Die Zahl an Getränke-Innovationen, die sich ständig neu am Markt zu etablieren versuchen, ist riesig. Aber nur selten hat ein neues Getränk genug Potential, sich dauerhaft zu halten. Wesentlich für die Tragfähigkeit eines neuen Getränkes ist es, wie weit es zu den aktuellen Trink- und Essgewohnheiten passt, vor allem aber, welches Lebensgefühl es widerspiegelt.
Mit Cucumis hatte im Jahr 2015 ein neues Getränk die Bühne betreten, das in der Schnellebigkeit der Welt der Getränke-Innovationen herausstach, weil es das Potential zur Langlebigkeit hatte. Ein Gründer aus Hamburg hatte einen Trend erspürt, der sich international bereits abzeichnete, aber in Deutschland noch nicht angekommen war: Ein Erfrischungsgetränk auf Gurkensaftbasis, ein Getränk, das sowohl für sich allein stehen kann als auch in Mischgetränken perfekt Verwendung findet. Der Erfolg des ersten öffentlichen Auftritts auf der Internorga 2015 in Hamburg war unglaublich! Presse-Echo wie auch Insider-Reaktionen am Markt überschlugen sich.
Nach nunmehr 10 Jahren ist es etwas stiller um Cucumis-Getränke geworden. LEINENLOS hat das zum Anlass genommen, einmal bei Cucumis-Gründer Vasco Emmanuel Kulke nachzufragen.
In der letzten Zeit ist es ein wenig still geworden um Cucumis. Das fällt auf, weil in den ersten Jahren nach Gründung eine Getränkeneuheit nach der anderen herausgebracht wurde. Man sieht auch, dass es die Cucumis-Homepage in der früheren Form nicht mehr gibt und bei den Firmendaten erkennt man, dass Till Fischer-Herbst inzwischen aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Es hat also einiges an Bewegung stattgefunden.
Vasco: Genau, es gab Gurke-Basilikum, danach Lavendel-Bergamotte und dann kam Kamille. Die Kamille haben wir zwischendurch wieder vom Markt genommen, weil die leider auf weniger Resonanz gestoßen ist, insbesondere in Deutschland. Im Prinzip sind wir halt 2015 gestartet wie eine Rakete, sowohl technisch und als auch erfolgsmäßig bis 2019.
In 2020 haben wir dann mit Döhler noch einen Investor bekommen. Das ist ein Milliardenkonzern im Nutrition-Bereich mit einer 15-prozentigen Beteiligung an Cucumis.
Mit Corona kam dann plötzlich einfach alles zum Erliegen. Und auch ich und mein Geschäftspartner Till haben uns an persönlichen Werten und Wertvorstellungen einfach komplett auseinander gelebt. In diesen zwei Jahren sind wir beide Väter geworden.
Und als es dann nach Corona darum ging, wie es weiter geht, war unsere Vorstellung, wie das Unternehmen zu führen ist und wie viel Lust und Engagement auch dafür bereit steht, irgendwie sehr unterschiedlich. Und auch zwischenmenschlich haben wir uns, die wir zuvor sehr gute Freunde waren, einfach auseinander gelebt. Damit war schließlich klar, dass wir uns entscheiden müssen, wer das Unternehmen weiterführt. Und da eigentlich die Idee doch mehr meine war und ich auch maßgeblich am Anfang das Ganze ins Laufen gebracht habe, hatte ich sozusagen den ersten Bezug, ein Angebot zu machen. Wir haben uns dann in einem längeren Prozess geeinigt. Und Till ist dann zum 01.06.2023 als Gesellschafter und Geschäftsführer aus dem Unternehmen ausgestiegen.
Ich habe seine Anteile in einer sehr kritischen Phase gekauft, weil trotzdem auch wirtschaftlich gewisse Einbrüche stattgefunden haben. Aber es war trotzdem mein Baby und ich hatte nach wie vor große Freude daran. Allerdings habe ich mich dafür auch hoch verschuldet. Ich bin jetzt alleiniger Geschäftsführer und Hauptgesellschafter. Ich habe auch noch einen kleineren Gesellschafter rausgekauft. Döhler ist noch dabei.
Die letzten Jahre waren auch deswegen zermürbend, weil wir aufgrund unseres Erfolges einfach immer wieder kopiert wurden. Eins zu eins im Design oder auch in den Slogans. Deswegen ist jetzt auch die Internetseite offline, denn für mich war es ein absolutes Credo, dass wenn ich den Laden ganz übernehme, wir dann alles komplett neu machen. Es kommt jetzt ein komplettes Rebranding. Die Sorten so, wie sie sind, bleiben. Aber wir werden diese gesamte Marke nochmal neu beleben. Das heißt Cucumis bleibt Cucumis. Das wird auch als Wiedererkennungswert bestehen bleiben, aber sowohl beim Packaging als auch beim gesamten Marketing wird alles komplett neu aufgesetzt. Denn mittlerweile haben wir so viele Nachahmer, mit denen wir teilweise im gleichen Regal stehen.
Das erklärt, warum Cucumis gegenwärtig nicht mehr so sichtbar ist. Gibt es denn zur Zeit das Getränk noch?
Vasco: Das Problem ist halt, dass wir dann durch Corona auch viele Abnehmer im Bereich der Gastronomie verloren haben. Ein gerade sehr wehleidiges Thema ist der Vertrieb. Es ist halt schwer, gute und zuverlässige Leute zu finden. Deswegen bin ich auch aktuell auf der Suche nach einer Vertriebspartnerschaft. Und nicht umsonst habe ich Anteile aufgekauft, nicht um für immer alle Anteile zu behalten, sondern im nächsten Zuge wieder ein Teil der Anteile abzugeben. Mein Ziel ist es, im nächsten Jahr auf der Internorga wieder ganz neu mit einem kompletten Facelift aufzutreten. Alles auf Null.
Und wie ich schon sagte, ich bin auf der Suche nach einer Vertriebspartnerschaft. Im Idealfall mit jemandem hier aus Hamburg oder jemandem, der sich auch an der Firma unternehmerisch beteiligt. Was wir wirklich brauchen, ist jetzt Vertriebspower. Es war in der Vergangenheit leider immer sehr schwer, in Sachen Vertrieb und Marktbetreuung eine Nachhaltigkeit hinzubekommen. Deswegen waren wir auch im Handel mal plötzlich da, dann wieder weg, dann wieder da. Es war einfach sehr schwer, die Infrastruktur aufzubauen.
Das heißt es gibt ein Rebranding. Aber sind es dann nach wie vor noch die drei Sorten, die es bisher gab?
Vasco: Die Kamille gibt es nicht schon länger nicht mehr. Es wird Gurke und Lavendel weiterhin geben, mit den Farben Lila und Grün. Wir werden aber die beiden Sorten auch noch in einer Organic-Variante in Kalorien reduzierter Form anbieten. Die Getränke werden dann durchsichtig sein wie Wasser. Wir wollen uns nicht mit weiteren neuen Sorten verzetteln, sondern wirklich sagen, wir sind und bleiben Gurke und Lavendel, auch wenn es eine Nische ist. Es gibt genügend Bedarf daran und deshalb werden wir diese Nische einfach weiter ausbauen und schauen, dass wir uns da einfach weiter behaupten.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin.
Vasco: Danke.
Weiterführende Links
Getränke-Innovationen Schlag auf Schlag: Cucumis bringt Lavendel-Limonade auf den Markt, LEINENLOS 6. November 2015
Wiederholungstäter: Cucumis stellt Kamille-Honig-Limonade vor, LEINENLOS 28. März 2017






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