Café Brooks – Geburt eines Stadtteilcafés

Das Café Brooks ist ein neuer Treffpunkt in Hamburg-Eilbek. Und es hat eine ganz besondere und ungewöhnliche Gründungsgeschichte: Spontanität und Zufall führten bei der Gründung Regie, die Finanzierung gelang allein über private Darlehensgeber und eine ganze Gruppe von jungen Menschen engagiert sich für den Traum von einem Stadtteilcafé. Grund genug, sich mit den beiden Inhaberinnen an einem Sonntagabend zu verabreden, um diesen wunderschönen Ort zu erleben und sich erzählen zu lassen, wie aus einer verträumten Idee durch die Gestaltungskraft einer Gruppe junger Menschen ein Stadtteil-Café entstand, das bereits nach wenigen Wochen von den Anwohnern liebevoll „Eilbeks neues Wohnzimmer“ genannt wird.

Die Belegschaft dieses ungewöhnlichen Gründungsprojektes:

Geschäftsführer: Rebekka Wang und Anne-Kareen Kreß
Team: Lydia, Rike, Noemi, Klaus, Karsten, Sarah, Daniel, Sam, Maryam, Bettina, Tosca

Rebekka Wang und Anne-Kareen Kreß, Gründerinnen des Café Brooks

Sich selbständig zu machen, einen eigenen Betrieb zu eröffnen ist doch immer auch ein Wagnis. Was war bei euch der Antrieb, der Motivator dieses Vorhaben anzugehen?

Rebekka: Da muss man vorausschicken, dass wir hier ein relativ ungewöhnliches Projekt sind. Das sind immerhin zehn Leute die dahinter stehen. Es sind einige Leute, die hier in der Straße wohnen – Anne zum Beispiel in ihrer WG nebenan und andere gegenüber.

Anne: Also angefangen hat es mit meinem Einzug hier im Haus. Als ich mir die Wohnung angeschaut habe, meinte mein jetziger Mitbewohner, ich könnte hier ein Cafe aufmachen, da gibt es so ein Ladenlokal, das zur Zeit leer steht. Zu dem Zeitpunkt war hier nichts, da war nichts drin in dem Laden. Und ich antwortete: Na klar – wann geht’s denn los (lacht, augenzwinkernd). Das war im Juli vor einem Jahr. Und dann sind wir erst einmal eingezogen im September. Und das Thema lag dann erst mal auf Eis. Denn eigentlich war das ja nur so’n Quatsch, irgendwie. Und dann hat mein Mitbewohner gehört, dass das hier alles in Wohnungen umgewandelt werden sollte. Von dem Moment an musste alles ganz schnell gehen: Dann haben wir uns getroffen mit Leuten, die Interesse hatten mitzumachen.

Dazu muss ich vorausschicken: Grundsätzlich war das schon immer so ein Traum für mich, ein Café zu haben. Aber ich habe nie gedacht, dass ich das auch wirklich einmal mache. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Wirklichkeit werden könnte.

Und dann hatten wir dieses Treffen mit all den Leuten, die Interesse hatten. Und wir haben erst einmal ganz grob darüber geredet, welche Vorstellungen es da so gibt und wer sich wie einbringen möchte. Ich war zu der Zeit arbeitslos und konnte mir daher vorstellen, das zu machen. Aber ich habe auch gesagt, wenn ich das mache, dann auf keinen Fall allein. So ein Ding mache ich nicht alleine.

Innenraum Cafe Brooks, Hamburg-Eilbek

Außerdem ging dem ganzen noch voraus, dass zwei Jungs, die auch hier in der Gegend wohnen, gesagt hatten, sie hätten gern ein Café in dieser Gegend, weil so etwas hier fehlt.

Das stimmt. Ich habe mich im Umfeld vor unserem Gespräch ein wenig umgeschaut. Hier gibt es wirklich nicht viel.

