Das Ende der Kultkneipe „Donnerwetter“ – kein Anspruch auf Milieuschutz

Generationen von jungen Leuten im Süderelberaum sind mit dem „Donnerwetter“ in der Cuxhavener Straße 284 groß geworden und haben hier ihre ersten Streifzüge ins Nachtleben unternommen. Hier feierte man die Nacht hindurch oder genoss den berühmten Sonntagsbrunch. Hier gab es das erste Guinness südlich der Elbe.

Nun wird das Donnerwetter stolze 34 Jahre alt. Und das wird am Wochenende dem 24. und 25. Mai 2019 gefeiert. Aber dieses Mal ist Wehmut dabei: Es wird wohl der letzte Donnerwetter-Geburtstag sein. Donnerwetter-Betreiber Matthias Winkelmann nimmt Abschied von dem Gastronomie-Betrieb, dessen Seele er ganz wesentlich geprägt hat.

Eröffnet wurde das „Donnerwetter“ 1985 von Heiko Hornbacher und Peter Hommel. Der Fernmeldetechniker und der Koch waren Anfang 20 als sie die Idee hatten, eine Szene-Kneipe zu eröffnen. Die Einrichtung besorgten sie gebraucht bei einer bankrotten Dorfkneipe auf dem platten Land, bei der Renovierung half halb Neugraben: Eltern, Freunde und Bekannte. Einige Zeit später hat er dann die Kneipe an seinen ehemaligen Angestellten Matthias Winkelmann verpachtet, der über viele Jahre den Betrieb erfolgreich geführt hat.

Das Ende nach 34 Jahren wurde nun eingeläutet durch den ursprünglichen Gründer selbst: Die Ehefrau des inzwischen recht bekannten Gastronomen Heiko Hornbacher (Donnerwetter, ex Beach-Club, Außenmühlenfest usw.) baut in Kooperation mit dem Margaretenhort auf dem Grundstück hinter dem Donnerwetter ein Heim für ambulant betreutes Wohnen (16 junge Menschen) in acht Wohneinheiten und einem zusätzlichen Büroappartement im Kellergeschoss für das Betreuungspersonal.

Milieuschutz gewährt das allgemeine Bauplanungsrecht nicht

Der Bau wurde ohne Beteiligung und gegen die Interessen aller 17 benachbarten Anlieger genehmigt. Bemühungen, den Schutz der Anlieger-Interessen zu wahren, wurden vom Verwaltungsgericht zurückgewiesen: „Der Gebietserhaltungsanspruch der Antragsteller ist nicht verletzt. Milieuschutz gewährt das allgemeine Bauplanungsrecht nicht“, heißt es in der Begründung des Verwaltungsgerichtes.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die familiäre Verbindung zwischen der Bauherrin und dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion in der Harburger Bezirksversammlung, Ralf-Dieter Fischer. Fischer ist der Bruder der Bauherrin und der Schwager von Heiko Hornbacher.

Ralf-Dieter Fischer: Bezirkswahl mit EigeninteressenWie verbindlich sind Harburgs Bebauungspläne? Um dieses Thema hatte sich 2017 der Dauerstreit zwischen  Ralf-Dieter Fischer und dem Baudezernenten des Bezirksamts, Jörg Heinrich Penner erweitert. Im Bauausschuss hatte Penner die Meinung vertreten, dass es bei veralteten Bebauungsplänen durchaus vertretbar sei, unkompliziert und durchaus umfangreich Befreiungen von den Bestimmungen des Plans zu erlassen, damit potenzielle Bauherren ihre Vorhaben schnell umsetzen können. Fischer und andere Bezirkspolitiker waren der Meinung, dass Ausnahmen vom Baurecht nicht zur Regel werden sollten.

Das gilt aber wohl nur, wenn nicht persönliche Interessen im Spiel sind. Bei dem Bauvorhaben von Sabine Hornbacher mit einer nahezu kompletten Überbauung des Donnerwetter-Grundstücks wurden in aller Stille beachtliche baurechliche Befreiungen ohne Anhörung der Anwohner  durchgewunken. Bei den anstehenden Bezirkswahlen in Hamburg steht Fischer erneut als Spitzenkandidat auf der Liste der CDU. „Verlässlich“ für unseren Bezirk“ – ein Schelm der Böses dabei denkt…

LEINENLOS, 13. Mai 2019

Weiterführende Links:

Geburtstagsfest mit Steuergeld: Auftrag bekam der Schwager, Hamburger Abendblatt,  9. April 2009

Recht muss Recht bleiben, Marktplatz Süderelbe, August 2018

 

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