Sturm im Birkenwald bei Burger-Startup „Hans im Glück“

Hans-im-Glück-KarteSchon im Dezember letzten Jahres fiel auf: Die Links für den Internet-Auftritt der Hamburger Filialen der Burger-Kette „Hans im Glück“ funktionierten nicht mehr. Und auch auf der Übersichtskarte mit den Standorten der Kette in Deutschland zeigte sich gähnende Leere im nördlichen Teil. Wo waren sie alle geblieben die Standorte in Hamburg, Berlin, Bremen, Binz etc. ? Bei Rückfragen vor Ort bekam man die Auskunft: „Unser Internet-Auftritt wird derzeit umgebaut und neu gestaltet“.

Inzwischen ist klar: Es steckt mehr dahinter. Das Märchen von Hans im Glück, das Thomas Hirschberger als Namen für sein junges Burger-Cocktailbar Franchise-Konzept gewählt hat, könnte bald zu Ende gehen. Denn Patrick Junge, einer der größten Franchisenehmer, wird künftig nicht mehr mit dem Unternehmen zusammenarbeiten. Dadurch reduziert sich das Filial-Netz der Burger-Kette auf einen Schlag von ehemals 43 auf nun noch 31 Restaurants.

Hinzu kommt: Patrick Junge kündigte an, seine Restaurants unter anderem Namen und mit anderen Produkten weiterführen zu wollen. „Hans im Glück“ verliert also nicht nur ein Viertel seiner Filialen, sondern bekommt zugleich neue Konkurrenz.  Damit erklärt Patrick Junge seinem ehemaligen Partner Thomas Hirschberger den „Burger-Krieg“.

Die betroffenen Filialen sollen bis Ende März unter dem alten Namen bestehen bleiben. Danach will Patrick Junge sie kurzzeitig schließen, um sie auf ein neues, eigenes Burger-Konzept umzustellen.  Dazu gehören gute Lagen wie das Burger-Restaurant in einer ehemaligen Turnhalle im Hamburger Szene-Stadtteil St. Georg und die Filiale auf der Berliner Friedrichstraße.

Hintergrund des Streits sind offenbar Auseinandersetzungen über die kreative Gestaltungsfreiheit der Burger-Variationen im Rahmen der Vorgaben des Franchisegebers: Künftig, so teilte Patrick Junge mit, werde er „ein noch größeres Augenmerk auf die Qualität der Produkte“ legen. Die Speisekarte solle ein reichhaltigeres Angebot und mehr kreative Burger-Varianten im Vergleich zu „Hans im Glück“ beinhalten. Damit spielte er auf einen alten Streitpunkt zwischen den früheren Partnern an.

Dies ist nicht der einzige Streit im Hintergrund der „glücklichen Burger-Braterei“: Im Streit vor Gericht gegen die klagende Innenarchitektin Stefanie Rack, die den Birkenwald-Look  für „Hans im Glück“ entworfen hatte und mit 10.000 € abgespeist werden sollte, hat Hirschberger inzwischen die Notbremse gezogen und der Zahlung einer Nutzungsgebühr von 120.000 € für die weitere Verwendung des Raumkonzeptes zugestimmt.

Franchise-Konzepte gelten als gutes Mittel, mit einem relativ kleinen Anteil an Eigenkapital ein erfolgreiches Konzept schnell auf viele Filialen ausbreiten zu können. Allerdings gibt es immer wieder Ärger mit Franchisenehmern. Subway hat zwischenzeitlich etliche verloren. Burger King geriet in Deutschland im Streit mit seinem größten Betreiber sogar in einen Hygiene-Skandal.

Manfred Troike, 4. Februar 2016

Weiterführende Links:

Hans im Glück: Wummernde Bässe im Birkenwald, LEINENLOS 19. Oktober 2014


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