Nee, genau. Und da wir eben auch hier wohnen und es auch für uns schöner wäre, hier etwas zu machen, um die Gegend etwas attraktiver zu gestalten und hier einen Ort zu schaffen, wo man gerne sein mag, entwickelte sich das alles so langsam zu einer schönen Idee.

Und dann hat sich das immer konkreter ausgeformt: Es wurde gemeinsam überlegt, und dann kannte einer von den beiden Jungs, die die eigentlichen Initiatoren waren, Rebekka. Er sagte „ich kenne da noch jemanden, die wollte auch schon immer mal so etwas machen, ich frage sie mal“. Aber Rebekka blieb bei dem ersten Treffen eigentlich ganz unverbindlich und dennoch, irgendwie ist sie dann hier hängen geblieben.

Rebekka: Ich hatte zu der Zeit auch nur einen Teilzeit-Job. Vorher habe ich etwas ganz anderes gemacht: Ich habe Schneiderin gelernt, habe aber früher hin und wieder in der Gastronomie im Service gearbeitet. Eigentlich war ich aber damit durch, weil ich weiß, wie stressig und anstrengend so ein  Gastro-Job sein kann.

Aber ihr habt hier ja nun noch keine Abendöffnungszeiten, bei denen der Betrieb bis in die Nacht hinein geht.

Rebekka: Genau, aber so weit haben wir damals noch gar nicht gedacht. Wir haben einfach nur gesagt „Ok, das ist toll, lass es uns machen“. Und wir hatten einen ganz guten Draht zum Vermieter und irgendwie ging es dann plötzlich einfach los.

Anne: Ich habe immer gesagt, ich mache keine Kneipe auf. Das wäre auch hier im Haus gar nicht möglich gewesen. Das ist ein Wohnhaus, dazu gäbe es keine Erlaubnis. Aber auch so habe ich immer gesagt, ich habe überhaupt kein Interesse an einer Kneipe. Die Idee mit dem Cafe war überschaubarer: Entweder es läuft oder es läuft nicht.

Anne, du kommst nicht aus der Gastronomie, du hast überhaupt keine Erfahrung damit. Was hast du vorher gemacht?

Anne: Ich habe interkulturelle Pädagogik studiert.

Wow!

Anne: Na ja, wie gesagt, dann war ich arbeitslos. Wir hatten das zwar mit dem Cafe beschlossen, aber es fing ja noch nicht gleich an. Der ganze Laden musste von Grund auf renoviert werden. Unser Vermieter hat die ganz groben Sachen gemacht. Und wir haben alles hier drinnen gebaut.

Gab es da besondere Genehmigungsverfahren? Wenn hier vorher noch kein Gastronomie-Betrieb war, dann gab es doch vermutlich bestimmte Auflagen, oder?

Anne: Das war kein Problem, denn es gab hier schon einmal eine Gastronomie, allerdings liegt das mehr als sechs Jahre zurück.

Aber hier war ein riesiges, großes Loch im Boden, hier ist alles neu gedeckt worden, es sind neue Fenster reingekommen, also hier war wirklich „Oberaktion“.  Und dann habe ich zwischenzeitlich auch noch mal ganz normal in meinem Job in der Schule gearbeitet für ein halbes Jahr –  und als es hier dann so richtig losging und man handwerklich richtig etwas machen musste, dann habe ich wieder aufgehört, weil das sonst einfach zu viel geworden wäre. Und so war ich erst Bauarbeiter und dann waren wir plötzlich Café-Besitzer; das entwickelte sich einfach.

Wie habt ihr die Finanzierung für das ganze Vorhaben auf die Beine gestellt? Finanzierung für so eine Existenzgründung ist ja auch immer ein schwieriges Thema, weil Gastronomie bei Banken als risikoreich gilt und deshalb sehr unbeliebt ist. Es ist deshalb enorm schwer überhaupt an Kredite zu kommen. Wie habt ihr das hinbekommen?

