Leaders Club Award 2019: Multiplex-Konzepte machen das Rennen

Deutscher Gastro-Gründerpreis, Best Food Founder Award, deutscher und internationaler Leaders Club Award, es gibt inzwischen viele Wettbewerbe, die die Gastronomiegründung und Gastronomie-Konzepte in den Mittelpunkt stellen. Es fällt zunehmend schwerer, die Schwerpunkte der einzelnen Preisverleihungen zu erkennen. Einer der ältesten und bedeutendsten Preise für die deutschsprachige Gastronomie  ist gewiss der Leaders Club Award, der in diesem Jahr bereits zum 18. Mal vergeben wurde.

Der Leaders Club Award wird zur Förderung von Innovationen in der Branche verliehen. Seit 2002 werden so jährlich neuartige und zukunftsweisende Konzepte der Gastronomie nominiert und ausgezeichnet, die einen potentiellen Branchentrend darstellen.

Gastronomie als verbindende Rolle – es wird auf Vielfalt gesetzt

Aus einer Vielzahl an Bewerbungen und Vorschlägen aus dem Leaders Club hat die Jury vorab sechs Konzepte aus Deutschland und Österreich ausgewählt, die sich beim Finale im Europa-Park Rust dem Publikumsvotum der rund 400 geladenen Gäste aus Gastronomie, Industrie, Branchenverbänden und Fachpresse vorgestellt haben.

Im Vergleich zu den Vorjahren fällt auf, dass bei der Nominierung in diesem Jahr eher große Vorhaben bis hin zur Stadtquartierplanung gewürdigt wurden. Themen sind dabei Leben, Wohnen, Arbeiten und Bewegen.  Bei diesen Konzepten steht die Gastronomie nicht mehr für sich allein im Vordergrund, sondern sie spielt vor allem eine verbindende Rolle. Um dem Anspruch gerecht zu werden, für jeden etwas zu bieten, wird auf Vielfalt gesetzt – und das kommt beim Fachpublikum an.

Die Nominierungen für den Leaders Club Award 2019

Bar Shuka, Frankfurt am Main

Das Konzept ist eine Küche, die keine Grenzen kennt: Die Speisen und Aromen Tel Avivs, ein Konglomerat aus arabischen Gerichten und kulinarischen Moden aus aller Welt, treffen im Bar Shuka auf regionale Zutaten, mit Akzenten aus der jiddischen Tradition. Der Name Bar Shuka ist eine Anspielung auf die Shuks, die Märkte in Israel. Von den Shuks abgehend gibt es kleine Restaurants, die sich von den Produkten der Märkte bedienen. Gemeinsames Essen, Teilen und Kommunikation bilden die Leitlinien für die kulinarischen Kreationen, die mal auf Keramik aus Portugal, mal direkt auf den Tischen serviert werden. Entwickelt wurden die Gerichte von Küchenchef Stephan Kaiser gemeinsam mit dem israelischen Spitzenkoch und Gastronom Yossi „Papi“ Elad. Das Motto: „Je bunter desto besser“.

Drilling, Hamburg

Drilling, das meint ein Gastronomiekonzept, das aus einer Mischung von drei ganz unterschiedlichen Teilen besteht: Ein Third-Wave-Café, eine Mixologen-Bar und eine Craft-Destille mit insgesamt 80 Sitzplätzen bilden im Kesselhaus der ehemaligen Marzipanfabrik in Hamburg-Bahrenfeld einen einzigartiges Nebeneinander. Third Wave Coffee, auf Deutsch dritte Kaffeewelle, ist eine Konsumhaltung, die für die Produktion von hochqualitativem Kaffee steht und Kaffee, ähnlich wie Wein, Schokolade, Gin oder Craft beer, als Genussmittel und nicht als bloße Ware betrachtet. Man setzt also auf die aktuellen Mega-Trends Regionalität und transparente Handwerklichkeit. Schon früh am Morgen ist das Café ein Magnet für Third-Wave-Enthusiasten. Auf der Karte finden sich saisonal wechselnde, lokal geröstete Kaffees aus nachvollziehbarer Herkunft. Dazu gibt es Frühstück sowie kleine, originelle Gerichte. Abends verwandelt sich das Café dann in eine Bar: Man trifft sich zum After-Work-Drink. Zum Ausschank kommt Außergewöhnliches, das auch vor Ort entsteht: In der Destille werden seit dem Sommer 2018 mit viel Sorgfalt handwerkliche Brände produziert.

