Trendprognose zur Gastronomie 2017

Die Gastronomie bleibt eine spannende Branche, in der man sich auch weiterhin auf schnelle Veränderungen einstellen muss. Dabei spielen inzwischen nicht nur die mittelfristigen Veränderungen bei den Trends  für Speisen und Getränke eine Rolle, die vom Lebensgefühl der Menschen geprägt werden und deren zeitliche Größenordnung bei 5-8 Jahren liegt, wir haben es zugleich mit dem Megatrend Digitalisierung zu tun, der auch die Gastronomie nicht unberührt lassen wird.

Drei Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit von einem Megatrend gesprochen wird:

  1. Megatrends haben eine Halbwertszeit von mindestens 25 bis 30 Jahren.
  2. Sie tauchen in allen möglichen Lebensbereichen auf und zeigen dort Auswirkungen (nicht nur im Konsum, sondern auch in der Politik, Ökonomie etc.).
  3. Megatrends haben prinzipiell einen globalen Charakter, auch wenn sie nicht überall gleichzeitig stark ausgeprägt sind.

Das alles trifft auf die Digitalisierung zu.

Man spürt zur Zeit bereits deutlich, wie Food-Trends und Gastro-Digitalisierung ineinander greifen und dadurch Veränderungen in den Lebensgewohnheiten der Menschen entstehen, auf die die Gastronomie-Branche sich schrittweise einstellen muss.

Veränderungen im Außer-Haus-Markt

SandwichDie fortschreitende Digitalisierung revolutioniert geradezu den Außer-Haus-Markt: Die Grenzen zwischen Handel und Gastronomie sowie zwischen stationärem Angebot und Online-Handel verschwimmen. Gastronomen bekommen vermehrt Konkurrenz aus dem Tech-Sektor: Reservierungs-, Bestell- und Bezahlsysteme, neue Nahrungsmittel (Käse-, Fleisch- oder Eiersubstitute aus Pflanzen) oder On-Demand-Lieferdienste lokaler Bauernhöfe zählen zu den Innovationen durch branchenferne Unternehmen.

Für den Kunden zählt immer stärker, das richtige Angebot zur richtigen Zeit verfügbar zu haben. Der Gastronom von morgen muss daher auf allen Kanälen medial präsent sein.

Mobilität, Flexibilität, Tempo

Der Alltag der Menschen wird immer stärker geprägt von Tempo und Bewegung, die Anforderungen an die persönliche Flexibilität steigen. Das führt dazu, dass sowohl die Bedeutung als auch der Qualitätsanspruch für Convenience-Food zunimmt – die Weiterentwicklung zum Komfort-Essen prägt die Zukunft. Jedoch befriedigt Convenience nicht die Sehnsucht nach frischem, natürlichem, lokalem, biologischem Essen. Die Gastronomie steht also vor der Herausforderung, die fehlende Verbindung zwischen Convenience und nachhaltigen Erlebnissen durch neue Konzepte zu schließen und sich gegenüber Einzelhandel, Take-Away oder Automaten zu behaupten.

Lieferdienste

Food DeliveryAls Gegengewicht zur steigenden Mobilität gewinnt das Essen zu Hause an Bedeutung. Das beflügelt neu entstehende Lieferdienste in Verbindung mit den Möglichkeiten neuer Technologien. Je reichhaltiger, einfacher und verfügbarer die Bestellmöglichkeiten sind, desto eher wird darauf zurückgegriffen.

Delivery-Food-Dienste feuern diese Entwicklung zusätzlich an: Sie liefern Rezepte, Zutaten oder gar Köche für die Zubereitung zu Hause. Traditionelle Food-Formate haben zukünftig die Aufgabe, sich vor diesem Hintergrund neu zu positionieren und den Restaurantbesuch wieder schmackhaft zu machen.

