Tortue Hamburg – der Zeit entrückt

Im Bereich der kleineren Hotels wird heute Individualität mit dem Begriff Boutique-Hotel charakterisiert: Als Oase der Ruhe, Juwel oder Schmuckkästchen, einzigartig, klein, fein, persönlich geführt oder charmant sind Beschreibungen rund um diesen Marketing-Begriff. Die ersten Boutique-Hotels entstanden in den 1980er Jahren in großen Städten wie New York City, San Francisco und London. Viele von ihnen zogen die Aufmerksamkeit auf sich, weil berühmte Inneneinrichter und Designer ihre Ausstattung übernommen hatten.

Mit dem TORTUE (gesprochen „tortü“, französisch für „Schildkröte“) hat vor einer Woche ein neues Meisterstück für die Hamburger Hotelszene eröffnet. 126 Zimmer auf einer Gesamtfläche von 8.500 Quadratmetern, Standort: Hamburger Stadthöfe – das sind die ersten Fakten des neuen Hotelkonzeptes in der Hamburger Innenstadt. Dahinter steckt aber vielmehr. Es ist der Hauch einer längst vergangenen Zeit, den Anne-Marie Bauer, Marc Ciunis und Carsten  von der Heide den Hamburgern und Gästen aus aller Welt bieten wollen, ein Rückgriff auf die Belle Époque.

Die Belle Époque ereignete sich im Wesentlichen auf den Boulevards der Metropolen, in den Cafés und Cabarets, den Ateliers und Galerien, den Konzertsälen und Salons, getragen von einem mittleren und gehobenen Bürgertum, das von den technischen und wirtschaftlichen Fortschritten am meisten profitieren konnte.

Gestaltungsziel beim Konzept des TORTUE ist gelebte Urbanität. Der Gast soll sich in einer eigenen Welt wiederfinden, in der vor allem eines zelebriert wird: Zeit, um die Sinne für das Wesentliche und die Details zu schärfen, in das Leben einzutauchen und neue Perspektiven zu entdecken – Zeit zum Innehalten und Genießen. Die Schildkröte in Logo und Namen wird hier zum Sinnbild für Zeit und Ruhe.

Kate Hume aus Amsterdam, bekannt für die Musterwohnungen in der Elbphilharmonie, gewann man als Interior Designerin für die Zimmer, die Lobby und die Brasserie. Die in Hong Kong lebende Interior Designerin und Architektin Joyce Wang prägt die Gestaltung des Asia-Restaurants JIN GUI. Stephen Williams Associates aus Hamburg war als Entwurfsarchitekt für die historischen Bereiche in Kooperation mit David Chipperfiled Architects sowie als Interior Designer für die Bar Noir und Bar Privé verantwortlich.

Wenn man durch den Torbogen vorbei an der Skulptur einer Schildkröte den Innenhof betritt, spürt man sofort, wie sich etwas verändert: Die lauten Geräusche der Stadt bleiben zurück und man betritt einen Raum, der Ruhe atmet. Ein erholsamer Platz, eine wahre Oase,  abgeschirmt von dem quirligen Leben und der Hektik der Stadt draußen. Das TORTUE ist eine einzigartige Gesamtkonzeption von Gastronomie, Hotellerie, Events und Nachtleben – dabei steht die Gastronomie klar im Vordergrund.

Überhaupt versprechen die Macher nicht nur ein neues Hotel, sondern ein Lebensgefühl. Egal ob im Winter an der Bar Noir bei einem Kaffee, im Sommer auf der Dachterrasse oder im wunderschönen Innenhof bei einem kühlen Cocktail oder am Abend bei einem Glas Wein mit Meeresfrüchten in der Brasserie – es gibt auf jeden Genusswunsch eine Antwort.

Einen ersten Eindruck vermitteln die Bilder von Innenhof, Brasserie mit Wintergarten und der Bar Noir. Erleben muss man es selbst, ein Besuch lohnt sich: TORTUE HAMBURG, Stadthausbrücke 4, 20355 Hamburg.

Manfred Troike, 3. Juli 2018

 

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