QR-Code entwickelt sich zum Standard für digitale Speisekarten

Die Speisekarte ist das wichtigste Kommunikations- und Verkaufsmedium eines Gastronomie-Betriebes. Hier gilt es auf klare und eindeutige Botschaften zu setzen und zugleich die vielfältigen Aspekte der Erwartungshaltung der Gäste in der heutigen Zeit zu berücksichtigen.

VEGA, digitale Speisekarte

Foto: VEGA Professional

Die Präsentation der Speisen

Von der Attraktivität der Präsentation ist abhängig, ob den Kunden das Angebot gefällt. Zusätzlich sorgt eine offene Informationspolitik für Vertrauen und hilft dem Gastronomiebetrieb, Werte zu schaffen und ein Markenbild aufzubauen: Sobald die Gäste erkannt haben, dass sie Informationen über die angebotenen Lebensmittel zur Verfügung gestellt bekommen, werden sie dies wertschätzen.

Gezieltes Verkaufen ohne die Anziehungskraft von Bildern zu nutzen, ist kaum noch möglich. Für die Kartengestaltung bedeutet das: Bilder zuerst. Verstärkt werden kann der Bildeindruck durch direkt und unmittelbar platzierte Texte. Dabei müssen sich Bild und Text ergänzen, nicht ersetzen.

Auf zwei Schwerpunkte kommt es an:

  • Die Speisenpräsentation – also Optik der Speisekarte und der präsentierten, fertig zubereiteten Speisen.
  • Die Informationen über die Speisen und Zutaten, um Vertrauen aufzubauen und das Image, die Marke des Betriebes aufzubauen. Dabei spielen die Mitarbeiter, deren Kompetenz und die Kommunikation eine entscheidende Rolle.

Speisekarte – Digital

Restaurants müssen Corona-bedingte Auflagen erfüllen und sich auf neue Anforderungen einstellen. Um das Infektionsrisiko zu vermindern, sollen bundesweit möglichst keine papierbasierten Informationen auf den Tischen ausliegen. Das schränkt den Einsatz der bisher üblichen gedruckten Speisekarte stark ein und führt aktuell zum Angebot zahlreicher digitaler Alternativen.

Bislang gab es die Speisekarte in digitaler Form zumeist nur auf der Webseite des Betriebes – für eine Integration in den gastronomischen Alltag im Restaurant bestand für viele Gastronomen keine Notwendigkeit. Nach einigen Wochen zwischen Shutdown, Quarantäne und Lockerungen kehrt langsam wieder Routine ein. Durch die Hygiene-Auflagen der Bundesländer sehen sich viele Gastronomen damit konfrontiert, umzudenken und digitale Systeme einzusetzen, um den Vorgaben gerecht zu werden und das Personal nicht im Übermaß mit Desinfektion zu beschäftigen. Die einfachste Lösung scheint der QR-Code sein. Mit privatem Mobiltelefon und QR-Code können Kunden die Menüauswahl treffen und bestellen.

Das Angebot von Lösungen für eine digitale Speisekarte wächst daher derzeit stark. Viele Angebote sind kostenlos, jedoch gilt das kostenlose Angebot oft nur für einen bestimmten Zeitraum im Rahmen der Corona-Pandemie. Die Umsetzung ist unterschiedlich, bei den meisten Systemen ist es dem Gastronomen im Anschluss an das Hochladen oder Einsenden seiner Karte möglich, manuell und jederzeit Änderungen und Anpassungen vorzunehmen.

Digital Zusammenführen was im Ablauf zusammengehört

Digitale Kundendaten-Erfassung, digitale Speisekarte, Online-Bestellen, digitales Bezahlen – diese Funktionen lassen sich kombinieren.  Das Tool Hygiene-Ranger erlaubt die Registrierung, um im Restaurant mit den vorgegebenen Daten einzuchecken. Nach der Anmeldung kann man direkt zur Speisekarte weitergeleitet werden – und zwar unabhängig vom System, mit dem die Speisekarte digitalisiert wurde. Gastronomen können die Chance nutzen, die Nachverfolgung der Gästedaten mit der digitalen Speisekarte zu kombinieren.

