Neuer Lieferservice „Smart Meals“ nutzt Corona-Krise als Chance

Während viele Betriebe der Gastronomie-Branche durch den Lock-Down in der Corona-Krise um ihr Überleben kämpfen, geht ein junges Startup aus Mannheim mutig voran. Das Konzept von Smart Meals ist ein bundesweiter Lieferservice für gesundes Essen. Dadurch lassen sich in der aktuellen Situation zwei Ziele miteinander verbinden: Den Menschen Hilfe und Unterstützung durch ein gutes Essensangebot per Lieferservice zu geben und zugleich das junge Unternehmen schneller als geplant voran zu bringen.

Gegründet wurde Smart Meals von den beiden Freunden Jeffrey Jampoh und Daniel Huber. Das Unternehmen liefert leckere und gesunde Mahlzeiten versandkostenfrei bis vor die Haustür, derzeit also ein ideales Angebot für Menschen in Quarantäne oder als Hilfe im neuen Home-Office-Alltag. Die Mahlzeiten werden frisch zubereitet, am selben Tag verschickt und kontaktlos innerhalb von drei bis vier Tagen ausgeliefert. Produziert wird im „Cook & Chill“ Verfahren, das heißt die zubereiteten, heißen Mahlzeiten werden möglichst schnell durch den kritischen Bereich zwischen 10 und 65 Grad Celsius geführt.

Im Februar hatten die beiden Gründer ihre Kickstarter Kampagne erfolgreich abgeschlossen und wollten nun ihren Online-Shop fertigstellen und dann in den offenen Marktstart gehen. Auf Grund der Corona-Krise haben sie den Launch ihres Online-Shops vorgezogen und mussten dadurch sehr schnell den Versand auf größere Mengen ausrichten. Dadurch war es notwendig, nun an allen Fronten plötzlich deutlich schneller zu wachsen und voranzukommen, als erwartet. Das war nicht immer leicht. So mussten Verpackungsmaterialien und Ware in erheblich größeren Mengen eingekauft werden, als das zuvor der Fall war. Da Smart Meals mit speziellen nachhaltigen Verpackungen arbeitet, ist hier die schnelle Skalierung eine von mehreren Herausforderungen.

Um der erhöhten Nachfrage nachkommen zu können, wurde kurzfristig von individuell zusammenstellbaren Paketen auf vorgefertigte Lieferpakete umgestellt. So konnte das Unternehmen bedeutend schneller kommissionieren und weiterhin eine attraktive Preisstruktur beibehalten, um auch hier die Mehrkosten nicht an die Kunden in der Krise weiterzugeben. Außerdem wurde extra ein Paket für die Tiefkühltruhe geschnürt. Diese „Vorsorge-Box“ war eine unmittelbare Antwort auf die veränderte Nachfrage in der aktuellen Corona-Situation und wurde auch sofort zu einem Bestseller.

  • Smart Meals - Lieferservice für gesundes Essen
    Smart Meals - Lieferservice für gesundes Essen

Auch vor der Corona-Krise war Food-Delivery bereits ein Wachstumsmarkt. Jetzt hat dieser Bereich zusätzlich Schub bekommen. Es handelt sich aber auch um ein stark umkämpftes Marktsegment. LEINENLOS hatte Gelegenheit dem Gründer und Geschäftsführer von Smart Meals, Jeffrey Jampoh, dazu ein paar Fragen zu stellen.

LEINENLOS: Der Markt für Essenslieferungen ist stark umkämpft. Platzhirsch „Lieferando“ hat in der letzten Zeit in Deutschland nahezu alle Konkurrenten übernommen. Einzig „Eatclever“ hat sich mit einem etwas anderen Ansatz positioniert, indem Eatclever die Gerichte entwickelt und mit entsprechender Schulung und Marketing über Partner-Restaurants vermarktet. Wo seht ihr die Besonderheit und Stärke des Smart Meals Konzeptes im Vergleich zur Konkurrenz?

Jeffrey: In meinen Augen geben wir uns größte Mühe langfristig diese Services zu vereinen und dann auch das eine oder andere mehr und besser zu machen. So bieten wir leckere und gesunde Mahlzeiten an, wie das bei Eatclever der Fall ist. Die können Kunden aber deutschlandweit bestellen, wie das bei Lieferando der Fall ist.

Hinzu kommt dann in nächster Zeit unser digitaler Ernährungsberater. Damit werden unsere Kunden in der Lage sein, auch die Unterstützung zu erhalten, die ihnen normalerweise ein teurer, menschlicher Ernährungsberater bietet. Immer verfügbar und immer hilfsbereit. So wollen wir es unseren Kunden deutlich vereinfachen, gesunde Ernährung zu einem dauerhaften Bestandteil ihres Alltags zu machen und mit digitalem Ernährungsberater und den Mahlzeiten die körperlichen Ziele zu erreichen, die lange Zeit so fern schienen.

