Start-Investition: Ein Bräter, ein Stabmixer und ein Satz Weingläser

DinnerClub Zum Kuckuck„Der DinnerClub Zum Kuckuck braucht keinen festen Ort. Ein Tisch, drei Gänge, vier Weine, zehn Gäste. Mal hier, mal dort und immer ein Erlebnis. Orte, die überraschen und an spannende Ecken der Stadt locken. Regionale Zutaten, gerne Bio, frisch, experimentell und mit Liebe gekocht“, so erklärt Ulf Henrik Lindeholz seine Gründungsidee auf der Homepage seines Dinnerclubs.

Hinter dem Konzept verbirgt sich eine Variante der sogenannten „Secret Supper“ oder auch „Private Dinner“, die in letzter Zeit hauptsächlich in Berlin und Hamburg von sich reden machten.

Beim „Secret Supper“ bewirtet ein begeisterter Hobby-Koch oder eine begeisterte Hobby-Köchin in der Privatwohnung fremde Menschen. Beim „DinnerClub Zum Kuckuck“ geht es weniger geheim, dafür aber hochprofessionell zu. Der Grundgedanke ist dem „Secret Supper“ jedoch ähnlich: An einem vorher festgelegten Ort  treffen sich zehn bis zwölf Personen zu einem exklusiven Menü.

Wie der Kuckuck sein Ei in fremde Nester legt, so wählt Ulf ungewöhnliche Orte aus, an denen die Gäste bewirtet werden. Das Menü des Abends, die Musik, die Dekoration werden auf den jeweiligen Ort abgestimmt.

Das Team des „DinnerClub Zum Kuckuck“ besteht aus Ulf Lindeholz als Koch und Wiebke Basse im Service. Geboten wird feine Küche in einem unkonventionellen Umfeld. Ulf kocht seit 10 Jahren im gehobenen Küchenstandard und weiß, was schmeckt. Wiebke hat auf dem “New Zealand Chocolate Festival” und in ihrer Party-Catering-Agentur “Budz&Bass” gelernt, wie man Gästen einen ausgezeichneten Service bietet.

Ich treffe die beiden zu einem Gespräch über ihre ungewöhnliche und spannende Gründungsidee, mit der sie seit Juli die Gastronomie-Szene in Hamburg bereichern.

Dinnerclub "Zum Kuckuck": Wiebke Basse und Ulf Henrik LindeholzHallo Wiebke, hallo Ulf.  Schön, dass es geklappt hat,  uns zu diesem Gespräch zu treffen. Ihr habt ein  relativ neues Gastronomie-Konzept in Hamburg ins Leben gerufen, den  „DinnercClub zum Kuckuck“. Dabei veranstaltet ihr in einem kleinen, recht privaten Rahmen ungewöhnliche Menüs für wenige Gäste an unterschiedlichen Orten. Wie sieht es mit eurem Hintergrund aus? Kommt ihr beide aus der Gastronomie oder seid ihr Quereinsteiger?

Ulf: Also die Ausbildung in der Gastronomie habe ich, ich bin Koch.

Wiebke: Und ich bin Quereinsteiger. Ich komme aus der Veranstaltungsbranche.

Eventmanagement und Gastronomie hängen ja auch ein wenig zusammen.

Wiebke: Das passt auch bei der Dinnerclub-Geschichte ganz gut, weil wir ja eine Veranstaltung für den Abend organisieren, die gastronomisch begleitet ist.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Ulf: Kennengelernt haben wir uns in Hamburg. Und dann sind wir gemeinsam ein Jahr nach Neuseeland gegangen. Dort haben wir dann auch zusammengearbeitet, Wiebke im Service und ich als Koch. Und jetzt arbeitet Wiebke auch gerade in „Olles Restaurant“.

Wiebke: Genau, im „Olles“ in Ottensen. Ich mache das, um einfach in die Servicetätigkeiten wieder hinein zu kommen. Ich habe zwar damals in Neuseeland im Service gearbeitet, aber Service ist eine Routinesache. Man vergisst und verlernt auch schnell wieder viel von den Abläufen, wenn man es eine längere Zeit nicht mehr gemacht hat. Deshalb habe ich das neben unserer Tätigkeit im Dinnerclub noch einmal aufgenommen, um mehr Routine im Service zu bekommen.

Und du Ulf bist jetzt neben der Tätigkeit im Dinnerclub auch noch angestellt?