Um einen möglichst kontaktlosen Service zu ermöglichen, hat das deutsche Unternehmen Tobit eine digitale Speisekarte entwickelt. Um das Angebot zu nutzen, muss der Gastronom lediglich die Seiten seiner Speisekarte als Foto per Whatsapp an Tobit senden. Tobit sendet dann eine eigene Web-Adresse samt QR-Code für die Gäste zu. Als Wirt kann man die Speisekarte jederzeit online bearbeiten und Fotos hinzufügen. Zusätzlich wird die Karte automatisch in weitere Sprachen übersetzt. Gerade in der Gastronomie identifizierte Tobit einen enormen Bedarf an Tools, die auch kleinen Betrieben den Einstieg in die Digitalisierung erleichtern. Die Tobit-Funktionen können genutzt werden, ohne dass umfangreiche Investitionen in die technische Ausstattung oder eine aufwändige Integration ins Kassensystem benötigt werden.

Eine einfache Visualisierung der Speisekarte bietet das Schweizer Unternehmen Visyt Digital AG. Über die Visyt App gelangen die Gäste per QR-Code zur virtuellen Speisekarte. Dort werden die Speisen nicht nur mit Fotos visualisiert, die Gäste können sich auch direkt über Inhaltsstoffe und Kalorienangaben informieren. Auch eine Filterfunktion ist vorhanden, so dass Gäste mit speziellen Bedürfnissen, wie Veganer oder Allergiker, schnell etwas für sie Geeignetes finden können. Gastronomen können ihre digitale Speisekarte selbst jederzeit bearbeiten.

Das Hamburger StartUp SpeiseApp digitalisiert die herkömmliche Speisekarte und erweitert sie um Funktionen für Promotion, Lieferservice und Bezahlung. Auch hier bekommt der Gast Zugriff auf die Speisekarte via QR-Code Scan und wird an eine Web-App weitergeleitet. Es ist keine installierte App für die Nutzung des Angebotes erforderlich. Der Nutzer kann dann das komplette Speisenangebot, inkl. genauer Zutaten und Allergene, einsehen. Es kann über die App bestellt und bezahlt werden, egal ob zur Abholung, Lieferung oder auch direkt an den Tisch im Lokal. Zusätzlich bietet SpeiseApp Promo-Funktionen wie eine integrierte Stempelkarte, Gutscheine und Aktionen an.

Einen ähnlichen Lösungsansatz verfolgt auch Ordito aus Österreich:  Ordito bietet die einfache Digitalisierung einer bestehenden Speisekarte an und verbindet das mit der Möglichkeit für eine integrierte Bestell- und Bezahlfunktion. Auch hier sind keine speziellen Geräte oder Extra-Installationen notwendig.

Auch VEGA, eine der führenden Marken für Gastronomiebedarf in Europa, bietet inzwischen mit 4yourguests die Grundversion einer digitalen Speisekarte mit integrierter Check-In- und Check-Out-Funktion zur Gästeregistrierung an, die zukünftig um Funktionen zur Reservierung, für Online-Bestellung und digitales Bezahlen erweitert werden soll.

Resümee

Eine digitale Speisekarte bietet manche Vorteile gegenüber der gedruckten Variante: Schnelle Änderungen sind möglich, Sonderaktionen lassen sich kurzfristig einbringen. Sie ist hygienischer, weil der Gast sein eigenes Smartphone anstatt einer realen Karte nutzt und es bringt Zeitersparnis für das Personal, weil die Reinigung der Karten und auch das Bringen und Einsammeln der Karten entfällt.

Dennoch ist das rein digitale Erlebnis nicht für jeden Gast eine willkommene Erfahrung. Besonders im gehobenen Gastronomie-Segment wird die schöne Aufmachung der Speise- oder Getränkekarte mit dem haptischen Erlebnis beim Durchblättern eines hochwertigen Papierdrucks vermisst. Deshalb sollte doch zumindest als Ausweichmöglichkeit zusätzlich zur digitalen Karte eine gedruckte Fassung bereitgehalten werden.

Manfred Troike, 16. August 2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Solve : *
6 + 9 =


Lesen Sie weiter:
Beschwerde, Reklamation, Gastronomie
Aus Beschwerden lernen

Eine Beschwerde kann sich schnell auf viele Kunden auswirken. Generell gilt es, Ruhe zu bewahren, den Gast erklären lassen und...

Schließen