Internorga 2014 – Geschmackserleben zwischen Snacking und zelebriertem Genuss

Rückbesinnung auf Geschmack

Das moderne Leben ist auch beim Essen komplexer geworden: Auf der einen Seite besteht der Wunsch nach schnellen Esslösungen, die dennoch gesund sein  und viel Geschmack bieten sollen, auf der anderen Seite gibt es ein wachsendes Interesse an bewusst zelebriertem Genuss. Das bewusste Geschmackserlebnis rückt wieder in den Vordergrund. Dieser Trend zurück zum Geschmack heißt „Sensual Food“ und zeichnet sich durch ein Geschmackserlebnis mit allen Sinnen aus. Die Übergänge sind fließend von gesunden Snacks zu kleinen frischen Mahlzeiten und der Kombination von frischen Mahlzeiten mit dem passenden Getränk.

Nach einer langen Zeit geschmacklicher Reduzierung durch zu viel Gekühltes und Vorproduziertes besteht jetzt eine große Sehnsucht nach frischem und gesundem Essen. Für Gastronomen bedeutet das, in dieser Vielfalt der Ansprüche das eigene Profil zu schärfen. Das heißt auch Mut zur Lücke zeigen, das Angebot  reduzieren und Mut zu einer ganz gezielten Auswahl haben. Vier innovative Produkte von jungen Unternehmen, die für das  Geschmackserlebnis  Bemerkenswertes bieten, sind mir auf der Internorga aufgefallen.

Geschmacks-Newcomer

Genuss ist eigentlich alltäglich, wir müssen ihn nur wieder neu entdecken. Genuss in seiner Vielfalt geht nicht nebenbei, Genuss braucht etwas Zeit. Vier genussvolle  Newcomer möchte ich hier kurz vorstellen.

elbler

Elbler, "Cider" aus dem Nordenelbler® ist ein natürliches, erfrischendes, alkoholhaltiges Getränk mit einer einzigen Zutat: Frische Bio-­Äpfel aus dem Alten Land vor den Toren Hamburgs. Allein durch natürliche Fermentation von 100% Direktsaft und durch Zugabe von Kohlensäure entsteht der prickelnde „Cider“ aus dem Norden. Passend zur Region gibt es dieses Apfelweingetränk in zwei Varianten: Ebbe und Flut.

„Flut“ hat mit 5% vol. einen höheren Alkoholgehalt und hat einen trockenen, etwas herberen Geschmack, allerdings bei einem unglaublich intensiven Fruchtaroma – mein persönlicher Favorit!

„Ebbe“ ist ein lieblicher Cider mit milderer Note und nur 2,5% vol. Alkohol. Auch hier umwerfend vollmundig der Apfelgeschmack!

Für die bevorstehende Frühjahrs- und Sommersaison weniger interessant, aber der nächste Winter kommt bestimmt: Es gibt von Elbler auch ein Glühwein-Produkt. glühapfel®, Glühwein mal ganz anders. Nicht so süß und mit 4% vol. angenehm mild zu trinken. 100% Bio-Apfelwein veredelt mit natürlichen Auszügen von Vanille, Zimt und Nelken.

Hinter dem Produkt elbler® stehen Stefan Wächter und sein Mitgesellschafter Jan Ockert. Stefan Wächter stand mehrere Jahre lang für den HSV im Tor, in 64 Bundesliga- und 22 Europapokal-Spielen. Später wechselte er zu Hansa Rostock und musste dort nach mehreren Verletzungen seine Profi-Laufbahn beenden. Für das Leben nach dem Profisport kam er auf die Idee mit dem Apfelschaumwein, der in Frankreich, Belgien und Skandinavien viel bekannter ist als in Deutschland.

ChariTea, frisch aufgebrühter Bio-Eistee aus fairem HandelChariTea und LemonAid

Trinkend die Welt verändern wollen die Gründer von LemonAid Beverages mit ihren Erfrischungsgetränken.

ChariTea ist frischer Bio-Eistee aus fairem Handel. Vier Sorten, alle ohne Zucker, leicht verfeinert mit Agavendicksaft und Fruchtsäften. Den wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten, denen die dritte Welt durch den industrialisierten Westen ausgesetzt ist, soll mit den Produkten von LemonAid Beverages entgegen gesteuert werden. Mit dem Kauf der erfrischenden, natürlich hergestellten Chari-Tea Eistees erlebt man nicht nur puren Trinkgenuss, man tut zusätzlich auch noch etwas Gutes. Die verwendeten Zutaten stammen aus kontrolliertem Bio-Anbau und werden zu einem fairen Preis erworben, damit die Bauern dafür auch ausreichend entlohnt werden.

Wer oder was steckt hinter LemonAid und ChariTea? Ein kleines Getränkeunternehmen aus Hamburg St. Pauli, die LemonAid Beverages GmbH, genauer zwei Jungs, Paul Bethke und Jakob Berndt, die schon gemeinsam die Schulbank gedrückt und sich dann in unterschiedlichen Branchen versucht haben. Paul fand sich nach internationalem Studium zunächst in der Entwicklungshilfe in Asien wieder. Dort hat er gemerkt, dass er zwar Gutes tun will, aber in ihm doch mehr Betriebswirt steckt als er dachte. So reifte der Gedanke, eine Firma zu gründen, die soziale Mission und effiziente Strukturen miteinander verbindet. Die Idee zu LemonAid und ChariTea entstand. Jakob hat in der Zwischenzeit im Medienbereich gearbeitet. Er war einige Jahre strategischer Planer bei der Agentur Jung von Matt und hat parallel ein Portal für Kunst und Popkultur und eine Galerie geführt. Irgendwann wollte er dann doch mehr bewegen können als nur PowerPoint-Charts. Als selbständiger Unternehmer möchte er dazu beitragen, dass es ein wenig fairer, ökologischer und friedlicher auf der Welt zugeht.