Enter the Dragon, München

Auch „Enter the Dragon“ setzt auf ein Multiplex-Konzept aus unterschiedlichen Konzeptteilen. Vier mächtige Tiere stehen dabei für die vier Konzeptteile: Das 200-Plätze-Restaurant „The Flying Dragon“ serviert panasiatische Fusion-Küche in Räumlichkeiten, die den urbanen Charme einer asiatischen Metropole mit der Gemütlichkeit eines chinesischen Wirtshauses verbinden. Beschützt von Papierschirmen und mobilen Schiebetüren speisen die Gäste hier nach dem Sharing-Prinzip Sommerrollen, Dumplings, Suppen und Bowls. Nebenan richtet sich „The Fat Panda“ als vietnamesische Street Food Eatery mit beliebten Klassikern wie Saigon Spareribs oder hausgemachten Gemüse-Gyoza an alle, die auf der Durchreise wenig Zeit mitbringen. Eine Wendeltreppe führt hinab in den „Drunken Monkey“ Dance & Music Club, auf dessen Bühne Subkultur auf Mainstream trifft, Live Music sich mit Podiumsdiskussionen und Buchvorstellungen abwechselt. Rund 250 Gäste tanzen hier freitags und samstags zu elektronischer Musik und Hiphop. Und selbst Singen können bis zu 100 Hobby-Sänger in der T(ha)iki Karaoke Bar „Crouching Tiger“, dem Treffpunkt von Mixologie-Kunst und tropischen Vibes der polynesisch-asiatischen Trinkkultur.

Das Lebendige Haus/Felix, Leipzig

Mit gleich fünf gastronomischen Konzeptteilen tritt „Das lebendige Haus“ an. Das denkmalgeschützte ehemalige Hauptpostamt im Herzen Leipzigs ist seit jeher ein Ort der Begegnung und Kommunikation. Immer schon ein „lebendiges“ Haus, wurde es mit Apartments, einem Hotel, Büros, Co-Working-Space, Läden und Sportangeboten neu belebt. Und mit einer vielfältigen gastronomischen Mischung: Zu jeder Tageszeit genießen die Gäste in der „Kantine“ unkomplizierte, authentische Gerichte aus frischen Zutaten, wie den Lunch im Baukastensystem und eine saisonal variierende Auswahl an süßen und herzhaften Bowls. Sundowner gefällig? Die 200 qm großen Dachterrasse mit Cocktailbar bietet besten Blick über den Leipziger Augustusplatz. Im Felix Restaurant in der 7. Etage finden bis zu 100 Gäste unter einem Lichtkunstwerk mit tausenden farbigen LED-Leuchten Platz. Das innovative Fine Dining-Konzept bricht die klassischen Grenzen auf, denn hier kommunizieren die Köche direkt mit den Gästen und kochen sogar am offenen Küchenblock gemeinsam mit ihnen. Augenzwinkernde Hommage an den traditionsreichen Standort: Die Gäste erhalten das Menü als versiegeltes Briefkuvert. Alle Weine können in der Felix-Vinothek unter der Anleitung eines Sommeliers verkostet werden. Getreu dem Motto „Zapf‘s dir selbst“ dürfen die Gäste außerdem die zehn verschiedenen Biere in Eigenregie probieren. Für ausgelassene Feiern und Events schafft der Felix Club mit über 400 qm Fläche eine ganz besondere Atmosphäre hoch über den Dächern der Stadt.

Garage, Mattighofen/Österreich

Das an die spektakuläre Motohall des österreichischen Weltkonzerns KTM angeschlossene Restaurant „Garage – die Tüftler“ steht beispielhaft für die konsequente Verknüpfung von Motorsport und Gastronomie zu einer ganzheitlichen Markenwelt. Geworben wird mit  einer kulinarischen  Entdeckungsreise von Mattighofen über Paris bis nach Dakar. Die Garage präsentiert sich als modernes Erlebnisrestaurant mit engem Bezug zum Standort und Blick für Details. Dabei steht das heimische Brot im Fokus. Kulinarisches Leitmotiv ist die Frage: Wie könnte ein Brot entlang der Rallye-Route schmecken?

Werksviertel-Mitte, München

Die Vision für das Werksviertel-Mitte lautet, Raum zu bieten für Architektur sowie digitale, kreative und künstlerische Innovationen – ein Gesamterlebnis, in dem Menschen sich wohlfühlen, zusammenkommen und neue Impulse erhalten sollen. Die Vielfalt macht’s bei den Restaurants und Street Food-Konzepten des Quartiers: Ob im ausrangierten Schiffscontainer, auf der Sonnenterrasse, in einer der schönsten Rooftop-Bars der Stadt, beim Weißwurst-Frühstück im Riesenrad oder auf der Imbiss-Meile am „Knödelplatz“. Wo einst Pfanni-Knödel entstanden, köcheln heute syrische Spezialitäten und Thai-Curry nahe dem Werkswurst-Grill, werden Burritos gerollt, Pizzen gebacken, Poké Bowls komponiert und guatemaltekischer Kaffee serviert. Musik und Essen bilden auch bei Messen, in den Clubs- und auf den Live-Bühnen das verbindende Element.

Die Gewinner der Goldenen Palme

Die goldene Palme sichert sich die Bar Shuka aus Frankfurt, der zweite und der dritte Platz gehen nach München: Silber für das „Enter the Dragon“ und Bronze für das „Werksviertel-Mitte“.

Bei soviel Multiplex, Multi-Cuisine und Multi-Konzepten ist zu wünschen, dass die Gastronomie-Branche, die sich hier zu Recht feiert, darüber eine wichtige Säule ihrer Existenz nicht vergisst: die facettenreiche, einfühlsame Kommunikation mit dem Gast.

Manfred Troike, 30. Oktober 2019

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