Anne: Wir sind sehr, sehr niedrig gefahren mit unserem Budget. Es sieht nicht so aus, aber es ist tatsächlich so: Wir haben alles bei eBay und auf Schrottplätzen und weiß ich woher zusammengetragen, und …

Rebekka: … alles selbst gemacht. Von dem Tresen über die Tische Bänke und Podest, alles selber gebaut.

Anne: Man darf es eigentlich gar nicht sagen, die Leute glauben es immer gar nicht … wir haben nicht mehr als 15.000 € hier hineingesteckt, einschließlich der Geräte und Maschinen …

Tresen Cafe Brooks, Hamburg-Eilbek

Da bin ich jetzt allerdings wirklich erstaunt, allein so eine Espresso-Maschine kann als Neugerät ja schon gut 7.000 € kosten.

Rebekka: Na ja, aber die ist nicht neu. Und es hat bei uns eben dadurch funktioniert, dass wir zehn Leute sind. Es hat ja jeder Geld hinein gesteckt.

Bedeutet das, dass dieses Café tatsächlich zehn Besitzer hat? Oder wie muss man sich das vorstellen?

Anne-Kareen Kreß, Existenzgründerin in der GastronomieAnne: Also rechtlich ist das so: Zunächst war ich Einzelunternehmerin, weil das zu Anfang am einfachsten war. Und inzwischen, genauer gesagt seit diesem Monat, sind wir eine GbR. Es war von Anfang an klar, das Rebekka und ich das hauptamtlich machen. Das heißt, wir beide sind Vollzeit dabei und alle anderen haben nebenher ihre ganz normalen Jobs. Die wollten aber auch „ihr“ Café haben und haben mitgeträumt und mitgedacht und die hängen jetzt mit drin. Die hängen eben auch finanziell mit drin: Jeder hat Geld mit hinein gegeben in einen großen Topf.

Eigentlich wollten sie uns das Geld sogar schenken. Es kam einfach von allen möglichen Leuten. Da kamen auch Leute auf uns zu, die überhaupt nichts mit uns zu tun hatten, und haben uns Geld angeboten. Ich kannte wirklich nicht alle Leute, die uns Geld für dieses Vorhaben zur Verfügung stellen wollten.

Rebekka: Wir haben ein gutes Netzwerk – das ist ungewöhnlich, aber wie man sieht, gibt es das auch noch heute.

Anne: Für die Leute, die mit Geld beteiligt sind, haben wir das dann über Darlehensverträge geregelt. Ohne Verwandtschaftsgrad kann man größere Beträge auch nicht einfach verschenken, weil dann die Steuer zugreift.

Das heißt, ihr habt das nötige Startkapital wirklich vollständig selbst beigebracht, ihr brauchtet überhaupt keinen Kredit von irgendeiner Bank.

Anne:  Es war eben von Anfang an klar: Wir machen das aus eigener Kraft, wir nehmen keinen Kredit auf. Das bedeutete aber auch, dass in der Anfangszeit nicht genug Geld da sein würde, um viel Personal zu finanzieren. Daher sind wir glücklich über jede Hilfe, die man uns anbietet.

Und alle Leute, die in diesem Gründungsteam waren, wollen natürlich hier auch mitarbeiten.

Rebekka: Es war ja nicht nur unser Traum sondern auch der Traum der ganzen Gruppe. Daher wollen natürlich auch alle teilhaben.

Anne: Damit war klar, Rebekka und ich machen das, das heißt wir müssen davon leben – das war gar nicht unsere Idee, sondern das haben viele gesagt, denn die anderen verdienen ja in ihrem Beruf ganz normal.

Das heißt, ihr habt eigentlich nur euch als Mitarbeiter und keine weiteren Angestellten?

Rebekka: Ab Mitte März wird einer aus unserem Team als 400 € Kraft bei uns arbeiten. Das wirtschaftliche Ziel, das wir haben, ist es bis zum Ende des Jahres alle Leute, die hier mitarbeiten möchten, als 400 € Kräfte bezahlen zu können.

