Der alkoholfreie Markt boomt – das wurde auf der diesjährigen Internorga 2025 erneut deutlich. Immer mehr Hersteller präsentieren Alternativen zu alkoholischen Getränken, die nicht nur geschmacklich mithalten, sondern neue Genussstandards setzen wollen. Insbesondere für Gastronomie- und Getränke-Startups eröffnen sich hier neue Marktchancen. Zwei Marken, die exemplarisch für diesen Wandel stehen, sind Franz von Fein und Dr. Jaglas.
Franz von Fein: Premium ohne Alkohol
Die Marke Franz von Fein verfolgt einen konsequenten Premium-Ansatz: Zwei alkoholfreie Aperitifs auf Basis von Bio-Zutaten, handwerklich produziert, mehrfach international ausgezeichnet. Die Gründer Leonard Vinçon und Paul-Georg Martin setzen bewusst auf eine Verbindung aus kulinarischer Raffinesse und gesellschaftlichem Wandel sowie auf klare Transparenz: keine künstlichen Zusätze, keine Kompromisse in der Aromenauswahl – und eine Präsentation, die sich an klassischen Aperitifs orientiert.
Die beiden Sorten im Überblick:
- Rubin Aperitif (mit Hibiskus, Zitrone, Wacholder): Ein fruchtig-frischer Ansatz mit milder Bitterkeit, der vor allem als „Spritz“-Variante (z. B. mit Soda oder alkoholfreiem Sekt) seine Stärken ausspielt. In der Gastronomie dürfte er als Allrounder gut funktionieren, insbesondere für Gäste, die sich alkoholfreien Genuss wünschen, ohne auf Leichtigkeit zu verzichten.
- Bernstein Aperitif (mit Rosmarin, Lavendel, Orange): Deutlich komplexer, mit floralen und nadelholzigen Aromen, bietet der Bernstein ein spannendes sensorisches Profil. Die Kombination aus südländischer Aromatik und feiner Struktur eignet sich besonders für Mixgetränke mit kulinarischem Anspruch – ein Produkt für ambitionierte Barkarten.
Die Marke verweist auf hohe Bewertungen durch Falstaff (92 und 93 Punkte) sowie Doppelgold bei den Austria Zero Awards – ein Indiz für die Ernsthaftigkeit des Konzepts, das sich zunehmend auch international etabliert.
Dr. Jaglas: Apothekertradition trifft alkoholfreie Aromatik
Dr. Jaglas, ursprünglich aus einer Apothekerfamilie hervorgegangen, setzt seit einigen Jahren auf alkoholfreie Alternativen, die auf Rezepturen mit Kräutern und Heilpflanzen basieren. Zwei Produkte aus dem Sortiment standen auf der Internorga im Mittelpunkt: San Limello und Herber Hibiskus.
San Limello – Frische mit mediterranem Touch
Der San Limello erinnert geschmacklich an klassische Zitronenliköre, bleibt dabei jedoch vollständig alkoholfrei. Die Kräuterkomposition mit Zitronenmelisse und Basilikum bietet ein überraschend nuanciertes Geschmacksbild – angenehm frisch, mit einer leicht herben Note im Abgang. Die Frage bleibt allerdings, ob er als alleinstehender Aperitif ausreichend Tiefe besitzt oder vor allem als Spritz-Variante seine Stärken entfaltet.
Herber Hibiskus – Komplexität trifft Bitterkeit
Deutlich vielschichtiger wirkt der Herbe Hibiskus. Die florale Basis aus Hibiskus und Lavendel kombiniert mit Kräutern wie Rosmarin ergibt einen komplexeren, fast schon anspruchsvollen Aperitif – allerdings mit einer recht deutlichen Bitterkeit, die nicht jedem schmecken dürfte. Gerade für Kenner traditioneller Bitters ist dieser Ansatz spannend, Einsteiger könnten jedoch etwas mehr Balance erwarten.
Fazit
Alkoholfreie Aperitifs sind mehr als ein temporärer Hype. Wer auf Qualität, handwerkliche Produktion und sensorische Tiefe setzt, schafft eine neue Kategorie für bewussten Genuss.
Sowohl Dr. Jaglas als auch Franz von Fein liefern hochwertige alkoholfreie Produkte, die sich vom Durchschnitt deutlich abheben. Während Dr. Jaglas mit seinen kräuterbasierten Rezepturen eher aus der Apothekertradition heraus argumentiert und komplexe Aromatiken anbietet, positioniert sich Franz von Fein klar als Designmarke mit kulinarischem Anspruch und internationalem Blick.
Ob diese Getränke den gleichen Stellenwert wie klassische alkoholische Aperitifs einnehmen können, hängt letztlich vom persönlichen Geschmack und der Offenheit der Konsumenten ab. Sicher ist: Der Markt für alkoholfreie Alternativen entwickelt sich weiter – und die Internorga 2025 hat gezeigt, dass echte Handwerkskunst dabei im Vordergrund steht.
Weiterführende Links:
Drei alkoholfreie Getränke-Neuheiten von der Internorga 2024











Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!