Verknüpfung traditioneller Herstellung mit innovativer Technik

Konsumenten  verlangen einerseits nach den Bequemlichkeiten der High-Tech-Food-Industrie, also nach einer großen Auswahl an schnell erreichbaren Produkten. Gleichzeitig gibt es eine Sehnsucht nach einer romantischen Welt handgemachter Produkte.

Das Restaurant der Zukunft verbindet High-Tech mit Bio-Romantik: High-Tech unterstützt im Hintergrund; die Bedürfnisse nach Romantik, nach Transparenz und Nachhaltigkeit werden im Vordergrund durch die eine Marketing-Strategie getragen, die eine Geschichte erzählt.

Street Food als Element des Lifestyle

StreetfoodStreet Food Festivals waren 2016 ein großes Thema für die Gastronomie. Und dieser Trend wird weiter zunehmen: Street Food bietet eine neue Form gesunder Verköstigung für ein kulinarisch anspruchsvolles Publikum.

Die Street-Food-Bewegung ist spontan und ungeplant entstanden. Man isst auf der Strasse, aus der Hand – alles ganz frisch. Es ist ein großes Erlebnis für die Sinne und den Gaumen. Online-Plattformen und soziale Medien beflügeln diese Bewegung und schaffen die notwendige Informationsbasis.

Essen wird so immer mehr zu einem Element des Lebensstils, wird Identifikationsmittel, Statussymbol und Ausdrucksmedium.

Aber auch das angenehme Ambiente in den Restaurants gewinnt dadurch an Bedeutung und bietet der Gastronomie gute Chancen, sich als Ort des geselligen Zusammenseins, als Ort des Abenteuers, der Neugier und als sozialer Lebensmittelpunkt gegen die konkurrierenden Strömungen von Lieferdiensten und Außer-Haus-Markt zu stellen.

Kulturspezifische Angebote auf dem Vormarsch

Durch Migration entsteht zukünftig eine große Nachfrage nach kulturspezifischen Angeboten. Essen aus Persien, Afghanistan und einigen Ländern Afrikas, wie beispielsweise Ghana, beeinflusst das gastronomische Angebot von morgen. Wichtig ist dabei eine kulturspezifische Kundenansprache. Globale Marketing-Botschaften erreichen die Angehörigen einer Minderheit nur noch bedingt. Diese Entwicklung bietet besonders der Individualgastronomie neue Möglichkeiten für die Gäste-Gewinnung und zeigt sich vor allem im Zuwachs von familiär geprägten Restaurants. Aber auch große Ketten setzen auf kulturspezifische Angebote.

Persönliche Ansprache wird wichtiger als Werbung über Marken

Die Wahrnehmung einer Mahlzeit oder eines Produkts wird zunehmend beeinflusst durch den direkten Austausch mit den Gästen und Konsumenten und weniger durch die allgemeine Werbung der Anbieter. Die Gesichter und Geschichten der Food-Produzenten gewinnen an Bedeutung und übernehmen vermehrt die Aufgabe einer Marke. Diese Personifizierung weckt bei den Konsumenten Vertrauen. Für das Restaurant der Zukunft sind Mitarbeiter, Servicepersonal, Koch und Besitzer entscheidend. Ihre persönliche Kompetenz in Bezug auf die Produkte, ihre Herstellung und Weiterverarbeitung ist die Grundvoraussetzung für den Erfolg.

Fazit

Viel ist in Bewegung, aber das ist ein gestandener Gastronom gewohnt. Bei allem dem Schauen auf Trends in der „großen“ Welt der Gastronomie sollte man nicht vergessen: Es gibt immer noch das Glück des kleinen Restaurants um die Ecke. Auch wenn Sie glauben, schon alles zu kennen: Es gibt immer noch unentdeckte gastronomische Orte, und die liegen oftmals direkt vor der Haustür.

LEINENLOS, 28. Dezember 2016

Quellen und weitere Informationen:
www.internorga.com
www.hamburg-messe.de


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