Aus für „von Freude“ – Hamburger Craft Beer Hersteller in Liquidation

Nach Werten von Statista aus einem Anfang 2020 veröffentlichten Craft Beer Dossier beträgt der Anteil der Biererzeugung von Klein- und Kleinstbrauereien 1,76%. In Deutschland sind das 1,5 Millionen Hektoliter, die von 862 Mikrobrauereien und 1220 Kleinbrauereien produziert werden. 1% der deutschen Biertrinker geben an, „immer“ Craft Beer zu trinken.

Die Zahl an Getränke-Innovationen, die sich ständig neu am Markt zu etablieren versuchen, ist riesig. Aber nur selten hat ein neues Getränk genug Potential, sich dauerhaft zu halten. Craft Beer Brauereinen stehen  dabei den großen Braukonzernen gegenüber, die industrielles Bier im großen Stil produzieren und darauf bedacht sind, geschmacklich konstant zu bleiben und möglichst wenig von der „Norm“ abzuweichen.

Wesentlich für die Tragfähigkeit eines neuen Getränkes ist, wie weit es das aktuelle Lebensgefühl widerspiegelt. Und da aktuell Individualität und Wege abseits vom sogenannten Main-Stream angesagt sind, werden Neuheiten jenseits der Norm schon seit einigen Jahren nachgefragt. Das hat auf dem Biermarkt auch dazu geführt, dass große Brauereien mit neuen Sorten nachgezogen haben. Damit dringen sie jedoch in das in den letzten Jahren von den Kleinbrauereien eroberte Marktsegment ein.

Das der Craft Beer Markt kein einfacher ist, zeigt das Ende der Hamburger Bier-Marke „Von Freude„: Der sogenannte Flagship Store der Biermarke, eröffnet am 20. April 2018 an der Hamburger Prachtstraße Colonnaden, ist schon seit längerer Zeit geschlossen. Jetzt befindet sich die Wahnsinn GmbH, die das Bier „von Freude“ vertreibt, nach Informationen von Northdata in Liquidation.

  • Hamburger Craft Beer Von Freude - ehemaliger Flagship Store
    Hamburger Craft Beer "Von Freude" - ehemaliger Flagship Store an den Hamburger Colonnaden Ende April 2020

Gegründet wurde die Biermarke im Oktober 2013 von Martin Schupeta und Natalie Warneke.  Beide gaben ihre soliden Schreibtisch-Jobs auf und begannen Bier zu brauen, um es zu verkaufen und irgendwann davon zu leben. Im Jahr 2015 war „Von Freude“ in der Craft Beer Arena der Internorga vertreten. Bis September 2017 haben die beiden Gründer die Manufaktur zu zweit betrieben. Danach wurden sechs neue Mitarbeiter im Vertrieb, Export, Gastro-Vertrieb sowie der Kommunikation eingestellt. Die Eröffnung des Ladens mit Tasting Room an den Colonnaden folgte 2018. Später tauchte das Bier auch im Einzelhandel auf. Trotzdem blieb die Marke eher unbekannt. Die letzten Social Media Kommentare im Netz ließen nichts Gutes ahnen: Auf der Facebook-Seite des Unternehmens schreibt am 4. April 2020 ein Kunde „Firma scheint mittlerweile in der Insolvenz! Warte seit Wochen auf eine Bestellung! Niemand zu erreichen! Vorsicht!“

Hamburg ist Vorreiter bei charakterstarken Bieren

Hamburg ist Vorreiter einer Bierbewegung mit einer neuen Generation von Brauern, die mit charakterstarken Bieren für unverwechselbare Geschmackserlebnisse sorgen will. Es geht um Vielfalt. Und es geht auch darum, sich langsam von dem schwammigen Modebegriff „Craft Beer“ zu emanzipieren. „Buddelship„, „Kehrwieder“ und ÜberQuell, aber auch Quereinsteiger wie „Von Freude“ oder „Hammonia“ sind Vertreter einer Bewegung, die zeigt,  dass es tolle deutsche Bierstile gibt, mit denen man Feines machen kann.

LEINENLOS, 08. Mai 2020

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