Hamburg Messe

Die Gastronomie steht unter Druck: Fachkräftemangel, steigende Kosten, volatile Nachfrage. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Gäste. Was bislang wie ein Widerspruch wirkte, wird zunehmend zu einer integrierten Lösung: eine durchgängig digitalisierte Prozesskette von der Bestellung bis zur Bezahlung. Im Zentrum dieser Entwicklung steht eine neue Generation von Küchenrobotik, exemplarisch die Systeme von GoodBytz. So erscheint es nur schlüssig, dass das Hamburger Startup GoodBytz den diesjährigen Internorga-Zukunftspreis in der Kategorie „Technik & Ausstattung“ gewonnen hat. Mit einem guten Service-Modell senkt GoodBytz die Einstiegshürden für den Betreiber.

Das Video zeigt die Abläufe im realen Messebetrieb: Die Bewegungen des Roboterarms wirkt choreografiert, fast ruhig. Keine Hektik, keine Improvisation, stattdessen deterministische Abläufe. Die Küche wird vom handwerklichen Raum zur kontrollierten Produktionsumgebung.

Vom Bestellimpuls zur Prozesskette

Der Einstieg in die automatisierte Gastronomie erfolgt nicht in der Küche, sondern beim Gast. Digitale Interfaces wie etwa smarte Speisekarten oder mobile Ordering-Lösungen ersetzen statische Menüs. Hier setzt Menoovo an: Die Plattform versteht sich nicht als isoliertes Tool, sondern als Betriebssystem für die gesamte Gastronomie.

Bestellungen werden nicht nur aufgenommen, sondern in Echtzeit interpretiert und weiterverarbeitet. Allergien, Präferenzen oder Verfügbarkeiten fließen unmittelbar in die Entscheidung ein, welches Gericht wie zubereitet wird. Die klassische Übergabe „Service an Küche“ wird durch ein intelligentes Routing ersetzt.

Die Folge: Der Gast interagiert scheinbar simpel mit einer Oberfläche, im Hintergrund läuft jedoch eine hochdynamische Prozesssteuerung.

Die Küche als automatisierte Produktionszelle

Herzstück dieser Kette ist die robotisierte Küche von GoodBytz. Das System wirkt auf den ersten Blick wie eine kompakte, gläserne Kochstation – tatsächlich handelt es sich um eine modulare Produktionsumgebung. Im Inneren greifen Roboterarme präzise nach Zutaten, dosieren, kombinieren und übergeben an rotierende Kochmodule. Die Abläufe sind vollständig standardisiert und gleichzeitig flexibel parametrierbar. Bis zu 42 Zutaten können verarbeitet werden, mehrere Gerichte entstehen parallel.

Charakteristisch ist die Kombination aus:

  • Industrieller Robotik (für Handling und Präzision)
  • Professioneller Küchentechnik (für thermische Prozesse)
  • Intelligenter Software (für Steuerung, Monitoring und Anpassung)

Ein Gericht entsteht innerhalb weniger Minuten reproduzierbar, ohne Qualitätsschwankungen. Parallel überwacht das System Lagerbestände und Haltbarkeiten. Fehlt eine Zutat, wird das entsprechende Gericht automatisch aus dem Angebot genommen.

Geschwindigkeit, Skalierung und Verfügbarkeit

Die Systeme sind auf Dauerbetrieb ausgelegt (bis zu 23 Stunden täglich). Je nach Konfiguration entstehen:

  • Gerichte in ca. 2–5 Minuten
  • Durchsatz von bis zu 120 Portionen pro Stunde

Damit verschiebt sich der Engpass der Gastronomie: Nicht mehr die Küche limitiert die Kapazität, sondern eher Nachfrage, Logistik oder Fläche. Ein weiterer Aspekt ist die Skalierbarkeit. Die Küchen werden nicht klassisch gebaut, sondern modular installiert und erweitert. Das reduziert Investitionsrisiken und ermöglicht flexible Anpassung an Nachfrageentwicklungen.

Individualisierung ohne Mehraufwand

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der datengetriebenen Individualisierung. Parameter wie Portionsgröße, Zutatenzusammensetzung, Nährwerte werden softwareseitig angepasst. Das System produziert nicht „das Gericht“, sondern eine Variante pro Bestellung. Gerade in Bereichen wie Betriebsgastronomie, Kliniken oder Hochschulen wird damit ein Problem gelöst, das bislang nur mit hohem Personalaufwand adressierbar war.

Menoovo als Dirigent im Hintergrund

Während GoodBytz die physische Produktion übernimmt, orchestriert Menoovo die Gesamtlogik. Die Plattform verbindet:

  • Bestellsysteme
  • Warenwirtschaft
  • Robotik (Küche und Service)
  • KI-gestützte Empfehlungssysteme

Das Prinzip: Komplexität im Backend, Einfachheit im Frontend.

Bestellungen werden zwischen menschlichem Personal und Maschinen dynamisch verteilt. Gleichzeitig werden Inhalte (z. B. Herkunft von Zutaten, Storytelling) digital eingebunden. Die Gastronomie wird damit nicht nur effizienter, sondern auch kommunikativer.

Bezahlung als integrierter Abschluss

Am Ende der Kette steht die Bezahlung, idealerweise ohne Bruch im Prozess. Digitale Zahlungssysteme sind direkt integriert oft gekoppelt mit dem Bestellvorgang. Das Ergebnis ist ein durchgängiger Flow:

  1. Auswahl und Bestellung
  2. Automatisierte Zubereitung
  3. Ausgabe (robotisch oder durch Personal)
  4. Nahtlose Bezahlung

Medienbrüche entfallen, Wartezeiten werden reduziert, Fehlerquellen minimiert.

Fazit

Die Kombination aus intelligenter Prozesssteuerung (Menoovo) und autonomer Essensproduktion (GoodBytz) bildet eine geschlossene, skalierbare Wertschöpfungskette. Sie adressiert zentrale Probleme der Branche: Fachkräftemangel, Kostendruck und steigende Individualisierungsanforderungen.

Die Internorga 2026 zeigt: Diese Systeme sind nicht mehr konzeptionell, sondern im operativen Einsatz. Die Gastronomie bewegt sich damit von einer handwerklich geprägten Struktur hin zu einer hybriden Industrie mit klar definierten Prozessen im Hintergrund und bewusst gestalteten Erlebnissen im Vordergrund.

Ein zentraler Gedanke ist die Verschiebung der Rollen: Technologie ersetzt nicht den Menschen, sondern verlagert ihn weg von repetitiven Tätigkeiten hin zu Interaktion, Atmosphäre und Erlebnis. Die Küche wird automatisiert, der Gastraum kann wieder stärker menschlich geprägt werden.

Weiterführende Links:

Automatisierung in der Gastronomie — Robotik in Küche und Service, LEINENLOS , 10. August 2025

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