Ulf: Nein, seit dem 1.7. bin ich selbstständig. Davor war ich angestellt. Also, wir hatten noch eine kurze Auszeit davor: Wir waren noch in Indien für ein paar Monate. Sonst war ich ganz normal in Hamburg berufstätig, mit einer Ausnahme, dem einen Jahr in Neuseeland. Ich habe in vier Restaurants gearbeitet: im Brook, im Vienna, im Cox und im La Mirabelle; im La Mirabelle habe ich meine Ausbildung gemacht.

Und den „DinnerClub Zum Kuckuck“ gibt es dann erst seit dem 1.7. oder schon länger?

Wiebke:  Seit dem 1.Juli.

Das ist ja erst eine ganz kurze Zeit.

Wiebke: Ja, wir haben einen Testlauf gemacht am 14. Juni. Das war der erste Termin bevor wir das Ganze öffentlich gemacht haben. Das war privat bei uns zu Hause und auch nicht gegen Bezahlung, sondern wir haben Freunde eingeladen, um zu schauen wie das funktioniert. Und die Gäste mussten dann hinterher einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie aufgeschrieben haben, wie es ihnen gefallen hat und was wir besser machen können. Und insbesondere für uns haben wir an diesem Abend getestet, wie das Zusammenspiel zwischen uns funktioniert. Denn das letzte Mal, dass wir beide in der Gastronomie zusammengearbeitet haben, war in Neuseeland. Und das ist ja nun doch schon eine Zeit her.

Ulf: Und es war auch im Urlaub. Da ist sowieso alles ein bisschen anders.

Und der Dinnerclub funktioniert so, dass ihr bestimmte Lokationen aussucht, dafür bestimmte Termine anbietet und für diesen Anlass ein Menü zusammenstellt?

Ulf: Genau. Wir suchen eine Location aus und für diese Location entwerfen wir ein Menü, das dazu passt. Wenn wir das jetzt zum Beispiel für die KorallBar auf St. Pauli machen, dann orientiert sich das Konzept für den Abend an einer Kneipe. Da gibt es dann auch mal eine Linsensuppe oder eine Currywurst. Es bleibt bei der entsprechend hohen Qualität der Speisen, die wir mit dem Dinnerclub anstreben. Aber die Zusammenstellung der Speisen wird angepasst. Genauso machen wir das mit der Musikauswahl. Es geht eben ganz viel um Atmosphäre, die wir entsprechend der Location ausloten.

Das stelle ich mir nun ausgesprochen anstrengend vor!

Ulf und Wiebke: Das ist es!

Man springt in eine Örtlichkeit hinein, die man vorher noch nicht kennt, und muss nur für diesen Abend eine Speisenfolge entwickeln…

Ulf: …und die Gläser mitbringen und die Dekoration…

Wiebke: Also bisher hatten wir Glück, dass es meistens Teller usw. gab, aber Gläser bringen wir meistens mit, denn wenn wir guten Wein anbieten, möchten wir das auch mit guten Gläsern tun. Es sei denn, es gibt vor Ort gute Weingläser, dann nehmen wir natürlich auch gern die vor Ort. Besteck haben wir bisher immer mitgebracht. Gerade in einer Kneipe gibt es oft nur ganz einfaches Besteck und das Besteck soll ja zum Gesamtbild des Abends passen. Ja, wir bringen einfach alles mit, die Deko, die Blumen, wir bauen dort für diesen Tag einmal auf.

Alles nur für diesen einen Abend?

Ulf: Ja, nur für diesen Abend. Danach holen wir alles wieder dort heraus.

Das kann man sich dann in einer hohen Frequenz auch nicht leisten, oder? Ich meine, dass könnte man jetzt nicht täglich machen.

Wiebke: Nein, täglich funktioniert das tatsächlich nicht. Besonders wenn wir vor Ort keine Spülmöglichkeiten für Geschirr oder Gläser haben. Dann müssen wir das Geschirr teilweise ja auch schmutzig mit nach Hause nehmen.

Ulf: Ja, es gibt tatsächlich auch Locations, wo nicht einmal ein Herd vorhanden ist, dann bringen wir selbst auch Platten zum Kochen mit.

Aber wenn ihr die Räume aussucht, könntet Ihr es euch selbst doch ein bisschen leichter machen.

Wiebke: Das stimmt! (lacht) Aber das Interessante daran ist, das es ja auch eine ausgefallene Location sein soll.