LEINENLOS: Das Gründungsteam von Smart Meals kommt selbst nicht aus der Gastronomie, sondern gehört zu den Quereinsteigern im Gastgewerbe. Woher bekommt ihr auf Dauer das Know-How für die Entwicklung weiterer neuer Gerichte?

Jeffrey: Naja, typische Quereinsteiger sind wir so nicht. Daniel ist seines Zeichens „Health and Performance Coach“ – neudeutsch für Fitness- und Ernährungstrainer. Er bringt also durchaus von Haus aus die Expertise mit, gesunde Mahlzeiten und Ernährungspläne zu entwickeln. Aber natürlich war es damit nicht getan.

Wir haben uns das Wissen und vor allem die Erfahrungen weiterer Ernährungsberater und verschiedener Köche eingekauft. Bei der Entwicklung der Speisen halfen drei erfahrene Köche, einer davon ist sogar mit einem Stern ausgezeichnet. Bei der Optimierung des digitalen Ernährungsberaters haben wir mit erfahrenen Coaches aus den USA gearbeitet, die dort schon ähnliche Coaching-Programme etabliert haben. Und all das haben wir dann immer testen lassen und uns Meinungen von Kunden eingeholt.

Wir werden nie alles von uns aus wissen. Daher ist es für uns umso wichtiger, immer so viel Wissen und Erfahrung einzuholen, wie möglich. Ich glaube fest daran, dass wir die uns gestellte Aufgabe nur lösen, wenn wir unnachgiebig dazulernen und verstehen, dass wir nie ankommen.

LEINENLOS: Der Versand über DHL und nicht über eine firmeneigene Logistik ist ungewöhnlich und vielleicht auch gewagt. Wie gelingt es euch, bei den moderaten bzw. recht günstigen Preisen eurer Lieferpakete mit den Kosten des Versands über Standard-Versandunternehmen trotzdem noch Gewinn zu erzielen? Wie sieht eure Kalkulation aus?

Jeffrey: Mit Sicherheit ist der Schritt, sich eines externen Versanddienstleisters zu bedienen, ein gewagter. Einfach weil man hier einen Teil der Erfüllung an jemanden übergibt, bei dem man die Qualitätssicherung aufgrund der Größe des Dienstleisters nicht immer sicherstellen kann. Unterm Strich ist es für uns jedoch zum jetzigen Zeitpunkt kosteneffizienter, den Versand auszulagern und keine interne Logistik aufzustellen. So erreichen wir mehr Kunden, sind schneller flexibel in der Zustellung und haben mit weniger Investitionskosten zu kämpfen.

Dass da mal was schief geht, ist leider gegeben. Das muss man dann einen Moment mit Humor nehmen und im Moment danach schauen, wie viel man tun kann, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden. Für uns bedeutete das in der Vergangenheit, den Dienstleister tatsächlich einmal zu wechseln und beim Neuen tiefer in den Ablauf einzugreifen und mehr Verantwortung einzufordern.

Von Gewinn können wir dennoch zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht sprechen. Das wird sich ausschließlich über das Wachstum unserer Unternehmung und leichte Preisanpassungen darstellen lassen. Wir wollten während der Corona-Krise den Preis aus der Kickstarter-Zeit nicht anheben. Dazu gab es im Team nicht einmal eine Diskussion. Ich möchte nicht versprechen, dass wir die Preise pro Mahlzeit nicht leicht nach oben anpassen werden, aber ich möchte kein Unternehmen sein, dass Kosten und Aufwand auf den Kunden umlegt, weil man sich intern Arbeit ersparen will.

LEINENLOS: Welche nächsten Schritte plant ihr zur Weiterentwicklung eures jungen Unternehmens?

Jeffrey: Als nächstes werden wir unsere Website fertigstellen. Die haben wir ein paar Wochen früher online genommen als geplant, um schneller in der Krise helfen zu können. Gleichzeitig skalieren wir im Hintergrund gerade das Fulfillment, um mehr Bestellungen pro Woche versenden zu können.

Dann schalten wir die zweite Phase von Smart Meals live, nämlich den digitalen Ernährungsberater und die Möglichkeit eines Abos. Und ich mache dann vielleicht mal drei Tage Urlaub. (lacht)

Das Gespräch mit Jeffrey Jampoh führte Manfred Troike am 28. April 2020

Weiterführende Links

Neu am Markt während Corona – und dann auch noch Food?, Startup Valley News – 23. April 2020

Smart Meals – endlich richtig essen, Stuttgart Startups – 26. Oktober 2019

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