Restaurant Oberon – Ein Jahr im Rückblick

Wir treffen Musa Erhan Turhan am zweiten  Adventssamstag gegen 13:30 Uhr im Cafe Westwind zu einem späten Frühstück. Frisch und aufgeräumt strahlt er uns entgegen, obwohl er erst gegen 5:00 Uhr in der Frühe ins Bett gekommen ist. Die Vorweihnachtszeit ist auch in der Gastronomie eine „heiße Phase“ und so werden es oft lange Arbeitstage und –nächte für den jungen Gastronomen.

Vor genau vier Wochen hat sein Restaurant OBERON in Hamburg-Uhlenhorst seinen ersten Geburtstag gefeiert, ein Anlass für uns mit diesem engagierten Existenzgründer einen kleinen Rückblick auf ein Jahr Selbständigkeit zu tun.

Erhan Turhan, Restaurant Oberon     Restaurant Oberon, Untergeschoss

Was war das schönste Erlebnis – was war das unangenehmste Erlebnis in diesem ersten Geschäftsjahr?

Ein einzelnes Erlebnis kann ich gar nicht herausheben. Die schönsten Erlebnisse waren immer unsere besonderen Events, wie unsere erste Silvesterfeier oder das Weinmenü mit dem Kultwinzer Erwin Poller zu unserem 6 monatigen Bestehen. An solchen Tagen spürt man die positive Grundstimmung der Gäste besonders. Alle freuen sich auf einen schönen Abend, es herrscht eine freundliche Atmosphäre, so dass auch mal etwas nicht so perfekt sein darf, ohne das jemand das übel nimmt. Dennoch bin ich bei solchen Gelegenheiten nervös, aber das gehört dazu, wir wollen ja unseren Gästen das Beste bieten.

Zu den unangenehmsten Erfahrungen gehört, wenn Personal plötzlich erkrankt, man kurzfristig Ersatz besorgen muss und mit nicht eingespieltem Team auch bei vollem Haus einen reibungslosen Betrieb bieten möchte.

Hat das geplante Konzept funktioniert? Welche Änderungen hast du am Konzept vorgenommen?

Unser Grundkonzept einer immer wieder spielerisch veränderten Gourmetküche hat sich bewährt. Gehoben, aber eben nicht abgehoben,  das ist unser Prinzip. Wir beobachten daher sehr genau, an welche unserer Kreationen trauen sich unsere Gäste heran, an welche Gerichte eher nicht. Als wir bemerkten, dass Menüs mit von uns ausgewählten begleitenden Weinen gut angenommen werden, haben wir diesen Ansatz in unserem Angebot verstärkt. Ganz neu haben wir z.B.  auch ausgewählte türkische Weine im Programm, die sofort Aufmerksamkeit erregten und sehr gut angenommen werden.

Was ist das Oberon-Erlebnis: Mit welchem Gefühl kommen Gäste ins Oberon, mit welchem Gefühl gehen sie?

Gäste, die uns besuchen lieben die Überraschung und kommen in der Erwartung eines besonderen Erlebnisses. Deshalb variieren wir oft und bieten immer wieder etwas neues auf der Karte. Wir erzählen gern über unsere Produkte und unsere Gäste erfahren gern Einzelheiten über die Art wie ein Gericht zubereitet wird. Das kommt an. Mit einem kleinen Blick hinter die Kulissen wird der Genuss noch gesteigert und so der Abend zu einem besonderen Erlebnis. Man soll sich bei uns gut aufgenommen fühlen und nimmt hoffentlich eine gute Erinnerung mit.

Gibt es inzwischen einen festen Kundenstamm? Was kennzeichnet diese Gäste? Warum kommen sie wieder?

Wir haben inzwischen viele Stammgäste. Manche, die öfter zu uns kommen,  veranstalten nun auch Firmenfeiern bei uns, laden ihre Geburtstagsgäste zu uns ein oder feiern besondere Anlässe bei uns. Das ist für uns eine besondere Ehre und zeigt uns die Wertschätzung und das Vertrauen, das uns entgegen gebracht wird.

Gibt es Veränderungen im Speisen- und Getränkeangebot?

Neu hinzugekommen ist, dass wir Produkte auch für den Genuss zu Hause oder als Geschenkartikel verkaufen. Unsere hausgemachten Pralinen, die Teesorten aus unserem Angebot, schöne Speiseöle, ein spezielles Salz oder einfach unser selbstgebackenes Brot werden gern zum Mitnehmen nachgefragt. Diesen Bereich werden wir weiter ausbauen.