Wie viele Sitzplätze habt ihr hier in dem Café?

Anne: Zwischen 30 und 35 Plätzen, je nachdem wie die Leute sich setzen.

Und ihr habt 6 Tage die Woche jeweils zwischen 10 und 19 Uhr geöffnet. Wie teilt ihr dann die Schichten für die Mitarbeiter ein, wenn alle außer euch einem normalen Beruf nachgehen? Sind die anderen aus eurem Team so flexibel, dass das funktioniert?

Rebekka: Wir beide sind natürlich generell da. Und bei den anderen geht das deshalb, weil da noch Studenten dabei sind und zwei, die zurzeit auch noch keinen festen Vollzeitjob haben. Die haben dann auch mal Zeit zwischendurch. Ansonsten helfen die anderen eben am Wochenende. Einer ist selbständig und kann sich deshalb seine Zeit frei einteilen.

Rebekka Wang, Existenzgründerin in der GastronomieWas sind das für Gäste, die hierher kommen? Eben waren ja doch relativ viele junge Leute hier. Kommt das Publikum hauptsächlich aus den umliegenden Wohnungen?

Rebekka: Das ist ganz gemischt. Schön ist es, das in den letzten Wochen immer mehr Gäste auch aus der Nachbarschaft kommen, weil jetzt eben auch die Werbung für uns ein bisschen mehr gestartet ist: Wir waren in „Szene Hamburg“ in diesem Monat und auch in „Hamburg Pur“, dem kostenlosen Stadtmagazin für das junge Hamburg. Das haben wir dann schon gemerkt, denn jetzt kamen plötzlich doch viele neue Gäste, die wir noch nicht kannten.

Anne: Flyer wurden auch verteilt.

Das heißt an eigenen Marketingmaßnahmen gab es nur das Verteilen von Flyern? Oder habt ihr auch noch mit anderen Mitteln auf euch aufmerksam gemacht?

Anne: Wir sind bei Facebook. Aber da haben wir auch nur Verbindungen zu den Leuten, die schon einmal hier waren. Das ist also bisher kein Netzwerk, um neue Gäste zu gewinnen.

Sonst haben wir kaum Werbung gemacht. Aber wir haben natürlich einen riesigen Bekanntenkreis. Bei den zehn Leuten, die das hier tragen, gibt es natürlich einen großen Kreis von Freunden und Bekannten, die dann davon erfahren haben. Das hat man in den ersten Wochen gemerkt und das hat uns sehr geholfen. Jetzt merkt man, dass es aus diesem Kreis weniger werden und dafür immer mehr neue Gäste kommen.

Ist die Auslastung immer so gut wie heute oder schwankt das an den verschiedenen Wochentagen stark?

Rebekka: Am Wochenende ist besonders viel los. Der Sonntag ist unser bester Tag.

Anne: Und unter der Woche ist es sehr unterschiedlich. Manchmal ist vormittags gar nichts und nachmittags kann es dann richtig voll sein, aber man kann es nicht vorhersagen.

Rebekka: Was uns bei der Gründung gar nicht klar war sondern uns erst später aufgefallen ist, das sind die kleinen Geschäfte und Bürogemeinschaften, die es hier im Umfeld gibt. Und es gibt auch ein paar größere Bürogebäude, wo wir demnächst auch noch mal Flyer verteilen werden und für unseren Mittagstisch Werbung machen.

Aber es war für uns in den ersten Tagen schon eine Überraschung, als dann Leute aus einem Architektenbüro hier saßen und fragten „Habt ihr auch Mittagstisch?“. Das hatten wir zwar angedacht, aber direkt am Anfang war das noch nicht vorgesehen. Durch diese Nachfrage gehörte der Mittagstisch dann von Anfang an zu unserem Angebot.

Was bietet ihr mittags an?

Rebekka: Wir haben mit Suppen angefangen. Jetzt sind wir schon vielfältiger und bieten Pasta und Salate, Eintöpfe und Aufläufe. Und wir wechseln das Angebot jeden Tag.