Ulf: Keine Mietküche.

Wiebke: Also zur Not auch einmal eine Mietküche. Aber ich glaube, wenn man sich beim „DinnerClub Zum Kuckuck“ einbucht und einen besonderen Abend erwartet, dann ist eine Mietküche einfach zu wenig. Ich würde als Gast mehr erwarten. Ein wichtiges Element ist schließlich auch die Überraschung.

Ulf: Es ist ja schon ein besonderer Effekt, wenn ich eine normale Kneipe besuche, die sich für diesen Abend in ein Restaurant verwandelt. Und für uns selbst wird es auf diese Weise auch nicht langweilig.

Wiebke: Genau! Man improvisiert immer wieder neu.

DinnerClub Zum Kuckuck: Vorbereiteter Service-TischFoto: Matze Enning

Das klingt schon sehr aufregend. Was zahlt man dann für so einen Abend? Für euch ist das ja schon eine Menge Aufwand. Daher kann es eigentlich nicht der Preis sein, den man in einem gewöhnlichen Restaurant für ein Dreigang-Menü zahlen würde.

Ulf: Das müssen wir natürlich auch ein wenig davon abhängig machen, wie teuer die Locations sind. Unabhängig davon sind wir in diesem Jahr bei einer Preisspanne von 55 bis 65 Euro für ein Dreigang-Menü mit begleitenden Weinen, das sind natürlich Kennenlernangebote. Das wird sich auf jeden Fall noch einmal ändern. Wie gesagt, es ist eben ein Riesenaufwand. Aber man bekommt ja auch eine Menge dafür.

Und die Gäste, die sich an so einem Abend bei euch zu einem Menü treffen, das sind alles Leute, die sich vorher noch nicht kennen, die sich alle an diesem Abend zum ersten Mal begegnen?

Ulf: Das ist eine der tollsten Sachen bei unseren Dinnerclubs. Zwar wird gewöhnlich paarweise oder in einer Vierergruppe gebucht, aber ansonsten kennen sich die Leute vorher nicht. Wir hatten schon ganz unterschiedliche Altersgruppen an einem Tisch und die Leute haben einen schönen gemeinsamen Abend verbracht und hinterher Namen und Telefonnummer ausgetauscht. Das ist uns das Wichtigste: gutes Essen, ein schöner Abend, gute Gespräche.

Wiebke: Der Austausch untereinander.

Und wie viele Personen sind das an einem Abend?

Ulf: Zehn Personen. Es können auch mal zwölf werden, aber mehr wollen wir nicht. Wir sind ja nur zu zweit. Und schließlich gehört auch das zu dem Charme dieser Abende, dass man nur für eine kleine ausgewählte Gruppe da ist.

Wiebke: Wir wurden aber auch gefragt, als wir die Dinnerclub-Termine angeboten haben, ob wir auch zu Leuten nach Hause kommen. Und das machen wir natürlich auch.

Eigentlich ist es das, was ich mit dem Dinnerclub-Gedanken verbunden habe, nämlich dass man sich einen Mietkoch nimmt und in seinen eigenen Räumlichkeiten ein Essen für Gäste veranstaltet, die man an diesem Abend zum ersten Mal trifft.

Wiebke: In der Tat ist es so, dass wir für beides aufgestellt sind. Zum einen bieten wir eigene Termine in speziellen Räumlichkeiten an, zum andern gehen wir zu jemandem nach Hause, da ist es dann aber so, dass derjenige die zehn Leute einlädt. Das ist dann z.B. ein Geburtstag oder eine Familienfeier in kleinem Rahmen. Für den Gastgeber hat das den Vorteil, dass er zuhause in seiner gewohnten Umgebung ist. Er kann den Abend mit seinen Gästen genießen, muss sich aber um nichts kümmern. Und alles wird wieder aufgeräumt und ordentlich hinterlassen. Es ist aber eben etwas anderes als ein Catering, weil man die persönliche Betreuung von uns hat und auch vom Koch noch unmittelbar etwas über die Zubereitung der Speisen erfahren kann. Auf diese Weise bekommt man doch einen anderen Einblick als wenn man einfach nur das Essen vorgesetzt bekommt.

Ulf: Und noch ein wesentlicher Unterschied zum Catering ist, dass bei unserer Veranstaltung eben nicht nur jemand das ist, der aufbaut, abbaut und verschwindet, sondern wir verbringen ja auch noch Zeit mit den Gästen, trinken nach dem Essen noch ein Glas Wein mit ihnen und unterhalten uns noch ein wenig.

