Verpackungsmarkt im Wandel

In Zeiten der Coronakrise sind gelieferte Speisen sowie Take-Away-Gerichte gefragt wie noch nie. Und auch mit der schrittweisen Öffnung von Gastronomiebetrieben nach dem Shutdown wird es wohl bei einer stärkeren Nachfrage nach gelieferten oder abgeholtem Essen bleiben. Damit hat auch der Verpackungsmüll für die To-Go-Speisen zugenommen. Deshalb ist es besonders wichtig, auf das konsumentenseitig gestiegene Bewusstsein für nachhaltige und umweltverträgliche Verpackungen Antworten zu finden. Es bedeutet für Anbieter von To-Go-Mahlzeiten eine intensive Auseinandersetzung mit den Verpackungsmaterialien: Was ist nachhaltig, recycling-fähig oder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt? Nicht jedes Material ist geeignet, denn Verpackungen zum Mitnehmen von Muffins, Sandwiches, Salaten, Pizzastücken, Suppen, Curries, Smoothies oder Kaffee benötigen unterschiedliche Eigenschaften.

Environmentally friendly, disposable, recyclable tableware: paper food boxes, plates and cutlery

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Recycling und Müllvermeidung ist wichtiger denn je

Konsumenten interessieren sich mit gestiegener Aufmerksamkeit für Umwelt und Klimaschutz inzwischen auch mehr für die eingesetzten Materialien, Recyclingmöglichkeiten und Müllvermeidung. Andererseits erwarten sie bestmögliche Eignung für den Transport und Verzehr Ihrer To-Go-Mahlzeiten.

Rund 227 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf fallen laut Statistischen Bundesamt durchschnittlich im Jahr an, von denen 107 Kilogramm auf private Endverbraucher entfallen. Über die letzten beiden Jahrzehnte hinweg betrachtet ist die Menge des Verpackungsmülls laut Statista kontinuierlich gestiegen. Das betrifft besonders Kunstoffe und Papier. Bei Glas und Metallen ist der Verbrauch dagegen auf lange Sicht zurückgegangen.

Bequemlichkeit fördert die To-Go-Verpackung

Mittagessen vom Lieferservice oder der schnelle Snack am Imbiss: Laut einer Forsa-Studie im Auftrag von RaboDirect kaufen 42% der Deutschen mindestens einmal im Monat Essen in Einwegverpackungen, 14% sogar mehrmals im Monat. Einen wöchentlichen Konsum bestätigen lediglich sechs Prozent der Befragten. Männer wählen laut Studie häufiger die Einwegverpackung als Frauen, denn Frauen bevorzugen das Vorkochen für den nächsten Arbeitstag. 70% der Frauen nimmt selbst zubereitete Mahlzeiten mit, anstatt mittags Essen zu bestellen oder zum Italiener um die Ecke zu gehen. Auf die Männer trifft dies gerade einmal mit 56% zu.

Dabei geht Sparbewusstsein nicht mit Umweltbewusstsein einher. Wie die Studie zeigt, nutzen Befragte, die regelmäßig Geld auf die hohe Kante legen, mit 42 % häufiger umweltschädliche Einwegverpackungen als Nicht-Sparer mit 32 %.

Junge Menschen greifen öfter zur Einweglösung

Die Forsa-Studie zeigt auch einen Blick auf die Altersgruppen: Mit steigendemAlter scheint der Bedarf an Einwegverpackungen zu sinken. Die Mehrheit (86 %) der über 60-Jährigen gibt an, nie oder nur selten Lebensmittel in Einwegverpackungen zu kaufen. Die 20- bis 29-Jährigen hingegen tun dies deutlich häufiger: 71 Prozent von ihnen konsumieren einmal im Monat Einwegprodukte. 15 Prozent sogar einmal pro Woche. Damit haben die 20- bis 29-Jährigen den größten Verpackungsverbrauch. Ähnlich sieht es bei den 14- bis 19-Jährigen aus. 68 Prozent von ihnen greifen einmal im Monat zur Einwegverpackung.

