Hans im Glück: Wummernde Bässe im Birkenwald

Es wird viel darüber geredet: Am 13. Oktober eröffnete Patrick Junge, der 37-jährige ehemalige Chef der Lübecker Bäckerei-Dynastie, in der Turnhalle St. Georg sein zweites Burger-Restaurant in Hamburg.  Sein Ziel ist hochgesteckt: Das Systemgastronomie-Konzept „Hans im Glück“ , dessen Partner Patrick Junge ist,  soll in Hamburg Kult werden.

Dazu wurde das schöne Backsteingebäude an der Langen Reihe  in den letzten Monaten intensiv umgebaut und bietet  jetzt eine Restaurantfläche mit ca. 260 Innenplätzen und knapp 60 Außenplätzen.

Hans-im-Glück, Hamburg St. Georg

Erste Eindrücke

Am ersten Wochenende nach der Eröffnung besuchen wir das neue „Hans im Glück“ in St. Georg: Es ist Freitag gegen 20 Uhr. Das Restaurant ist komplett gefüllt. Wir haben nicht reserviert und werden im ansprechend gestalteten Eingangsbereich in die Warteschlange eingereiht. Das Personal ist gut organisiert und behält trotz des ausgebuchten Lokals den Überblick. Nach kurzer Wartezeit wird uns ein Platz zugewiesen. Wir betreten den hohen Raum mit teils 8 Meter hohen Decken, in den der für das Konzept „Hans-im-Glück“ typische Birkenwald eingearbeitet worden ist. Sanftes Licht, ein Bioethanol-Feuer im Eingangsbereich verbreitet gemütliche Stimmung, im Zentrum der große Barbereich.

Die akustische Atmosphäre steht im Kontrast zum Ambiente, das Wohlfühl-Charakter vermitteln soll: Aus den flächendeckend unter der Decke angebrachten Lautsprechern dröhnt Musik, in die sich das laute Stimmengewirr der 260 Gäste mischt. Man sitzt auf Bänken ohne Rückenlehne, eine Garderobe für meine Jacke und Platz zum Unterbringen meiner Tasche vermisse ich. Ich quetsche mich auf die Bank, die Tasche zwischen den Beinen, die Jacke seitwärts über die Bank gelegt und schaue mitleidig auf den Nebentisch, wo ein Gast mit einer Größe von deutlich mehr als 1,80 m seine Beine nur unterbringen kann, indem er quer auf der engen Bank Platz genommen hat.

Sehr schnell kommt die aufmerksame Bedienung und fragt, ob wir zum ersten Mal bei „Hans im Glück“ sind. Als wir bejahen, wird uns die umfangreiche Karte kurz erläutert. Aufgrund der Lautstärke im Raum gestaltet sich der Dialog mit der Servicekraft schwierig, obwohl die Bedienung in die Hocke geht, um auf Gasthöhe zu kommen und wir Mund und Ohr sehr nahe zueinander bringen. Wir entscheiden uns für das Kombinationsangebot aus Burger und Cocktail („Abendmahl“) mit einem vegetarischen Burger „Wolpertinger“, beschrieben als  pikanter Gemüsebratling mit Heumilchkäse & Avocadocreme, und dem alkoholfreien Cocktail „Sommerwind“ (verschiedene Säfte mit Holundersirup). Dazu bestellen wir zum Vergleich mit klassischen Burger-Restaurants den sogenannten „Klassik-Burger“. Die Getränke kommen schnell. Auf die Burger müssen wir einige Zeit warten, was bei dem vollen Laden und der Tatsache, dass laut Karte alles frisch zubereitet wird, verständlich ist.

So haben wir Zeit, die Karte etwas genauer zu betrachten. Unterhaltung ist aufgrund des Geräuschpegels ohnehin nur unter Anstrengung möglich. Mich interessiert, was sich hinter „Heumilchkäse“ verbirgt. Die Speisekarte gibt dazu folgende Erläuterung: „Im Salzburger Flachgau finden wir noch eines der letzten traditionellen Heumilchgebiete Europas. Viele bäuerliche Familienbetriebe bieten in dieser Region die Basis für eine naturnahe und nachhaltige Milchproduktion. Die Besonderheit: Den Jahreszeiten angepasst, verbringen die Kühe jeden Sommer auf Wiesen und Almen, wo über 50 aromatische Gräser und Kräuter wachsen. Im Winter bekommen die Kühe ausschließlich sorgfältig geerntetes Heu.“