Ulf Henrik Lindeholz, Inhaber und Koch des "DinnerClub zum Kuckuck"Nochmal zurück zum Thema Selbstständigkeit und Existenzgründung. Du hast ja erst im Juli vom Anstellungsverhältnis in die Selbstständigkeit gewechselt. Erhältst du zurzeit irgendwelche Fördergelder?

Ulf: Ich bekomme einen Gründerzuschuss.

Den Gründerzuschuss gab es im letzten Jahr als garantierte Leistung. Seit diesem Jahr ist die Entscheidung darüber, ob man einen Gründerzuschuss bekommt oder nicht, abhängig von der Entscheidung des Sachbearbeiters. Das ist leider eine Verschlechterung bei der Gründungsunterstützung.

Wiebke: Ja, leider schon, wir hatten großes Glück, unsere Idee hat anscheinend überzeugt. Den Zuschuss erhält man jetzt genau für sechs Monate und man kann ihn um weitere neun Monate verlängern. In der Verlängerung erhält man dann aber nur noch die Sozialleistungen. Wir haben gerade die Weiterführung beantragt.

Und wenn ihr jetzt nach einem eigenen Restaurant-Objekt sucht, dann ist das …

Wiebke: … das Nest wäre das Ziel.

Ach so, also der „DinnerClub Zum Kuckuck“ ist der Einstieg und das spätere Ziel ist ein eigenes Restaurant?

Wiebke: Genau.

Da heißt, ihr sucht zurzeit auch nicht aktiv nach einem Objekt. Das ist dann etwas, das eher mittelfristig eine Rolle spielt. Oder seid ihr auch jetzt schon parallel zu Eurer Dinnerclub-Aktivität auf der Suche nach einem geeigneten festen Objekt?

Ulf: Wir schauen immer mal wieder. Aber dadurch, dass sich unser Dinnerclub gerade erst entwickelt, gibt es bei der Suche nach einem eigenen Restaurant nicht mehr so viel Druck. In dieser Situation kann man einfach mit einem anderen Bewusstsein daran gehen, denn man hat immer noch etwas, was nebenbei läuft. Wobei man sagen muss, dass das was wir jetzt machen eigentlich nicht so nebenbei läuft. Da steckt schon unser ganzes Herzblut drin. Wenn uns aber zufällig das perfekte Objekt über den Weg laufen sollte und wir denken, wir sind in der Konstellation stark genug, und alles läuft gut, dann selbstverständlich gerne.

Wiebke: … wobei wir andererseits auch schnell mal wieder Umdenken, dass man z.B. überlegt, wir nehmen uns vielleicht einen kleinen Raum, wo eine Küche drin ist und dann haben wir eine feste Location, in der wir immer Dinnerclub machen können, wenn wir das möchten. Also natürlich nicht täglich, aber mit zwei Terminen im Monat und man geht trotzdem noch raus und macht zwischendurch Veranstaltungen an anderen Orten. Auf diese Weise würde man sich eine feste Basis schaffen und erhält sich trotzdem noch den Reiz aus der Flexibilität der Grundidee. Das wäre auch denkbar.

Also ich merke schon, der Dinnerclub ist wirklich zurzeit eure Leidenschaft.

Ulf: Auf jeden Fall!

Wiebke: Ja, das macht total Spaß!

Und ich habe gedacht, das Dinnerclub-Konzept wäre für euch eine Übergangsidee, eine Art Brücken-Element, an dessen Ende das eigene Restaurant als Ziel steht. Ein „Mal-Ausprobieren“,  aus einem festen Anstellungsverhältnis kommend, die Selbstständigkeit in der Dinnerclub-Idee erproben und damit die Basis schaffen für die Selbstständigkeit in einem eigenen Betrieb.

Ulf: Also ich denke, der Dinnerclub hat uns in den Gedanken, was man alles machen könnte, sehr viel Freiheit geschenkt.

