Lennert Wendt gelernter Kommunikationsdesigner. So waren Konzept und Rahmenbedingungen seines Restaurants in mancher Hinsicht geradezu radikal.

  • Altona, ehemaliges HEAT Restaurant
    Altona, ehemaliges HEAT Restaurant von Lennert Wendt

Eine klassische Pizza-Karte gab es nicht, statt dessen ständig wechselnde Kreationen, die auf einer Tafel genannt wurden. Die Qualität wurde viel gelobt, die Preise jedoch waren für ein Pizza-Restaurant sehr gehoben. Auch bei den Getränken wurde ein ganz eigener Weg beschritten: selbstgemachte Limonaden, eigene Spirituosen, Verzicht auf die üblichen Standard-Getränke. Dann plötzlich Umstellung auf rein vegane Pizzen im Sommer 2020.

Parallel dazu weitere Änderungen am Konzept: Eine Zusammenarbeit mit dem Coworking-Ansatz der Workery Hamburg führte tagsüber zu einer Umnutzung des Raumes. Denn die Workery Hamburg ist ein Hamburger Startup, das vor allem tagsüber geschlossene Restaurants nutzt, um gesellige Arbeitsplätze zu schaffen. Der erste flexible Coworking Space entstand im HEAT in Hamburg-Altona. Auch diese Phase war nur von kurzer Dauer, denn das HEAT ergänzte sein Angebot kurzfristig um einen Mittagstisch und hatte deshalb in der Woche eine zeitlang schon ab 11 Uhr geöffnet.

Weitere Schlagzeilen und teilweise auch sehr kritische Kommentare erzeugte die Umstellung auf rein digitale Zahlungen im HEAT. In der Hamburger Morgenpost berichtete Lennert Wendt, dass digitale Zahlungen wie Kartenzahlung oder Zahlungen mit dem Smartphone für ihn nachhaltiger sind, da Bargeld geprägt, gedruckt, transportiert und versorgt werden muss. Ohne all das spart sich das HEAT Kosten, die sich laut Lennert Wendt monatlich auf rund 1.500 Euro summiert haben sollen. Zweifel an der Berechnungsgrundlage für diese Zahl sind angebracht.

Insgesamt scheint das Konzept des HEAT jedoch nicht tragfähig gewesen zu sein. Lennert Wendt wollte sein Konzept bewusst offen und unfertig halten. Für den Gast fehlte es dabei zum Schluss an einer durchgängigen Linie, an Verlässlichkeit im Gasterlebnis, das gerade in diesen unsicheren Corona-Zeiten auch ein wichtiges Kriterium ist. So war das HEAT im August 2020 plötzlich Geschichte.

Manfred Troike, 19. September 2020

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