GUAfair – Nachhaltig wach

Das junge Startup-Unternehmen GUAfair bringt neue Trinkschokoladen mit ungewöhnlichem Geschmack, die nachhaltig anregend wirken. Wie schon der Firmenname andeutet, ist auch hier fairer Handel und Nachhaltigkeit ein besonderes Anliegen der jungen Gründer Heiko Butz und Daniel Duarte. Beide verbindet die Leidenschaft für nachhaltige Produkte und Lateinamerika. Daniel kommt aus Kolumbien und Heiko hat dort studiert. Sie beschäftigen sich seither mit nachhaltigen Geschäftsmodellen, um die Cooperativas (kleinbäuerliche Genossenschaften) in Lateinamerika unterstützen.

Die ersten GUA-PackungenSo sind sie auf Guarana gekommen, einer koffein-haltigen Frucht aus Lateinamerika, die dort vielfältig in Getränken, Gebäck und Speisen verwendet wird. In Deutschland ist Guarana noch relativ unbekannt. Anders als Bohnenkaffee ist Guarana gut verträglich, wirkt angenehm belebend und erfrischend auf Körper und Geist. Die stimulierende Wirkung hält circa 4 bis 6 Stunden an, ohne Nebenwirkungen zu verursachen. Mit GUA haben die beiden engagierten Unternehmensgründer ein Produkt entwickelt, das Süße und Bitterness mit der belebenden Eigenschaft des Koffeins in angenehmer Weise verbindet.

Sie bieten ihr Produkt inzwischen in drei Variationen mit verschiedenen Zubereitungsformen an:  GUA Chai ist eine feinwürzige Trinkschokolade mit Chai-Gewürzen und deutschem Bio-Honig, GUA Hot ist eine feurig scharfe Chili Trinkschokolade, mit GUA Wach setzen sie auf eine geschmackvolle und gesunde Alternative zu aktuellen Energydrinks, Zartbitter-Trinkschokolade mit 12% Guarana als nachhaltigem Wachmacher und nicht zuletzt GUA Eis als anregende Erfischung für den Sommer sowie GUA Gebäck für jede Jahreszeit. Mit GUA haben die beiden eine echte Produkt-Innovation geschaffen, die auf der Internoga in Hamburg viel Interesse fand.

Bitebox – Office Survival Food

„Bitebox“ ist ein junges Hamburger Unternehmen, das den Trend nach gesunden Snacks konsequent umgesetzt hat. Gegründet wurde das Unternehmen im Februar 2012 von vier jungen Gründern, die mit gesunder Ernährung einen sinnvollen Beitrag für den Alltag schaffen wollen. Schon während ihres MBA Studiums in Rotterdam hatten Mari Enzensberger, Philipp Festge und Marc Dassler die Idee, ein Start-up zu gründen und selbstbestimmt zu arbeiten. Daraus, dass sie sich gesünder ernähren und nicht mehr soviel Fast Food essen wollten, entstand ihre Idee zur „Bitebox“. Direkt nach dem Studienabschluss zurück in Hamburg starteten sie gemeinsam mit Philipp Festges Bruder Max, der seine Festanstellung für das Start-up kündigte, ihr Portal. Um ihren Traum verwirklichen zu können hatten sie ihre Ersparnisse zusammengelegt und sich in zwei Finanzierungsrunden über Crowdfunding das notwendige Kapital besorgt.

Inzwischen bietet Bitebox über 50 verschiedene Snacks für den Alltag an, mit vielen Mineralien, Vitaminen und Ballaststoffen. Um Natürlichkeit und Qualität der leckeren Snacks garantieren zu können, werden die Produkte von einer Ernährungs­wissenschaftlerin entwickelt. Die Produktionsstätte ist fein und (noch) klein.  Alle Snacks werden von Hand in einer Produktionhalle gemixt. Die Produktpalette ist geeignet für Events, Firmen und für private Snacker.

Passend zu ihrem Werbeslogan „Office Survival Food ist die natürlichste Waffe gegen das 4-Uhr-Hungerloch“, haben die Jungunternehmer einen „Bitebox Song“ produziert und ins Netz gestellt, den ich an dieser Stelle als fröhlichen Abschluss dieses Blog-Beitrages gern übernehme.

Die Geschmacksvielfalt des Bitebox-Angebotes ist enorm. Davon konnte ich mich auf dem Messestand des Unternehmens persönlich überzeugen. Besonders schön finde ich, dass die meisten Snacks von Bitebox ohne Schokolade auskommen. Dem Geschmackserleben tut das keinen Abbruch – im Gegenteil!

30. März 2014, Manfred Troike


One Response to “Internorga 2014 – Geschmackserleben zwischen Snacking und zelebriertem Genuss

  • Die Internorga ist immer gut für Inspirationen und neue Trends. Sehr schön wie Sie hier in ihrem Beitrag auf junge Unternehmen und Startup’s eingehen und wie man sozusagen auf den Geschmack kommt. Interessanter Blog. Viele Grüße nach Hamburg und bis spätestens zur nächsten Internorga.

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