Unsere Burger werden serviert: Recht schmucklos und schlicht kommt der Klassik-Burger daher. Der Wolpertinger, in der Abendmahl-Kombination mit einem standardisierten Salat dabei, wirkt etwas ansprechender. Neugierig suche ich nach dem Heumilchkäse. Eine kleine, trockene Ecke ragt aus dem Ensemble aus Gemüsebratling, Eisbergsalat, Zwiebeln, Tomaten, Hans-im-Glück-Soße und Avocadocreme heraus. Das Geschmackserlebnis ist enttäuschend: Heumilchkäse, sonnengereifte Tomaten, Gemüse und Avocado gehen unter in einer überwürzten Schärfe, die entweder im Bratling oder in der Hans-im-Glück-Soße steckt. Schade um die gepriesen guten Zutaten und all die Mühe mit den Kühen für den Heumilchgeschmack. Die Salatbeigabe ist schlicht und ohne Phantasie. Unsere Rechnung mit 24,40 € für zwei Personen trifft ziemlich genau den kalkulierten Durchschnittsbon des Franchise-Konzeptes (siehe unten: Gastronomie-Kenngrößen).

LEINENLOS Fazit

„Hans im Glück“ erweckt mit seinem Marketing hohe Erwartungen,  die für mich an diesem Abend nicht erfüllt wurden. Aus der Beschreibung des Hans-im-Glück-Konzeptes:

Schon beim Betreten eines „Hans im Glück“ spürt man die einzigartige Leichtigkeit der Einrichtung und taucht ein in völlige Entspannung vom Alltagsstress. Vervollständigt wird das Designkonzept durch einmalige und besondere Produktkreationen. Die Gäste erhalten im „Hans im Glück“ einen komplett neuen Eindruck des Burger-Genusses. (…) Alle Elemente zusammen ergeben den einzigartigen Wohlfühl-Charakter der „Hans im Glück“ Burgergrills und eine stimmige Atmosphäre rund um den „glücklichsten Burger der Stadt“.

Diesem Anspruch ist „Hans im Glück“ bei meinem ersten Besuch nicht gerecht geworden. Mir fehlt es an der Authentizität des Konzeptes. Das, was an Genuss-Erwartungen und Glücksgefühlen versprochen wird, muss für mich als Gast auch erlebbar sein. Mein Erlebnis an diesem Abend war ein durchschnittlich zubereiteter vegetarischer Gemüsebratling mit lieblos beigestelltem Salat in einem interessanten Birkenwald-Ambiente, in dem durch wummernde Musik und einen auf Dauer unerträglichen Geräuschpegel Wohlgefühle eher nicht aufkommen wollten.

„Hans im Glück“ fasziniert Gäste wie Gastronomen mit Glücksversprechen

LEINENLOS betreibt keine Restaurant-Kritik. Aber der Eindruck vor Ort ist wichtig für die wirtschaftliche Einschätzung des Konzeptes mit seinen Chancen und Risiken. Für Gastronomen übt die Marke „Hans im Glück“ zur Zeit eine große Anziehungskraft aus. „Nach über zwei Jahrzehnten Gastronomieerfahrung weiß ich, wie schnelllebig die Gastronomie sein kann. HANS IM GLÜCK ist allerdings ein Konzept, das hochprofitable Ergebnisse und eine sichere Existenz für mich und für meine Familie bietet.“ Das sagt Andreas Kolenda, Hans im Glück Partner der ersten Stunde.

„Hans im Glück“ stützt sich auf die in der Vergangenheit überproportionalen Zuwachsraten der Systemgastronomie und setzt dabei im Segment Freizeitgastronomie auf diesen Trend für die Zukunft. Stand August betreibt der Franchisegeber mit neun Franchisepartnern 24 Hans-im-Glück Burgergrills in 14 Städten und ist weiter auf starkem Expansionskurs.

Aber wie profitabel und sicher ist das Konzept für den Franchisepartner auf  die Dauer?

Das Konzept muss über mehr als 10 Jahre tragen, damit Franchise-Eintrittsgebühr, monatliche Franchiseabgaben und Investitionen auch dem Franchisepartner zu Glück und Wohlstand verhelfen. Für den Fall, dass es sich hier nur um eine kurzfristige Zeitgeistwelle handelt, ist das Konzept für den Franchisegeber immer noch erfolgreich gewesen, die Franchisepartner aber tragen langfristige Risiken.

Insofern sollte vielleicht auch jeder Gastronom, der derzeit fasziniert auf die Erfolgswelle von „Hans im Glück“ schaut, das namensgebende Märchen noch einmal genau lesen:

„So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne!“ Diese Worte spricht Hans, nachdem er auf seinem Weg Schritt für Schritt Wertvolles gegen scheinbar Wertloses getauscht hat.

Die Frage ist, bei wem der Klumpen Gold am Ende bleibt. Schließlich möchte auch der Gastronom aus seinem Einsatz, seiner Risikobereitschaft und seiner Arbeit langfristig Gewinne ziehen und nicht am Ende ohne Besitz aber mit der Leichtigkeit des Seins vorlieb nehmen. LEINENLOS ist gespannt und legt „Hans im Glück“ auf Wiedervorlage für ein Update in einem Jahr.