Wiebke: Wenn man das mit dem eigenen Restaurant mal so durchrechnet, sich überlegt, was man investieren muss, daran denkt, dass man sich zuerst einmal hoch verschuldet, ohne dass man überhaupt schon den ersten Gast bewirtet hat, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass der Dinnerclub einem ein gutes Sprungbrett gibt, um das Risiko für die Zeit zu mindern, bis man sich erst einmal etabliert hat. Wenn man dadurch schon bekannt ist, so dass Leute sagen „O, die haben jetzt einen eigenen Laden!“, dann hätte man auf diese Weise vielleicht schon ein paar Gäste am Anfang. Aber zurzeit finde ich es in der Gastronomie einfach auch ganz schwierig.

Ulf: Und mit dem was wir jetzt gerade machen, ist es ja einfach auch toll.

Wiebke: Wir haben das für uns auch schon einmal durchgerechnet. Und wir sind eigentlich ganz froh, dass wir uns bisher dafür nicht diesen großen Finanzberg aufgeladen haben, um dann vielleicht irgendwo zu sitzen und festzustellen, es klappt doch nicht. Denn so sind wir ganz frei und dadurch macht es noch viel mehr Spaß, weil einfach nicht so viel Sorge und Druck im Hintergrund steht.

Das kann ich gut verstehen. Ganz gleich mit welchem Konzept man antritt, es ist in jedem Fall nie sicher vorhersagbar, wie erfolgreich ein Ansatz sein wird. Gerade die etwas gehobene Gastronomie hat es ja durchaus nicht leicht, wenn nicht stützend ein Hotelbetrieb im Hintergrund steht. Und die gehobene Ebene ist es doch schon, die ihr für einen eigenen Betrieb ansteuern würdet, oder?

Ulf: Naja, schon etwas gehobener. Aber eben unter dem Gesichtspunkt einer guten Qualität der Zutaten. Denn zurzeit ist doch der Trend eher etwas bodenständiger. Aber das wird sich jetzt ja im Rahmen unserer Erfahrungen mit dem „Dinnerclub Zum Kuckuck“ noch einmal etwas genauer herauskristallisieren.

Wiebke: Wenn man eine gute Qualität an Waren benutzt, dann kann man daraus ganz tolle Speisen zaubern. Insofern ist das Ergebnis schon gehoben. Aber bei gehobener Gastronomie denkt man immer gleich an Sterne-Läden.

Ulf: Das können wir dann sowieso nicht. Das ist auch nicht unser Ziel.

Team des Dinnerclub "Zum Kuckuck" in der KorallbarFoto: Matze Enning

War es für den Dinnerclub notwendig, große Investitionen zu tätigen? Was musstet ihr als Grundausstattung beschaffen?

Ulf: (lacht) Ich glaube, wir haben uns zu Anfang gekauft: einen Bräter, einen Stabmixer und einen Satz Weingläser.

Wiebke: Man lernt ja auch zu improvisieren. Wir haben z.B. einen ganzen Satz Schraubgläser von Brotaufstrichen, die wir als Wassergläser benutzen.  Wir haben die leeren Gläser  gesammelt, die Etiketten entfernt, und sind so zu einem Wassergläser-Set gekommen. Und als Stoffservietten nutzen wir auf dem Flohmarkt gekaufte, weiße Taschentücher.

Da offenbart sich jetzt auch der Vorteil der kleinen Gruppe, die ihr beim Dinnerclub bewirtet.  Ihr  braucht nicht wie beim Restaurant-Betrieb eine große Anzahl an Geschirr und Besteck, es gibt nicht die Notwendigkeit für einen Umlauf an Geschirr, ihr müsst nicht am nächsten Tag schon wieder im Laden stehen und alles muss bereit sein, sondern ihr habt mehrere Tage Pause dazwischen, um alles wieder neu vorzubereiten.

Ulf: genau. Und es gibt z.B. keine Reste. Das ist auch einer der ganz großen Vorteile.

Und im Gegensatz zum Restaurant wisst ihr vorher ganz genau, wie viele Gäste kommen werden.

Wiebke: Dadurch ist die Waren-Kalkulation ganz präzise.

Und welche Marketingmaßnahmen waren notwendig, um mit eurem Dinnerclub zu starten? Ich muss sagen, euer Internetauftritt hat mich schon beeindruckt.

Wiebke: Ha!

Ulf: Das haben wir alles selbst gemacht, d.h. Wiebke hat es gemacht.

Wiebke: O, da habe ich auch schon ganz anderes gehört. Sehr unterschiedliche Kritiken habe ich bekommen.