Neue Verpackungsgesetze setzen auf Recycling und weniger Plastik

In Deutschland gibt es ein gut funktionierendes Abfall-Entsorgungssystem. Doch auch hier sind Änderungen nötig, um Verpackungsabfälle zu vermeiden und die Recyclingquote zu erhöhen. Daher gilt seit 1.1.2019 ein neues Verpackungsgesetz in Deutschland. Unternehmen sollen die von ihnen in Umlauf gebrachten Verpackungen stärker an ökologischen Aspekten ausrichten – umso umweltfreundlicher Verpackungen sind, desto günstiger soll die Entsorgung sein.  Auf diese Weise soll die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen bis zum Jahr 2022 von heute 36% auf 63% steigen. Das europäische Parlament geht noch weiter und beschloss im März 2019 ein Verkaufsverbot von Einweg-Kunststoffartikeln wie etwa Einweg-Tellern, Plasikbesteck, Strohhalmen aus Plastik, Fast-Food-Behältern und Bechern aus expandiertem Polystyrol ab 2021.

Globaler Verpackungstrend: Nachfüllen im Mehrwegsystem

Trotz des gesellschaftlichen Drucks Einwegplastik zu verbannen, wird es das Material noch jahrzehntelang geben. Da nur ein Bruchteil der weltweiten Kunststoffabfälle tatsächlich recycelt wird, besteht die dringende Notwendigkeit, neue Technologien und Plastikalternativen zu erforschen – das betrifft nicht nur Einwegplastik, sondern alle Kunststoff- und Verpackungsmaterialien.

Da Einwegverpackungen heute für viele Verbraucher zum Tabu geworden sind, werden wiederbefüllbare Verpackungen immer beliebter. Das Problem ist jedoch, dass Verbraucher zwar eine Reduktion von Verpackungsmaterialien erwarten, jedoch nicht auf Bequemlichkeit verzichten wollen. Für Unternehmen gilt zudem: Die Verpackung ist einer der Hauptkommunikationskanäle einer Marke – bindet man die Verpackung in ein viele Partner umfassendes Mehrwegsystem ein, kann dies bezüglich der Inhaltsstoffliste und des Wiedererkennungswerts schnell zu einer Herausforderung werden.

Marken müssen bei Nachfülloptionen darauf achten, den Verbrauchern einen ansprechenden Mehrwert zu bieten. Das können etwa Nachfüllbehälter mit interessantem Design sein, die sich auf Instagram teilen lassen und so auch auf sozialen Netzwerken das Engagement mit der Marke stärken. Im Kern müssen Hersteller und Marken den Verbrauchern beweisen, dass das Nachfüllen ein einfacher Prozess ist und keineswegs kompliziert ablaufen muss. Geschickte Nachfüllkonzepte bieten Marken die Möglichkeit, ihre Botschaft auf neuem Wege zu kommunizieren.

Beispiel: Digitales Mehrwegkonzept von VYTAL

VYTAL möchte Mehrweg so einfach und bequem machen wie es Einweg heute ist, mit Verbesserung durch höherwertige Verpackungen und digitalen Zusatznutzen.

VYTAL betreibt Deutschlands erstes digitales und pfandfreies Mehrwegsystem mit hochwertigen, auslaufsicheren Essensverpackungen für Mitnahme- und Lieferessen ohne Pfand. Es richtet sich an Kantinenbetreiber, Restaurants, Supermärkte und Lieferdienste, die gegen den Einwegverpackungsmüll ankämpfen wollen und VYTAL pro Befüllung bezahlen. Für Konsumenten ist VYTAL vergleichbar mit anderen Sharing Diensten wie z.B. eScootern. Kunden registrieren sich einmalig in der VYTAL App oder kaufen eine VYTAL Offlinekarte und können damit bei jedem Partner frisch gespülte Gefäße ausleihen und zurückbringen. Die Abwicklung des gesamten Prozesses erfolgt digital über die QR-Code Etiketten der VYTAL Bowls. Mit Hilfe von Erinnerungen, Anreizen, Gamification und Promotions werden die Nutzer zur regelmäßigen Nutzung und Rückgabe der Bowl motiviert, um so den ökonomischen und ökologischen Mehrwert des Systems zu maximieren. Mit über 98% Rückgabequote und einer durchschnittlichen Leihdauer von 3,5 Tagen erzielt VYTAL nach eigenen Angaben bessere Rücklaufquoten als das deutsche Flaschenpfandsystem.

Fazit

Auch wenn Corona-bedingt die Mengen an Einwegverpackungen für Essenslieferungen trotz gestiegenem Nachhaltigkeitsbewusstsein wieder angewachsen sind, müssen sich Gastronomiebetriebe über neue Lösungen zu Mülleinsparung im Liefer- und To-Go-Geschäft Gedanken machen, um auch in Zukunft noch wettbewerbsfähig zu sein.

Manfred Troike, 19. Dezember 2020

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