Der Franchise-Geber

Hinter der Marke „Hans im Glück“ steht Thomas Hirschberger (Gründer der Tex-Mex-Kette Sausalitos). Die gastronomische Fachpresse sieht ihn und seine Unternehmen als Vordenker und Vorbild der Branche. Hirschberger bündelt Brancheninteressen und trägt diese in die Politik und Wirtschaft. Seit März 2006 ist er Vorsitzender der Abteilung Systemgastronomie im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e.V. Im Herbst 2006 erfolgte außerdem die Berufung in das Präsidium des DEHOGA Bundesverbands. Seit 2013 ist Hirschberger DEHOGA Vizepräsident.

Die Gastronomie-Kenngrößen von „Hans im Glück“

  • Ø Umsatz pro Standort/Jahr: ca. 2,0 Mio.
  • Durchschnittsbon: ca. 12,60 Euro
  • Zielgruppe: 0 bis 99 Jahre / Frauenanteil höher
  • Verhältnis Speisen zu Getränke (F-B-Anteil): ca. 60% Food / 40% Beverage
  • Gästedurchlauf: 400-600 Gäste pro Tag

Daten für den Franchise-Nehmer

  • Die Franchise-Eintrittsgebühr beträgt 40.000 € und ist bei Abschluss des Vertrages zu entrichten.
  • Vertragslaufzeit: Der Franchisevertrag wird für jedes „Hans im Glück“ separat geschlossen. Die Laufzeit beträgt 10 Jahre und beinhaltet für den Franchisepartner die Option auf Vertragsverlängerung (2 x 5 Jahre).
  • Laufende Franchise-Abgabe: Die monatliche Franchisegebühr beträgt 5% des Netto-Umsatzes
  • Monatliche Werbegebühr:  1 % des Netto-Umsatzes
  • Durchschnittliche Investition: Die Gesamtinvestitionssumme des Franchise-Partners pro Standort beträgt, je nach Größe und Investitionsmodell, zwischen 500.000 € und  700.000 €
  • Erforderliches Eigenkapital: mindestens 30 % der Gesamtinvestitionssumme – also zwischen 150.000 €  und 210.000€.

 

19. Oktober 2014, Manfred Troike

 

2 Responses to “Hans im Glück: Wummernde Bässe im Birkenwald

  • Interessant zu beobachten, ob die „Burger-Welle“ weiterhin anhält, oder ob es sich tatsächlich nur um ein zeitgeistliches Phänomen ist, welches für den Franchisenehmer langfristig tatsächlich ein Risiko darstellt. Ein Punkt, welcher ja eigentlich nicht konform mit den ursprünglichen Pros und Contras des Franchising geht. Designtechnisch ist das Konzept auf alle Fälle sehr spannend – lässt nicht unbedingt direkt auf Franchise schließen. Sehr interessant auch die Zahlen am Ende des Artikels, wobei da nichts wirklich Außergewöhnliches dabei ist. Viele Grüße

  • Hallo,

    ich betreibe seit 16 Jahren sehr erfolgreich ein Café-Bistro, wobei wir schon sehr essenslastig sind. Außerdem bieten wir 20 verschiede, teils sehr raffinierte, Frühstücke an. Grundsätzlich finde ich das Hans im Glück-Konzept sehr gut, aber wie schon beschrieben bezweifle ich die langfristige Ertragschance. Burger werden die Leute immer essen, aber halt nicht unbedingt zweimal die Woche. Wir haben neben Clubsandwich, Schnitzel, Salaten usw. auch zwei schöne Burger im Programm. Unsere Gäste kommen 2 bis 5 Mal die Woche zu uns, ich denke weil sie eben eine relativ große Auswahl haben, mal nen Burger, mal nen Salat, aber auch ein Schnitzel oder am Nachmittag Kaffee und unseren hausgemachten Kuchen….oder zum ausgiebigen oder schnellen Frühstück.
    Ich denke der langfristige Erfolg von Hans im Glück liegt eindeutig an der Lage des Objekts und/oder an der Einwohnerzahl der Stadt.

    Ich war gestern mit meiner Familie in Rosenheim im Hans im Glück, das Lokal war bummsvoll, sehr viele Frauen übrigens. Nun, kenne ich Rosenheim sehr gut, neue Lokale werden ein bis zwei Jahre überlaufen und fallen dann in der Gunst der Gäste steil ab…

    Aber abgesehen vom Beispiel Rosenheim bin ich mir nicht sicher ob dieses Konzept auf Dauer abwechslungsreich genug ist um die Leute an sich zu binden.

    Wir werden sehen….

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