Hamburg im März ist für die Branche mehr als nur ein Pflichttermin. Wenn sich vom 13. bis 17. März 2026 die Tore der INTERNORGA öffnen, zeigt sich deutlicher denn je, wohin sich Gastronomie, Hotellerie und Foodservice bewegen. Für etablierte Betriebe ist die Messe ein Reality-Check. Für Newcomer ist sie vor allem eines: ein Kompass. Die INTERNORGA 2026 steht unter einem klaren Vorzeichen: Lösungen statt Visionen. Viele Themen, die in den vergangenen Jahren noch als Zukunftsmusik galten, sind nun marktreif und erstmals in dieser Breite live erlebbar. Wer heute neu gründet oder kurz vor dem Einstieg in die Gastronomie steht, bekommt hier einen realistischen Eindruck davon, wie Betriebe künftig funktionieren können, das heißt wirtschaftlich, personell und konzeptionell.
Robotics: Vom Experiment zum festen Bestandteil
So präsent wie 2026 war Robotik auf der INTERNORGA noch nie. Und das ist mehr als ein Showeffekt. Service-, Koch- und Reinigungsroboter sind nicht länger Spielwiesen für Innovationslabore, sondern konkrete Antworten auf Fachkräftemangel, steigende Kosten und gleichbleibende Qualitätsansprüche.
Ein zentrales Highlight ist die erstmals öffentlich gezeigte „Kundenreise automatische Küche“ von Transgourmet. Was bislang im Innovation Hub lief, wird nun in Halle B5 live erfahrbar: vom Speisekonzept über Warenbestellung, digitale Gastbestellung, robotergestützte Zubereitung bis hin zur Ausgabe inklusive Kostprobe. Die Kooperation mit goodBytz, Menoovo und Robozän zeigt eindrucksvoll, wie eng Technik, Warenwirtschaft und Gastkontakt inzwischen verzahnt sind.
Für Newcomer besonders relevant: Hier geht es nicht um den Ersatz menschlicher Kreativität, sondern um Entlastung. Der Kochroboter von goodBytz produziert bis zu 3.000 Gerichte pro Tag in konstanter Qualität. Das schafft Planbarkeit gerade für Konzepte mit hoher Frequenz, mehreren Standorten oder begrenztem Personal.
Eine Deutschland-Premiere ist der Service-Roboter von Robozän, der selbstständig Bestellungen über ein integriertes Interface aufnimmt. Was früher futuristisch wirkte, zeigt sich hier als realistische Option für Kantinen, Systemgastronomie oder hybride Konzepte.
Automatisierung als strategischer Vorteil – nicht nur für Großbetriebe
Ein wichtiger Unterschied zu früheren Jahren: Die Lösungen sind nicht mehr ausschließlich auf Großküchen zugeschnitten. Viele Aussteller präsentieren modulare Systeme, die auch für kleinere Betriebe skalierbar sind. Ob spezialisierte Kochroboter für Döner- oder Kebabkonzepte, autonome Reinigungslösungen oder Service-Roboter für Laufwege und Tablettservice – die Bandbreite ist groß. Unternehmen wie HandsOn Robotics, Nexaro oder Giovanni L. zeigen praxisnahe Anwendungen, die sich schrittweise integrieren lassen.
Für Gründer bedeutet das: Automatisierung muss kein Alles-oder-nichts-Projekt sein. Sie kann punktuell ansetzen; dort, wo sie wirtschaftlich am meisten bringt.
Digitalisierung und KI: 2026 wird konkret
Digitale Lösungen waren schon immer Teil der INTERNORGA. 2026 aber verschiebt sich der Fokus deutlich von Tools zu Systemen. Über 100 Ausstellende präsentieren in der AI AREA und im Bereich Digitale Anwendungen Lösungen, die echte Entscheidungsgrundlagen liefern. KI wird dabei weniger als Marketing-Schlagwort verstanden, sondern als betrieblicher Hebel. Nachfrageprognosen, Produktionsplanung, automatisierte Gästekommunikation oder intelligentes Revenue-Management. Das alles ist nicht neu, aber erstmals in dieser Dichte und Praxisnähe zu sehen.
Gerade für Newcomer ist das entscheidend. Wer heute gründet, kann Prozesse von Anfang an digital aufsetzen, statt sie später mühsam umzubauen. Anbieter wie Foodforecast, Foodnotify oder Chatlyn zeigen, wie sich Überproduktion vermeiden, Personaleinsatz optimieren und Gäste individueller ansprechen lassen. Auch Self-Service, Payment und Embedded Finance nehmen mehr Raum ein. Kontaktlose Zahlung, Bestellkioske und integrierte Kassensysteme sind kein Nice-to-have mehr, sondern Standarderwartung vieler Gäste.