Cafe Brooks

Und wie ist eure Arbeitsteilung?

Anne: Rebekka ist die Küchen-Chefin. Ich bin doch mehr auf den Service ausgerichtet und außerdem mache ich die ganzen rechtlichen Sachen und die Verwaltung. Das hat sich einfach aus der Anfangszeit ergeben, als ich ja als Einzelunternehmerin allein verantwortlich war.

Rebekka hatte Lust, sich die Sachen für die Küche zu überlegen und damit war sie dann verantwortlich für die Küche und all die Planungen, die damit  zusammen hängen. Und ich habe den Papierkram gemacht.

Inzwischen tauschen wir auch mal, dann bin ich in der Küche und Rebekka macht den Service.

Wenn ihr nun noch einmal auf eure Gründungsgeschichte zurück schaut, was war für euch dabei das schönste Erlebnis und was war die unangenehmste Erfahrung?

Anne: Für mich ist da die Antwort auf beides „das Team“. Das schönste Erlebnis ist es deshalb, weil es immer wieder unglaublich ist, dass zehn Leute, die so unterschiedlich sind, sich zusammen finden und so ein Ding auf die Reihe stellen, mit welcher Energie all diese Leute neben ihrem Job bei diesem Vorhaben dabei waren. Das war schon das schönste Erlebnis zu sehen, wie das alles so funktioniert hat. Denn viele haben uns am Anfang gewarnt und gesagt „Zehn Leute für so ein Thema, seid ihr wahnsinnig“. Und dennoch sind immer noch alle dabei.

Aber natürlich gab es auch Reibereien und das sind dann die unangenehmen Seiten, das schwierigste Erlebnis: Wenn man versucht, zehn Leute zusammen zu halten, dann bedeutet das eben auch unheimlich viel Zeitaufwand und auch Kraftaufwand, soviel Energie. Da gab es dann auch Momente, wo man diese Kraft auch mal nicht hatte und dann doch etwas ins Schwimmen geriet.

Rebekka: Man muss einfach ganz viel kommunizieren, wenn man bei zehn Leuten erreichen möchte, dass sich keiner benachteiligt fühlt oder weil man Entscheidungen treffen muss, die nicht für alle gleich gut sind, weil ja auch alle sehr unterschiedlich hier sind und jeder mit seinen persönlichen Möglichkeiten mitwirkt. Das ist dann schon sehr anstrengend.

Das stelle ich mir wirklich sehr schwer vor, denn schon Einzelgründer in der Gastronomie haben in der Anfangszeit oft Schwierigkeiten, ein eingespieltes Mitarbeiter-Team zu finden. Aber immerhin sind sie dann immer noch Allein-Entscheider. Team-Gründungen haben natürlich den Vorteil, dass man sich ergänzt und auch das Kapital einfacher zusammen zu bringen ist. Bei Team-Gründungen besteht aber auch immer das Risiko, das man sich zerstreitet und das Team dabei auseinanderfällt. Das kann auch noch nach längerer Zeit passieren. Und das ist dann gewöhnlich sehr bedrohlich für den Bestand des Unternehmens.

Anne: Also immerhin haben wir schon ein ganzes Jahr geschafft. Denn alle waren ja schon in der Vorplanungsphase dabei.

Gibt es Veränderungen im Speisen- und Getränkeangebot gegenüber den ersten Konzept-Ideen?

Rebekka: Na ja, der Mittagstisch sollte eigentlich erst später kommen. Es war geplant, das der sich so nach und nach „einschleicht“. Das hat sich durch die Nachfrage einfach schneller ergeben. Ansonsten haben wir an den grundsätzlichen Konzept-Ideen noch nichts verändert.

Wir denken darüber nach, dass wir im Frühjahr und Sommer dann doch längere Öffnungszeiten anbieten werden. Zunächst vielleicht nur an zwei Tagen. Weil doch viele nach der Arbeit noch mal vorbeischauen, um ein Bier oder ein Glas Wein zu trinken. Wenn wir die Kapazitäten haben, dann wollen wir das auf alle Fälle machen.