Mit welchen Marketing-Maßnahmen hast du die größte Aufmerksamkeit erreicht?

Die beste Marketing-Maßnahme war sicher unsere Teilnahme beim Lieblingsmenü des Hamburger Abendblattes. Das war keine von uns geplante Aktion, sondern hat sich zufällig ergeben, weil ein Redakteur auf uns aufmerksam geworden ist und uns die Teilnahme an dieser Aktion angeboten wurde. Allein die Teilnahme war für uns als Newcomer schon eine besondere Auszeichnung. Durch die Berichte im Hamburger Abendblatt haben wir dann aber auch sehr an Bekannheit gewonnen, was für uns ein echter Glücksfall gewesen ist.

Ebenso ist die Zusammenarbeit mit Rindchens Weinkontor für uns ein wichtiges Element, das auch Gäste auf uns aufmerksam werden lässt, die das Oberon bisher noch nicht kennen.

Wie stark hast du online-Marketing-Maßnahmen (Facebook, Xing, Twitter, Qype) genutzt?

Das Oberon ist auf Facebook mit einer Seite vertreten und wir freuen uns, wenn wir „geliked“ werden. Ich stelle immer mal wieder aktuelles aus dem Oberon-Geschehen bei Facebook ein. Wir nutzen diese Plattform aber bisher nicht intensiv. Bei den meisten Beurteilungsportalen wie Qype oder Tripadvisor sehe ich das Problem, dass die dort eingestellten Inhalte zu wenig kontrolliert werden. Zu Anfang haben wir die Kommentare dort sehr intensiv verfolgt. Inzwischen hat das für uns nicht mehr so viel Gewicht. Gerade für Neugründer sehe ich die Schwierigkeit, dass über diese Online-Plattformen auch schnell Schaden für das junge Geschäft entstehen kann, weil es bisher möglich ist,  als anonymer Teilnehmer auch ungerechtfertigte negative Beiträge über ein Unternehmen zu verbreiten. Hier sind stärkere Kontrollmechanismen seitens der Portalbetreiber nötig.

Eine Unternehmensgründung mit mehreren Angestellten ist doch ein großes Wagnis. Was sind im Rückblick die wichtigsten Erfahrungen dazu aus dem ersten Jahr?

Ich kann nur jedem raten, der so ein Vorhaben umsetzen möchte, sich vorher so viel Unterstützung und Hilfe wie möglich zu holen, sich intensiv beraten zu lassen und sich selbst auf keinen Fall zu überschätzen.

Wirst du den Ansatz von naturbelassenen, saisonal und regional orientierten Speisen künftig stärker hervorheben?

Wir werden diesen Ansatz weiter verfolgen, weil sich das in der Qualität unserer Speisen widerspiegelt. Wir haben jedoch bisher nicht  die Erfahrung gemacht, dass unsere Gäste nach der Herkunft unserer Zutaten und Produkte fragen. Die Unterstützung regionaler Lieferanten durch den Aufbau gegenseitiger Referenzen werden wir jedoch mittelfristig weiter verfolgen.

Welche besonderen Events sind im Oberon für das nächste Jahr geplant?

Wir werden im Januar und Februar wieder eine Weinmenü-Aktion in Zusammenarbeit mit Rindchens Weinkontor haben. Auch beim Hamburger Schlemmersommer wird das Oberon wieder dabei sein. Zu besonderen Tagen wie dem Valentinstag und Ostern wird etwas besonderes geboten werden.

Und wir haben besondere Winzer-Abende in Planung, an denen Winzer ihre Weine, die begleitend zu einem ausgewählten Menü angeboten werden, persönlich vorstellen werden.

Welche Veränderungen haben sich durch das Oberon in deinem Leben ergeben?

Ich habe jetzt noch weniger Zeit für mich persönlich und für Freunde und Familie.

Was macht dir an deiner Arbeit besonders viel Freude?

Es macht mir besonders viel Freude, Menschen glücklich zu machen. Und es macht mich glücklich, dass wir im Oberon Menschen einen Ort mit schönem Ambiente bieten können, an dem man sein Essen wertschätzen und mit allen Sinnen genießen kann.

Was ist an der Arbeit besonders fordernd?

Ich möchte weiter in diese Unternehmung hineinwachsen, damit es mir gelingt, künftig auch für mich selbst geregeltere Abläufe zu entwickeln. Ich möchte gern ein bis zweimal die Woche Sport machen können, die Familie besuchen, spazieren gehen. Das kommt zur Zeit alles zu kurz.

Vielen Dank für diese Einblicke, Erhan.

Aufgezeichnet von Manfred Troike am 08.12.2012

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