Da ist immer die Frage, welchem Maßstab man anlegt…

Wiebke: Für uns war nur wichtig, wir müssen einfach schnell mit Informationen herauskommen. Wenn wir in der Anfangszeit mit Leuten gesprochen haben, dann haben wir immer gemerkt, dass sie zusätzliche Erklärungen brauchen. Es war unbedingt notwendig, etwas zum Nachlesen anzubieten. So haben wir zuerst erklärenden Text geschrieben und später dann Fotos dazu gesetzt. So hat sich unser Internetauftritt nach und nach entwickelt.

Ulf: Wir bekommen auch Hilfe von Freunden, z.B. was Texte, Fotos oder Drucksachen angeht. Das ist ja auch schön, wenn man da auf Unterstützung zurückgreifen kann. Das ist wirklich ein großes Glück.

Wiebke: Der Internetauftritt ist mit WordPress gemacht. Das musste ich allerdings auch erst lernen. Ein Freund aus Neuseeland hat mir dabei geholfen, über Skype. Es gab lange Skype-Sessions, seine Nächte und meine Morgende. Er hat mir dabei das meiste gezeigt und ich kann ihn auch jederzeit anrufen, wenn ich Fragen habe oder etwas Neues machen möchte. So habe ich z.B. die Fotos zuerst einfach nur so eingestellt, inzwischen sind sie als Galerie eingebunden. So entwickelt sich das Schritt für Schritt einfach weiter. Aber ich finde es auch gut und richtig, wenn die Leute auf die Website gehen und sehen, da verändert sich etwas. Das ist viel besser, als wenn die Seite so still vor sich hin schlummert.

Das ist auch für die Suchmaschinen wichtig, damit die Seite dann gefunden wird. Denn auch Suchmaschinen schauen darauf, ob sinnvolle Inhalte dastehen, ob neues dazu kommt und die Seite sich verändert und lebt.

Dinnerclub: Gedeckter Tisch wartet auf das Eintreffen der GästeAber die Internetseite allein reicht doch wahrscheinlich nicht aus. Wie würden die Leute nach euch suchen? Der Dinnerclub-Gedanke hat sich zwar allgemein schon ein wenig etabliert, aber man würde doch zunächst erst einmal nach Restaurants suchen oder eventuell nach einem Mietkoch. Wie schafft ihr es, die Menschen auf euch aufmerksam zu machen? Wie erreicht ihr eure Klientel?

Wiebke: Schwierig. Das meiste erreichen wir durch Mundpropaganda.

Aber es muss ja erst einmal in Gang kommen. Wie schafft man es, Interessenten für die erste Veranstaltung zu gewinnen?

Wiebke: Ja, der erste Push. Viele unserer ersten Gäste waren Freunde und Bekannte, dank ihnen trägt sich das auch weiter. Und dann ist da noch das niedrige Preissegment, in dem wir begonnen haben. Wir versuchen zurzeit noch die Menschen mit unserem Schnupperpreisen anzulocken. Es funktioniert schon über die Mundpropaganda der Leute die an unseren Veranstaltungen teilnehmen. Wir haben Visitenkarten drucken lassen, auf deren Rückseite nur die Internetadresse angegeben ist. Die haben wir verteilt, aber schon sehr gezielt, indem wir sie an geeigneten Stellen platziert haben, z.B. auf der Messe „Eat and Style“ als wir dort waren, auf einer TREIBGUT-Veranstaltung…  (Anmerkung: TREIBGUT ist eine Plattform für Kultur und Kulinarik)

Ulf:… in Weinläden, in meinem Lieblings Plattenladen, überall wo man denkt, dass Leute Lust darauf haben.

Habt ihr jetzt lange vor dem 1. Juli, dem Gründungstermin für euren „DinnerClub Zum Kuckuck“, mit der Werbung angefangen?

Ulf: Nein, sogar erst danach.

Wiebke: Ja, im August. Im Juli waren wir tatsächlich noch damit beschäftigt das Ganze aufzubauen. Eine Internet-Domain zu kaufen, d.h. den Webspace, die Internetseite zu bauen, uns um Termine zu kümmern, wir haben eigentlich ab dem 1.7. konkret angefangen.

Und was habt ihr nun an Events geplant für das nächste Jahr? Eigentlich gibt es ja gerade zu Beginn des Jahres im Januar und Februar in der Gastronomie eine buchungsschwache Zeit. Ist das bei einem Dinnerclub anders?

Ulf: Also wir haben schon ein paar Anfragen für das nächste Jahr, eine verspätete Weihnachtsfeier und die Ausrichtung von zwei Geburtstagen.