Habt ihr auch eine Außenfläche?

Anne: Ja, wir dürfen einen Teil der Fläche vor unserem Café nutzen.

Und was hat sich an eurem Leben durch diese Geschäftsgründung verändert?

Rebekka (lacht): Alles, einfach alles. Ich glaube, das ist für mich auch eine der schwierigsten Sachen, weil ich zuvor eigentlich immer nur Teilzeit-Jobs hatte. Für mich ist es halt auch wichtig, immer mal Zeit für mich zu haben und davon gibt es jetzt  wenig.

Wobei ich auf der anderen Seite schon finde, dass es ein Privileg ist, das in einem  Betrieb wie diesem zu machen. Wenn man das in der normalen Gastro-Welt machen würde, wäre man schon 7 Tage die Woche 12 Stunden beschäftigt. Das haben wir nicht. Wir sind natürlich im Vergleich zu meinem vorherigen Leben mit diesem Betrieb viel beschäftigt, aber wir haben immer noch mal einen freien Tag.

Anne: Ich war drei Wochen im Urlaub!

Rebekka: Und ich immerhin 10 Tage.

Anne: Wir hatten zwar direkt nach dem Jahreswechsel zu, aber ich bin schon 10 Tage vorher abgeflogen. Das heißt, die mussten hier 10 Tage ohne mich auskommen und das hat auch geklappt. Und da merkt man auch die Unterstützung und das Verständnis dieses Teams, das einem sagt „Komm, du musst auch mal Urlaub machen“. Und dann geben sie einem noch ein wenig Geld für den Flug. Da ist eben auch ganz viel dabei, an dem sich zeigt, dass man versucht aufeinander zu achten. Es kann zwar schon vorkommen, dass es Schwierigkeiten gibt oder dass jemand mal an seine Grenzen kommt, aber dann ist immer auch ganz viel Wohlwollen dabei.

KaffeeMühleBrooks     Eingang Cafe Brooks, Hamburg-Eilbek

Und da sind jetzt keinerlei Leute dabei, mit denen ihr eine verwandtschaftliche Bindung habt, das ist ausschließlich eine Verbindung, die sich aus diesem gemeinsamen Projekt und bestimmten gemeinsamen Interessen herleitet? Das ist doch recht ungewöhnlich, das liegt dann wohl an euch.

Anne: Das weiß ich nicht. Das liegt sicher auch an dem ganzen Café-Projekt. Für mich ist es nicht das Ziel, mit diesem Laden reich zu werden. Natürlich muss es sich finanziell tragen und es muss eine wirtschaftliche Unternehmung sein, aber für mich ist es nicht das Ziel damit jetzt ganz viel Geld zu machen oder noch eine Filiale aufzumachen. Es ging uns immer auch darum, diesen Stadtteil ein wenig zu beleben und zu bereichern und den Menschen, die hier wohnen, einen schönen Anlaufpunkt zu geben. Das war das wesentliche Ziel. Und wenn ich an Ausbauen denke oder mir die Frage stelle „Wo wollen wir hin?“, dann ist das eben auch heute noch immer das Ziel: Dass hier mehr passiert, dass Leute dieses Café mehr zu ihrem eigenen machen und es nutzen, für irgendwelche schönen Momente oder für Kurse, die jemand hier veranstaltet. Wir haben zum Beispiel einen Strickabend hier, den es gibt seit wir hier angefangen haben.

Ihr seid also offen für vieles, was sich an diesem Ort entwickeln mag. Das ist es, was ich da heraus höre.

Anne: Genau. Ich möchte, dass es sich dahin entwickelt, dass die Leute hier aus der Gegend in diesem Café einen Treffpunkt haben, wo man gern Zeit verbringt.

