Rive: Tolle Location – unterkühlter Service – schwankende Qualität

Das Ehepaar Tschebull gehört mit seinem gleichnamigen Restaurant im Levantehaus zu den verlässlichsten und vielseitigsten Gastronomen der Stadt. Seit Februar 2017 führen sie zusätzlich das Rive am Altonaer Fischmarkt in Hamburg. Mit seinem fantastischen Elbblick ist das Lokal wirklich eine Hamburger Perle. Leider hatte die Qualität unter den früheren Betreibern über die Jahre sehr nachgelassen. Nachdem die Tschebulls Renovierungen vorgenommen hatten und nun seit mehr als einem Jahr die Geschicke des Rive steuern, war ich sehr gespannt auf ein gastronomisches Erlebnis an einem schönen Juli-Abend. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Es blieb Enttäuschung zurück.

Reservierung

Der Anlass war ein runder Geburtstag, den wir bei einem guten Essen und Elbblick ganz hanseatisch genießen wollten. Die Reservierung beim Rive nahm ich Online vor. Man erkennt, dass das Rive das verbreitete „OpenTable“ Reservierungs- und Kundeninformationssystem einsetzt. Neben den Eingaben für Tag, Uhrzeit und Personenanzahl konnte dabei zum Anlass eine OpenTable-Kategorie vergeben werden. Ich wählte „Geburtstag“ und gab im Freitextfeld noch den Wunsch nach einem Tisch am Fenster mit gutem Blick auf die Elbe an. Die Reservierung wurde ordentlich abgeschickt, allerdings blieb die mir sonst bekannte Rückmeldung und Bestätigung per e-Mail vom System aus.

Zwei Tage vor dem Termin rief ich dann noch einmal im Rive an, um zum einen sicher zu gehen, dass die Reservierung tatsächlich eingegangen war, zum anderen, um persönlich auf den Geburtstagsanlass hinzuweisen und zu fragen, ob eine entsprechende Tischdekoration möglich sei. Die Antwort war unerwartet kühl: „Um für den Anlass zu dekorieren, müssen wir das extra besorgen. Das werden wir Ihnen auf die Rechnung setzen. Wir haben dafür nichts da. Wir könnten lediglich mit Bordmitteln arbeiten und zum Beispiel das Dessert mit einer Wunderkerze servieren“.  – Was soll man dazu sagen?

Da ich in Bezug auf die Reservierungszeit unsicher war, schließlich hatte ich weder eine Systembestätigung noch die mir sonst gewohnte Termin-Erinnerung erhalten, fragte ich nach meiner Reservierungszeit. Man schaute nach und teilte mir mit: Wir erwarten Sie um 20 Uhr.

Der Service

Pünktlich um 20 Uhr standen wir dann im Lokal und ich nannte beim Empfang erwartungsvoll meinen Namen. „Wir hatten Sie um 18.30 Uhr erwartet“, lautete die kühle Antwort der Dame am Empfang. Ich verwies auf die fehlende Reservierungsbestätigung und die telefonische Auskunft, die ich von einem ihrer Kollegen erhalten hatte. Meine Antwort traf auf wenig Interesse (ich an Stelle des Empfangs hätte mich jetzt schon dafür interessiert, warum die Reservierung vom System nicht korrekt bearbeitet worden war, schließlich ist das System die Basis für Kundenbindung). Meine Einlassung wurde aber wohl mehr als kundenseitige „Ausrede“ empfunden. „Ist aber kein Problem“, fuhr der Empfangsservice fort, „wir haben noch genügend Innen- und Außenplätze.

Wir erhielten einen Platz auf der Außenterrasse. Der Anlass „Geburtstag“ war aber wohl beim Service nicht mehr gegenwärtig oder nicht interessant. Die Behandlung war höflich, aber kühl distanziert und man hatte schon den Eindruck, dass alles schnell gehen sollte, weil wenig Zeit für den einzelnen Gast zur Verfügung stand.

Speisen und Preis-Leistungsverhältnis

Die Karte legt nach wie vor die Betonung auf Fisch, aber auch Fleisch und Vegetarisches sind dabei. Die Preise sind auch für Hamburger Verhältnisse eher gehoben, insofern liegt die Messlatte der Erwartung an Geschmack und Qualität hoch. Im Ergebnis wurden diese Erwartungen nicht erfüllt. Die Zubereitung und Qualität waren leider bei den von uns gewählten Gerichten recht unterschiedlich und nicht „stabil“.

LEINENLOS ist  kein Medium, das Restaurant-Bewertungen durchführt, deshalb seien hier nur drei Beispiele erwähnt: Die Büsumer Krabben mit grünem Apfel, marinierten Salatherzen und Schwarzbrotchips, waren schmackhaft, schlicht in der Inszenierung und eine schöne Vorspeise, aber nichts Besonderes, der Preis von 21 € passte irgendwie nicht dazu. Das Steinbeisserfilet mit sautierten Steinpilzen, Kartoffel-Basilikum-Pürree und Tomaten-Beurre blanc als Hauptgang war ein Volltreffer, Genuss pur. Der Rücken vom galizischen Eichelschwein mit Sobrasadakruste & Auberginen Caponata war dagegen eine herbe Enttäuschung, das Fleisch sehr zäh, das Geschmackserlebnis insgesamt eher fad.

Auch hier wieder verpasste der Service die Möglichkeit allein durch Verhalten etwas auszugleichen: Auf die Qualität des Schweinerückens angesprochen gab es ein kurzes „da kann man nichts machen, das ist ein Naturprodukt“. Da hatten wir eben Pech. Und irgendwie jetzt auch nicht mehr viel Lust auf ein Dessert. Bestellt haben wir zwar noch etwas, um das Menü abzuschließen, aber so richtig Freude kam nicht mehr auf. Schade eben auch, dass das Service-Personal sich so wenig für den individuellen Gast interessierte. Man fühlte sich eher, wie in einem typischen Touristenladen, bei dem man standardisiert abgefertigt wird.

Impressionen

Resümee

Von diesem Restaurant-Besuch bleibt nur der Blick auf das große Kino auf der Elbe unmittelbar vor der Rive-Terrasse in positiver Erinnerung. Man konnte unmittelbar zuschauen, wie ein MSC-Kreuzfahrtschiff von Schleppern vom Liegeplatz in die Elbe hinaus geführt wurde. Obwohl der Küche manches gelungen war, blieb auf Grund der vielen Unstimmigkeiten, die sich aus Panne bei der Reservierung, Service-Schwächen und Qualitätsschwankungen anhäuften, eine grundlegende Enttäuschung zurück.

Manfred Troike, 30. Juli 2018

 

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