Wiebke: Also im Januar machen wir keinen Dinnerclub. Und im Dezember haben wir noch zwei Veranstaltungen im Angebot. Ansonsten organisieren wir private Veranstaltungen, im Wesentlichen Weihnachtsfeiern. Seit November haben wir ja auch einen Newsletter, den Freunde und Bekannte über ihren Verteiler an andere weitergeleitet haben und dadurch unsere Geschäftsidee weiter verbreitet haben. Und über diesen Weg bekamen wir dann auch Anfragen von Firmen für die Durchführung von Weihnachtsfeiern.

Seid ihr denn im Internet auch in sozialen Netzwerken vertreten? Viele Gastronomen verzichten inzwischen ja schon ganz auf eine eigene Homepage und setzen vollständig auf eine Facebook-Seite.

Wiebke: Facebook wollten wir eigentlich gar nicht.

Ulf: Schließlich haben wir dann aber doch eine Facebookseite angelegt. Aber die Hauptseite bleibt doch unsere Internetseite.

Wiebke: Ja, definitiv! Wenn man sich bei uns auf der Internetseite anmelden möchte, dann beschäftigt man sich intensiv mit dem Angebot. Bei Facebook ist alles so schnelllebig. Was ich heute gut finde, ist morgen schon wieder vergessen. Natürlich spricht man mit Facebook eine andere, weitere Zielgruppe an. Für uns bleibt die Internetseite aber der offizielle Firmenauftritt.

Wie ist das mit Qype bzw. Yelp, wie das Bewertungsportal heute heißt?

Wiebke: Wir haben uns dort nicht eingetragen.

Das Problem dabei ist, dass man auch von anderen dort eingetragen werden kann.

Wiebke: Das habe ich auch schon bemerkt, denn wir sind per E-Mail von Yelp darauf hingewiesen worden. Aber ich habe das bisher nicht verfolgt.

Ulf: Wir benutzen solche Bewertungssysteme für uns selbst überhaupt nicht. Wenn uns etwas interessiert, dann gehen wir dorthin und probieren es aus. Schließlich kann man alles nur einmal ganz neu erfahren und ausprobieren. Und wenn man vorher schon fünf Testberichte durchliest, dann hat man schon eine so vorgefasste Meinung, dass man sich kein eigenes Bild mehr machen kann.

Wiebke: In meinem Bekanntenkreis kenne ich kaum jemanden, der das benutzt. Wir gehören ohnehin nicht mehr zu denjenigen, die ständig online sein wollen und ständig erreichbar sein möchten. Wenn wir etwas Online machen wollen, dann muss man erst nach Hause gehen und sich an den Computer setzen. Aber ich kenne das auch noch aus der Agentur, wenn man immer erreichbar ist, dann schaltet man auch nicht mehr ab. Ich finde es sinnvoller, einmal am Tag auch seine Ruhezeit zu haben.

Ulf, wie hat sich dein Leben verändert, seit du mit dem „DinnerClub Zum Kuckuck“ in die Selbständigkeit gegangen bist.

Ulf: Bisher habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Ich denke es lohnt sich und es ist natürlich schön sich die Zeit, trotz der vielen Arbeit, selbst einteilen zu können. Es ist auch schön zu wissen, dass die ganze Energie, die man investiert in die eigenen Ideen und das eigene Projekt fließt. Beim Zum Kuckuck mag ich, dass es ein sehr individueller Einsatz ist, die Abwechslung immer wieder neuer Menüs, Weine und Orte, die Atmosphäre der Abende, der Kontakt zu Menschen und gute Musik.

Vielen Dank für dieses offene Gespräch. Ich  werde auf jeden Fall eine eurer Dinnerclub-Veranstaltungen besuchen, denn ich bin neugierig!

Aufgezeichnet von Manfred Troike, 07. November 2013

 

Nachtrag vom August 2016:

Den „DinnerClub Zum Kuckuck“ gibt es nicht mehr. Ulf Lindeholz hat inzwischen einen eigenen Restaurant-Betrieb. Er führt nun das Restaurant „kaalia – Street Cuisine„, Rentzelstraße 13 in Hamburg. Im „kaalia“ bietet er authentisches Streetfood, kombiniert mit der Finesse der französischen Küche und feinen Weinen in entspannter Bistro-Atmosphäre.

 

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