Kassensysteme und Plattformen: Alles greift ineinander
Ein weiteres klares Signal der INTERNORGA 2026: Insellösungen haben ausgedient. Kassensysteme, Reservierung, Warenwirtschaft, Buchhaltung und Gästekommunikation wachsen zusammen.
Unternehmen wie Lightspeed, Zenchef, OpenTable oder DELIVERECT zeigen, wie sich Bestellungen, Reservierungen und Lieferdienste zentral steuern lassen. Für Gründer bedeutet das vor allem Transparenz: Zahlen, Auslastung und Prozesse sind jederzeit abrufbar – eine wichtige Grundlage für schnelle Entscheidungen.
Auch cloudbasierte Plattformen für Hotels und gastronomische Mischbetriebe gewinnen an Bedeutung. Mews, vioma oder Vectron demonstrieren, wie selbst kleinere Betriebe von professionellen Systemen profitieren können, ohne in komplexe IT-Infrastruktur investieren zu müssen.
Getränke im Fokus: Mehr Erlebnis, mehr Marge
Eine der sichtbarsten Neuerungen 2026 ist die Ausweitung des Getränkeangebots, allen voran die Premiere der WeinWelt. Erstmals bekommt Wein auf der INTERNORGA eine eigene große Bühne. Rund 30 Weingüter und Genossenschaften präsentieren sich im Foyer Ost.
Für die Gastronomie ist das ein klares Signal: Getränke sind Erlebnisfaktor und Umsatztreiber. Verkostungen, Food-Pairings und der direkte Austausch mit Winzerinnen und Winzern machen die WeinWelt besonders für Newcomer spannend, die ihre Karte von Anfang an profilieren wollen.
Auch im Bierbereich zeigt sich Vielfalt statt Einheitsware: von klassischen Weißbieren über Craft-Kreationen bis zu alkoholfreien und gemixten Varianten. Ergänzt wird das durch innovative Ausschanksysteme, die Tempo und Inszenierung verbinden.
Softdrinks, Sirups, Aperitivo-Konzepte und funktionale Getränke runden das Bild ab. Marken wie Ziropa, WOSTOK, Barebells oder Lavabelle zeigen, wie sich mit klaren Geschichten und hochwertigen Produkten neue Zielgruppen erreichen lassen.
Internationale Perspektiven: Vier Länderpavillons als Premiere
Erstmals präsentiert die INTERNORGA 2026 gleich vier Länderpavillons. Irland, Finnland, Thailand und die Niederlande bringen nicht nur Produkte, sondern komplette kulinarische Denkweisen nach Hamburg.
Besonders spannend für Gründer: Der niederländische Pavillon mit Fokus auf alternative Proteine. Pflanzliche, hybride und neue Proteinquellen sind hier kein Trendthema mehr, sondern konkrete Konzepte für die Gastronomie. Die Pavillons aus Irland, Finnland und Thailand liefern Inspiration für Produktqualität, Herkunftskommunikation und authentische Küchenstile – ein wertvoller Impuls für alle, die sich klar positionieren möchten.
Was 2026 wirklich neu ist
Zusammengefasst unterscheidet sich die INTERNORGA 2026 in drei zentralen Punkten von früheren Jahren:
- Robotik wird erstmals ganzheitlich und live in realistischen Betriebsabläufen gezeigt.
- KI und Digitalisierung sind nicht mehr Beiwerk, sondern strategisches Fundament.
- Getränke und internationale Konzepte bekommen deutlich mehr Raum, mit klarer Relevanz für Umsatz und Profilierung.
Fazit: Pflichttermin für alle, die neu starten
Für Newcomer ist die INTERNORGA 2026 nicht nur Inspiration, sondern ein Werkzeugkasten. Sie zeigt, wie Gastronomie heute gedacht werden kann: effizient, vernetzt und trotzdem gastorientiert. Wer kurz vor der Gründung steht, kann hier Fehler vermeiden, Abkürzungen nehmen und Konzepte entwickeln, die von Anfang an zukunftsfähig sind. Die Zukunft ist nicht irgendwann. Sie ist, ganz im Sinne des Messe-Mottos, jetzt.
Weitere Informationen auf der Website www.internorga.com sowie auf den INTERNORGA Social-Media-Kanälen LinkedIn, Instagram, YouTube und Facebook.
Weiterführende Links:
Automatisierung in der Gastronomie — Robotik in Küche und Service, LEINENLOS – 10. August 2025



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