Überquell: Rückbesinnung auf handgemachte Pizza

Nach monatelangen Gerüchten ist die Katze jetzt aus dem Sack: Patrick Rüther hat direkt am Hamburger Hafen in den Riverkasematten eine wagemutige Craft-Beer-Pizzeria-Bar-Brauerei-Unternehmung gestartet. Damit ist in den Riverkasematten endlich wieder ein ehrliches, nachaltiges und ansprechendes Gastronomie-Konzept eingezogen. ÜberQuell heißt es und der Ansatz setzt auf original Neapolitanische Steinofenpizza in Kombination mit vor Ort gebrauten, besonderen Bieren.

Patrick Rüther folgt hier dem aktuellen Zeitgeist: Produkte, die inzwischen zu einem Massen- und Allerweltsprodukt geworden sind, werden wieder zu seinem ursprünglichen Original zurück geführt. Schon seit längerer Zeit geht der Trend zum Edel-Fast-Food: Edel-Burger, Edel-Currywurst, Edel-Pizza, all diese Konzepte setzen auf eine Veredelung mit einem Retro-Ansatz. Dabei muss sich das Marketing nicht zwangsläufig einer langjährigen Tradition bedienen. Es reicht aus, sich zum Traditionellen zu bekennen. Retro eignet sich deshalb auch besonders gut für Storytelling.  Den Ursprungsmythos in die Gegenwart zu tragen, propagiert Konsistenz, ein klares Konzept und eben Qualität.

Das Raumkonzept der großgedachten Gastronomie von Überquell ist dabei beeindruckend. In der durchaus einzigartigen Umsetzung wird sichtbar, warum sich die bewährte Tellerrand Consulting unter Führung von Patrick Rüther und Tim Mälzer in der nahen Vergangenheit von den Beteiligungen an den Braugastronomien „Altes Mädchen“ in Hamburg-Altona und „Salonplafond“ in Wien getrennt hat. Die Entwicklung von ÜberQuell erforderte Konzentration.

  • Überquell: Außenbereich
    Überquell Außenbereich

ÜberQuell ist ein Mix aus Brauerei, Restaurant, BrewPub und ein wunderbares Raumkonzept zum Feiern. ÜberQuell teilt sich in drei Bereiche auf – das BrewPub, den Restaurantbereich mit Pizzaofen und Küche und die Terrasse für Genuss im Freien mit Summer-Feeling und Blick auf die Elbe.

Der Braubereich ist mit seinen glänzenden Kesseln vollständig in den Bar-/Pub-Bereich integriert. Der Übergang vom Restaurant mit einem meterlangen Tisch, an den ca. 30 Leute nebeneinander passen, führt über einen Gang, in dem wie in einem Mini-Museum die Geschichte des Bierbrauens mit interaktiven Medien dargestellt ist, in den Brau- und Veranstaltungsbereich. Das ist schon ein echter Blickfang!

Der eher junge Service ist sehr aufmerksam und freundlich. Kommunikation in die Küche erfolgt drahtlos. Im Außenbereich gilt Selbstbedienung: Bestellung am Kiosk, Abholen an der offenen Küche, sobald der zugeordente Buzzer anzeigt, dass die Bestellung abholfertig an der Ausgabe steht.

Leider kann die Pizza an diesem sonnigen Samstagabend nicht überzeugen. Auf Terrasse und im Innenbereich ist es gut gefüllt an diesem Abend. Das Team hat die Soft Opening Phase gerade hinter sich, Patrick Rüther steht selbst in der Küche und nimmt die Bestellungen an, die in langer Kette aus dem Bon-Drucker laufen.

Die Empfehlung des Service „Pizza Rosarot & Grün“ (Tomaten-Basis mit Mortadella, Pistazien, Fior die Latte und Limette) lässt entsprechend lang auf sich warten. Meine Spezial-Bestellung mit der Bitte, nur die halbe Pizza mit Pistazien zu bestreuen, wurde über das Bon-Kommunikationsmittel trotz Stress in der Küche ordentlich umgesetzt. Aber leider ist der Pizza-Teig klebrig, offenbar zu schnell aus dem Ofen gezogen. Geschmacklich ist die Komposition auch keine Offenbarung, von der Limette schmeckt man nichts (vielleicht wurde sie vergessen). Für 10,80 € hätte ich dann doch etwas besseres erwartet. Gegenüber einem industriell erzeugten Standardprodukt fällt diese Pizza sogar ab. Die Küche arbeitet unter Hochdruck und so bleibt wohl auch mein Feedback auf der Strecke. Schade.

Immerhin das Bier überzeugt. Und das Raumkonzept sowieso. Geben wir dem jungen Unternehmen also noch etwas Zeit, um sich einzuspielen.

Manfred Troike, 17. Juni 2017

 

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