Gründung in der Gastronomie: Steuertipps für Existenzgründer

Die Gründung der eigenen Selbstständigkeit ist mit vielen Aspekten verbunden. Auf der einen Seite ist man sein eigener Chef und braucht nicht mehr den Weisungen eines Vorgesetzten zu folgen. Auf der anderen Seite kümmert sich der Gastronom um alle Belange und trägt das Unternehmensrisiko allein. Eine Neuerung in der Steuergesetzgebung führt überdies dazu, dass die Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 7 % wieder auf 19 % angehoben wurde. Viele Gäste tragen dies nicht mit und bleiben den Lokalen fern.

Existenzgründung in der Gastronomie

Wer der augenblicklichen Krise dennoch Stand halten möchte und im Jahr 2024 ein Restaurant oder ein Lokal eröffnet, profitiert von den folgenden Steuertipps für Existenzgründer.

Die Wahl der richtigen Rechtsform

Wer einen Gastronomiebetrieb gründet, muss für das Unternehmen eine passende Rechtsform wählen. Die Entscheidung wirkt sich sowohl in steuerlicher als auch in rechtlicher oder in finanzieller Hinsicht aus.

Für einen Gastronomiebetrieb kommen z. B. die folgenden drei Rechtsformen in Betracht:

  • Einzelunternehmen
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Welche Rechtsform man wählt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wird das Start-up als Einzelunternehmen gegründet, trifft der Gründer allein alle wichtigen Entscheidungen. Er agiert unabhängig und braucht keinem Partner ein Mitspracherecht einzuräumen. Im Hinblick auf die Haftung ergibt sich für ihn allerdings ein Problem: Ein Einzelunternehmer kann von einem Gläubiger auch mit seinem Privatvermögen in Regress genommen werden.

Den Nachteil der privaten Haftung muss ein GmbH-Gesellschafter nicht hinnehmen. Dafür verpflichtet er sich, seine GmbH bei der Gründung mit einem Stammkapital von mindestens 25.000 Euro auszustatten. Eine GmbH ist zudem buchführungspflichtig. Wer das Aufstellen einer Bilanz an einen Steuerberater abgibt, kalkuliert zusätzlichen Kosten in seine Finanzplanung ein.

Für einen Gastronomiebetrieb fallen mehrere Steuern an

Das Führen eines Gastronomiebetriebs bedeutet für den Inhaber, dass er von seinem Finanzamt zu mehreren Steuern veranlagt wird.

Abhängig davon, ob er als Einzelunternehmer oder als GmbH-Gesellschafter fungiert, fallen entweder Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer an. Daneben wird eine GmbH auch zur Gewerbesteuer veranlagt. Ob ein Gastronomiebetrieb – als Einzelunternehmen geführt – auch Gewerbesteuer zahlen muss, hängt von dem Gewerbesteuerfreibetrag ab. Dieser liegt nach dem Gewerbesteuerrecht bei derzeit 24.500 Euro. Als GmbH profitiert das Unternehmen von diesem steuerlichen Vorteil nicht.

Die Umsatzsteuer muss von dem Unternehmer monatlich ermittelt werden. Dies geschieht im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung. Dabei kann die Umsatzsteuer, die dem Gastronomen von anderen Unternehmern in Rechnung gestellt wurde (Vorsteuer), gegengerechnet werden.

Beschäftigt der Gastronomiebetrieb einen Koch, eine Küchenhilfe und Servicekräfte, wird die Lohnsteuer zum Thema. Steuerschuldner ist der Arbeitnehmer. Aber der Gastronom muss als Arbeitgeber dafür sorgen, dass die Lohnsteuer korrekt ermittelt und an das Finanzamt abgeführt wird. Tut er dies nicht, kann er von dem Finanzamt als Haftungsschuldner in Regress genommen werden.

Steuerliche Vergünstigungen für Existenzgründer

Ein Existenzgründer kann verschiedene steuerliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Diese beziehen sich z. B. auf die Ist-Besteuerung und die Kleinunternehmerregelung.

