Gastronomie 2021: Mehr Wertschätzung nach Lockdown

Nach dieser langen Zeit der Schwierigkeiten wünschen sich alle Menschen, dass Corona endlich vorbei sei möge. Aber Corona wird nie mehr vollständig aus unserem Bewusstsein und unserer Gegenwart verschwinden, weil es die Menschen, ihre Konsumgewohnheiten und den Lauf der Geschichte verändert hat und weiter verändert. Die Veränderungen zwingen zur Kreativität und zur Anpassung an die neue Situation.

Die Wahrnehmung der Gastronomie wurde durch Corona dauerhaft verändert

Auf die Frage, ob sie aus der Corona-Situation etwas Positives für sich ziehen können, führen viele Menschen inzwischen mehr Wertschätzung für immaterielle Dinge an: Sich uneingeschränkt frei bewegen und reisen können, mehr Zeit mit Familie und Freunden  zu verbringen, gesund zu sein, Zeit für sich selbst zu haben und arbeiten zu dürfen.

Und das Arbeiten wird dabei nicht nur aus finanziellen Gründen genannt, sondern Kontakt mit anderen zu haben ist dabei von gleicher, wenn nicht sogar größerer Bedeutung.

Hoffnung auf Geselligkeit

Ausblick auf 2021

Was in der Adventszeit und zu den Weihnachtstagen mit kreativen Gastronomie-Angeboten für den Genuss daheim begonnen hat, lässt sich über den Jahreswechsel hinaus weiterentwickeln: Attraktive, aber unkomplizierte Speisen und Getränke sind angesagt, Orientierung an hochwertigem Streetfood, Speisen, die sowohl im Restaurant als auch als Take-Away funktionieren.

Dazu für den Getränkegenuss passende Angebote zum Abholen oder Liefern: Smarte Highballs statt hochkomplexer Cocktails im mittleren Preisniveau bei vergleichbarer Marge. Highballs bestehen aus einer Basisspirituose und einem kohlensäurehaltigen „Filler“, zum Beispiel Sodawasser oder Ginger Ale. Optional weitere Zutaten sind möglich, der Anteil nichtalkoholischer Zutaten überwiegt. Im Ursprungsland Japan werden Highballs bereits fertig gemixt in Getränkedosen verkauft. Wer die besonders hart vom Lockdown betroffenen Bars und Clubs unterstützen möchte, kann dies über  das Nutzen von „Home Cocktail Delivery“ tun: Zahlreiche Bar-Betriebe haben Angebote zum Abholen oder Liefern für den Getränkegenuss daheim entwickelt. Eine Liste von Cocktail-Lieferdiensten hat Mixology zusammengestellt.

Für den Gastronomen eröffnen diese Angebote für den Außer-Haus-Verkauf eine kleine Möglichkeit, an den Festtagen noch Umsätze zu erzielen. Vor allem aber trifft dieses Angebot die Sehnsucht der Menschen nach einem kleinen Stückchen Wohlgefühl aller bestehenden Beschränkungen zum Trotz. Dieses Erlebnis wird in Erinnerung bleiben und die Gästebindung im nächsten Jahr positiv beeinflussen.

Home-Office verändert das Mittagsgeschäft

Während der Pandemie wurden viele Menschen ins Home-Office geschickt. Dabei haben zahlreiche Unternehmen festgestellt, dass Home-Office eine funktionierende Alternative zum bisherigen Büro-Alltag sein kann. Als Vorteile wurde erkannt, dass die Produktivität im Home-Office nicht leidet und das Unternehmen Geld für Raummiete und Betriebskosten einsparen kann, so dass viele Unternehmen planen, das Home-Office-Modell nach der Pandemie weiterzuführen.

Das bedeutet für Restaurantbetreiber, dass Ihnen Mittagsgeschäft verloren geht. Für die Betreiber von Restaurants, die bisher Mittagstisch angeboten haben, bedeutet das, einen Weg zu finden sich auf diese Veränderung dauerhaft einzustellen.

Aber auch für die zahlreichen Betriebsgastronomien bringt das erhebliche Veränderungen mit sich: Selbstkochen zu Hause ersetzt das Pendeln, zumindest unterbricht es die Arbeit im Home-Office. Für die Gemeinschaftsgastronomie ist es daher wichtig, Veränderungen vorzunehmen. Es bedeutet, mobile Catering-Angebote für das Home-Office zu entwickeln, aber auch zusätzlich zu Frühstück  und Mittagessen Ergänzungsangebote für die Arbeitenden im Betrieb zu schaffen, für kreative Pausen, Arbeitsgespräche in lockerer Atmosphäre und Arbeitstreffen in angenehmer Umgebung. Dies wird der Betriebsgastronomie künftig für den Arbeitsalltag einen anderen, neuen Stellenwert geben.

Lehren aus der Krise

Grundsätzlich hat die Krise bestätigt, dass man immer nach vorne schauen muss und sich den Mut und die Freude an seinem Tun nicht nehmen lassen darf. Ehrliche Gastfreundschaft und der tief verwurzelte Wunsch andere Menschen glücklich zu machen ist ein ganz entscheidendes Fundament für Gastronomen, die trotz Schwierigkeiten versuchen, positiv nach vorn zu blicken.

Der Wunsch, Menschen glücklich zu machen, muss gerade auch nach dem Ende des Lockdown noch stärker als bisher die Mitarbeiter einbeziehen, denen bewusst viel Verantwortung und dabei Spielraum zur freien Entfaltung gegeben werden sollte. Denn ein glückliches Team und glückliche Gäste bedingen sich gegenseitig. Und dem Chef bietet sich dadurch die Freiheit sich Zeit zu nehmen, um neue Ideen zu entwickeln und Inspirationen zu finden.

Dennoch hat die Pandemie das Verhalten der Menschen nachhaltig verändert. Daher gilt es, gastronomische Angebote zu entwickeln, um dem Wunsch der Menschen nach individueller, persönlicher und herzlicher Ansprache entgegen zu kommen und zugleich den Veränderungen im Alltag Rechnung zu tragen.

Manfred Troike, 29. Dezember 2020

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