Wenn ich irgendwann einmal bemerken sollte, dass das vielleicht keine Rolle mehr spielt und es nur noch um dieses Café als wirtschaftlicher Betrieb geht, dann ist das nichts mehr, woran mein Herz hängt. Dann kann ich mir auch vorstellen, wieder etwas anderes zu machen.

Wenn ihr jetzt noch einmal darauf schaut, welchen Fragen und Problemen ihr euch in der Geschichte dieser Unternehmensgründung stellen musstet, gibt es da etwas, wo ihr euch mehr Rat und Unterstützung von außen gewünscht hättet? Gab es Lücken, bei denen ihr gar nicht wusstet, wie man da heran geht, wo ihr große Schwierigkeiten gehabt habt, Lösungen zu finden?

Anne: Wir haben uns im Vorfeld mit anderen getroffen, die selbst einen Laden aufgemacht haben. Wir haben einen externen Steuerberater, für den ich sehr dankbar bin.

Rebekka: Der kennt sich wirklich gut aus. Der betreut ganz viele Gastronomen.

Anne: Das ist der Steuerberater des Geigenbauers, der hier nebenan wohnt und der auch Mitglied unseres Café-Teams ist.

Also klar, ich war eine Zeit lang dauerüberfordert. Es gab so viele Sachen, in denen ich mich überhaupt nicht auskannte. Seien es jetzt irgendwelche handwerklichen Sachen oder seien es jetzt irgendwelche rechtlichen Sachen oder das ganz normale gastronomische Handwerk.

Aber was die Gestaltung der Räume hier angeht, da haben wir eine Freundin, die hat das Design für dieses Café gemacht und hat hier wahnsinnig viele Stunden Arbeit hinein gesteckt und auch selber mit gebaut. Sie kannte sich auch in Hamburg gut aus, weil sie schon viel länger hier wohnt als ich und so konnte sie uns viele Tipps geben, wo man die verschiedenen Dinge bekommt, die wir für den Ausbau und die Einrichtung brauchten.

Und die rechtlichen Fragen habe ich dann mit dem Steuerberater besprochen. Das waren teilweise endlose Telefonate. Und dann habe ich noch eine Freundin, die ich zu allen Dingen mit der Kasse und der Abrechnung fragen konnte, die sich in VWL auskannte. Man darf das eigentlich gar nicht erzählen: Da war so viel improvisiert, man fasst sich echt an den Kopf, aber so war es halt. Und es hat funktioniert. Manchmal kann ich es selbst noch nicht ganz glauben.

Rebekka und Anne, ich danke euch für diese spannende Gründungsgeschichte und wünsche euch weiterhin alles Gute für die Umsetzung all eurer Ideen. Viel Erfolg euch und eurem großen Team.

Aufgezeichnet von Manfred Troike am 02.02.2013

 

3 Responses to “Café Brooks – Geburt eines Stadtteilcafés

  • Hallo Manfred,
    das ist ja eine Überraschung – du kennst das Brooks! 🙂
    Liebe Freunde von mir engagieren sich dort – und ich bin auch morgen Abend dort. Du auch? Es wird ab halb 8 Uhr eine Lesung geben.
    Liebe Grüße!
    Christoph

  • Hallo Christoph,
    ja, das Engagement vieler Unterstützer für dieses Café ist etwas Besonderes. Leider habe ich keine Zeit zum Lesungsabend zu kommen. Aber für das Brooks steht demnächst das „Rückblick-Interview“ für diesen Blog an. Nach einem Jahr schaue ich gern vorbei, um zu sehen, wie sich das Unternehmen entwickelt hat, was sich verändert hat, wie sich die Gründer nach einem Betriebsjahr fühlen. Ich bin gespannt.
    Viel Freude bei der Weihnachtsgruselgeschichte über den hartherzigen Geizkragen Ebenezer Scrooge im Brooks!
    Manfred

    • Danke!
      Ich warte also ebenso gespannt auf ihren Rückblick und dein Interview.
      Viele Grüße,
      Christoph

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.