Corona beflügelt „Ghost Kitchen“

„Geister-Küche“ oder englisch „Ghost-Kitchen“ bezeichnet ein virtuelles Restaurant-Konzept, bei dem in einer zentralen Küche Lieferessen produziert wird, das verschiedene Ausrichtungen haben kann, wie asiatische Küche, italienische Nudeln oder mexikanische Burritos. Dabei kann jedes Konzept mit eigenem Logo versehen sein und eine eigene Website mit eigener Speisekarte und eigenem Facebook-Account haben. Gemeinsam ist jedoch allen diesen Konzepten: Sie kommen aus der gleichen zentralen Küche. Und diese Küche hat keinen Gastraum, Kunden können nicht vor Ort essen und auch nichts zum Mitnehmen bestellen.

Wirtschaftswissenschaftler nennen so etwas Prozessoptimierung: Mehrere Restaurantkonzepte in einer Küche zu kochen, bedeutet mehrere Zielgruppen zu bedienen und mehr Gewinn zu erwirtschaften. Die Optimierung entsteht durch Bündelung. Außerdem hat das Konzept geringere Investitionskosten und weil kein Gastraum vorhanden ist, ergibt sich eine deutlich geringere Miete, denn die Lage ist nicht mehr entscheidend. Es funktioniert auch in B-Lage.  Und das Konzept lässt sich relativ schnell an veränderte Marktbedürfnisse anpassen, weil der gesamte Auftritt nur virtuell ist. In den Vereinigten Staaten steigen Investoren seit einiger Zeit mit solchen Konzepten in den Markt für Lieferessen ein.

Ghost-Kitchen, Großküche

Mit Eatclever gibt es seit etwa fünf Jahren ein leicht abgewandeltes Konzept auf dem deutschen Markt. Die Idee von Eatclever ist die Lieferung von Zutaten an die Partnerrestaurants. Dabei kümmert sich das Unternehmen um Kunden-Support, Marketing und Entwicklung der Lieferessen. Die Partnerrestaurrants übernehmen die Zubereitung und Auslieferung der Gerichte, neben ihrem eigenen Betrieb. Wichtig ist dabei, dass die Küchen so ausgestattet sind, dass die Qualität sichergestellt werden kann.

Bei diesem Ansatz ergibt sich eine Win-Win-Situation für das Ghost-Kitchen-Unternehmen und seine Partner-Restaurants: Für den Ghost-Kitchen-Unternehmer entfällt die Notwendigkeit eine eigene Produktionsküche aufzubauen, die Betreiber der bestehenden Restaurants haben den Vorteil, ihre eigenen Kapazitäten effizienter nutzen zu können. Und sie haben zugleich die Möglichkeit neue Kundenkreise zu erreichen. Außerdem haben die Gastronomen dadurch die Chance, neue Konzepte zu testen, ohne gleich die Investition in ein eigenes physisches Restaurant einzugehen. Und der Kunde schließlich hat die Möglichkeit, ein qualitativ hochwertiges Gericht nach Hause geliefert zu bekommen, das ohne „Geister-Küchen“ in seiner Gegend vielleicht gar nicht verfügbar wäre.

Die Ghost-Kitchen-Konzepte sind reine digitale Produkte, Bestellungen über Telefon sind nicht vorgesehen. Die Gerichte werden aufwendig entwickelt und getestet: Kommen Partnerküchen gut damit zurecht? Schmeckt das Gericht auch noch, wenn es eventuell eine halbe Stunde in einer Thermobox liegt? Ist die Verpackung geeignet?

Der aufwendige Entwicklungsprozess zeigt, dass es für traditionelle Restaurants nicht einfach ist, das Geschäft auf Lieferessen umzustellen oder durch Lieferservice zu ergänzen. Zudem ist dieser Markt sehr preissensibel: Oftmals will der Gast die drei bis vier Euro nicht zahlen, die die Lieferung kostet. In Zeiten von Corona hat die Bestellmentalität zwar zugenommen, ob die Kunden das Ghost-Kitchen-Konzept auf Dauer annehmen, muss sich aber noch herausstellen.

LEINENLOS, 19. April 2020

One Response to “Corona beflügelt „Ghost Kitchen“

  • Hallo liebes Team von Leinenlos. Vielen herzlichen Dank für den innovativen Beitrag. Finde ich total sinnvoll dass die hohen Investitionen von fast unbezahlbaren Küchen sich zukünftig Restaurants oder Lieferketten auch einfach teilen. Das ist doch im Endeffekt nichts anderes als das was die Autoindustrie mach mit dem Carsharing. Ein und das gleiche mobil wird eben auch mehrfach genutzt. Und so finde ich es total sinnvoll dass man eben auch Maschinen oder Küchen eben teilt. Auch insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung sehe ich hier noch sehr viele Chancen und Potentiale.

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