Grundsätzlich ist für einen Unternehmer die Soll-Besteuerung relevant. Dies bedeutet, dass die Umsatzsteuer dann zu leisten ist, wenn der Unternehmer die Rechnung stellt. Liegen die Umsätze in einem Kalenderjahr aber unter 500.000 Euro, kann der Gastronom zur Ist-Besteuerung wechseln. Hierbei werden die Umsätze erst dann der Umsatzsteuer unterworfen, wenn ein Umsatz tatsächlich vereinnahmt wurde.

Die zweite steuerliche Vergünstigung bezieht sich auf die Kleinunternehmerregelung. Von dieser Art der Steuervergünstigung profitiert der Gastronom, wenn er – bezogen auf seinen Umsatz – die beiden folgenden Voraussetzungen erfüllt:

  • Der Umsatz des vorangegangenen Kalenderjahres darf die Grenze von 22.000 Euro nicht überschreiten.
  • Der Umsatz des laufenden Kalenderjahres darf voraussichtlich nicht die Grenze von 50.000 Euro übersteigen

Die Kleinunternehmerreglung wird von dem Finanzamt nicht selbst angewendet. Sie muss von dem Gastronomen beantragt werden. Für ihn bedeutet dies, dass er keine Umsatzsteuer in seinen Rechnungen ausweist, keine Umsatzsteuervoranmeldungen zu erstellen braucht und nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.

Neben den steuerlichen Vergünstigen kann ein Existenzgründer von weiteren Unterstützungsangeboten profitieren. Hierbei kommt es zum Beispiel darauf an, mit einem innovativen Business-Traum ein Startkapital von 100.000 Euro zum Aufbau des Gastronomiebetriebs nutzen zu können.

Wie lässt sich die Mehrwertsteuer-Erhöhung zum Vorteil nutzen?

Die Mehrwertsteuer-Erhöhung von 7 % auf 19 % verschont auch Hamburgs Gastronomie nicht. Viele Restaurants und Lokale haben damit zu kämpfen, dass die Plätze in ihren Räumlichkeiten frei bleiben. Ein Existenzgründer, der sich noch keine Stammkundschaft aufbauen konnte, hat es hier unlängst schwerer. Trotzdem lässt sich hieraus ein weiterer Steuertipp für Existenzgründer generieren.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer bezieht sich nur auf die Gerichte, die die Gäste vor Ort in der Lokalität einnehmen. Der Gesetzgeber bezeichnet die Art der Einnahmen als Restaurationsumsatz, weil hier nicht das Gericht an sich, sondern die Dienstleistung im Blickpunkt steht. Ein Gast zahlt die Mehrwertsteuer nicht für sein Essen, sondern für die Überlassung des Platzes und die Bedienung.

Nicht in diesen Dienstleistungen eingeschlossen ist der Außer-Haus-Verkauf. Wird das in dem Restaurant zubereitete Gericht zu Hause verzehrt, gilt auch im Jahr 2024 der ermäßigte Steuersatz von 7 %. Berücksichtigt ein Existenzgründer in der Gastronomie diesen Punkt, plant er die Außer-Haus-Lieferung als festen Bestandteil seines Business ein. Hiermit macht er seinen Gästen ein zusätzliches Angebot.

Die weiteren Steueränderungen für das Jahr 2024

Die weiteren Steueränderungen für das Jahr bringen ebenso Vorteile wie negative Aspekte mit sich. Als positiv ist zu werten, dass der Grundfreibetrag für einen ledigen Steuerpflichtigen auf 11.604 Euro angehoben wurde. Verdient man mit seinem Gastronomiebetrieb weniger und hat man auch keine anderen Einkünfte, sieht der Staat von einer Besteuerung ab. Insofern ist der Grundfreibetrag von 11.604 Euro mit dem steuerlichen Existenzminimum identisch.

Ein Nachteil ist darin zu sehen, dass die Energiepreisbremse im Jahr 2024 nicht weitergeführt wird. Wer 2024 einen Gastronomiebetrieb eröffnet, muss deshalb in seinen Planungen einen höheren Energieaufwand einbeziehen.

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