Nikolaiviertel – ruhige Insel im quirlig rauhen Berlin

Wenn ich von Hamburg kommend Berliner Boden betrete, habe ich immer das Gefühl, ich muss meinen Pulsschlag erhöhen und meine Empfindsamkeit herunter setzen: Das Tempo der Bundeshauptstadt bringt mich zunächst etwas außer Atem und ich vermisse die serviceorientierte Freundlichkeit der Hansestadt. Der Berliner Ton ist schon höflich, aber auch immer ein bisschen „barsch“.

Es gibt eine gewisse Berliner Unverbindlichkeit. Man lebt die Provisorien. Darin liegt wohl auch der Grund dafür, dass man sich leichter damit tut, einfach mal etwas Neues zu machen und weniger Furcht vor dem Scheitern hat. Man plant nicht soviel, sondern schaut einfach mal. Diese Haltung befeuert auch die Gründerszene.

In der Berliner Gastronomie stehen schnelle unkomplizierte Gerichte immer hoch im Kurs, aber die werden spezieller und damit interessanter. Seit 2010 merkt man, dass sich gastronomisch einiges tut in der Stadt, es eröffnen immer neue Restaurants und Imbisse. Diese Entwicklung hält bis heute an: Ich habe den Eindruck, dass sich Berlin auch durch seine Gastronomie enorm weiterentwickelt. Es ist eine Berliner Eigenart, Dinge einfach auszuprobieren. Das macht die Stadt so großartig.

Das Nikolaiviertel ist ein wenig anders als der Rest der Stadt: Hier geht es ruhiger zu. Das Viertel ist der Ursprung Berlins, der historische Kern. Es begeistert die Besucher als romantische Altstadt und als kreatives Viertel. Bisher noch etwas abseits der Touristenströme zeigt es seinen besonderen Charme.

Und auch für die Gründerszene ist es ein reizvoller Ort. Noch  kann und soll experimentiert werden in diesem Viertel, in dem man der Großstadthektik ganz entfliehen kann. Manches taucht auf und verschwindet dann auch mal schnell wieder, wie zum Beispiel Byte Burger, Berlins erstes digitales Burger Restaurant, in dem man mit iPad seinen Burger bestellen konnte.

Nach Berlin zieht man nicht wegen der Karriere, sondern um sich selbst zu verwirklichen.

Ein paar interessante Eindrücke aus dem Berliner Nikolaiviertel finden sich unterhalb des Sliders.

  • Nikolaiviertel Berlin

Restaurant Marcellino

Berliner Charme und Altstadtflair inmitten der Großstadt findet man im Restaurant Marcellino in der Poststraße 28. In schönster Lage bietet es klassische italienische Küche in hervorragender Qualität. Neben Pizza und Pasta gibt es täglich frische Fisch- und Fleischgerichte. Ein Highlight ist die offene Küche – nur selten hat man Gelegenheit, dem Koch bei der Zubereitung des eigenen Essens über die Schulter zu schauen und sich den einen oder anderen Zubereitungsvorschlag zu holen.

Restaurantleiterin Susann Sievert ist mit dem Herzen dabei. Sie liebt das Viertel, arbeitet bereits seit sechs Jahren hier und hat schon an Nutzungskonzept und Businessplan für das Nikolaiviertel mitgewirkt. LEINENLOS-Tipp: Schauen Sie einfach mal vorbei!

Balthasar 2

Starkoch Holger Zurbrüggen hat mit „Balthazar 2“ an der Spree im Nikolaiviertel im Frühjahr 2015 sein zweites Restaurant aufgemacht. Seit 2006 betreibt er erfolgreich sein Restaurant „Balthazar“ am Kurfürstendamm in dem schon Bud Spencer, Hape Kerkeling und Klaus Wowereit gespeist haben. Einen weiteren Laden aufmachen, das hatte er nie vor. Aber als sich die Gelegenheit am Spreeufer ergibt entscheidet er sich doch kurzfristig. Das Unterfangen ist finanziell risikoreich. Viel Geld hat Zurbrüggen in das zweite Restaurant investiert.

Unser Besuch dort enttäuscht. Gehobene Küche soll es sein, mindestens so anspruchsvoll wie im Charlottenburger „Balthazar“. Diesem Anspruch wird das Essen an diesem Abend nicht gerecht. Viel Salz im Essen, wenig Ideenreiches und beim Service hapert es. Da kann auch die sehr freundliche und kompetente Serviceleitung wenig retten.

Es bleibt abzuwarten, ob sich der Balthasar-Ableger an der Spree halten kann.

Hut-Styler

Am 1. Juni hat das Gründer-Trio von Hut-Styler sein Geschäft in der Spandauer Straße 27 eröffnet. Direkt gegenüber der Nikolaikirche gibt es in dem wunderschön hergerichteten Laden jetzt eine fabelhafte Auswahl von Hüten zu bestaunen und zu kaufen. Stil ist Trumpf: die Auswahl besteht aus über 300 Modellen in unzähligen Farben und Variationen.

Mitinhaber Nick Pätzold ist mit Begeisterung dabei. Er kann einem zu jedem Stück im Laden eine eigene Geschichte erzählen, er ist zugleich Fotograf und seine freundliche und kompetente Beratung im Berliner Tonfall ist wunderbar: Ein Besuch lohnt sich! Wie so oft in der Gründerszene ist der Hintergrund der Inhaber vielfältig: Mitgründer Danilo Zuchold ist Wirtschaftsinformatiker und IT-Leiter. Etwas Neues schaffen ist hier der Antrieb.

Weitere Cafés und Restaurants

Die Dichte an gastronomischen Betrieben im Nikolaiviertel ist enorm. Es erwarten den Besucher unter anderem folgende Cafés und Restaurants:

Zur Gerichtslaube (Poststr. 28), Bonne Vie Berlin (Probststr. 1), Brauhaus Georgsbraeu (direkt am Georgsdenkmal, Spreeufer 4), Café & Restaurant Spreeblick (Probststr. 9), Café Fino (Coffeeshop und traditionelle Pralinerie, dirket an der Nikolaikirche), Zille-Destille (Probststr. 9), Alt-Berliner Weißbierstube (Rathausstraße 21), Bei Bolte (Propststraße 1), Gasthaus Zur Rippe (Poststraße 17), Julchen Hoppe (Rathausstraße 25), Kartoffelhaus N°1 (Poststrasse 4-5), Marcellino (Poststraße 28), Mutter Hoppe (Rathausstraße 21), Otello (Poststraße 28), Reinhards (Poststraße 28), Restaurant & Cafe Ephraims (Spreeufer 1), Solino (Poststr. 13-14), Sushi Bar Steel Shark (Propststraße 1), tigertörtchen Berlin Cupcakes (Spandauer Straße 25), Toute Sweet (Am Nußbaum 8), Zum Nußbaum (Am Nußbaum 3)

Manfred Troike, 3. August 2016

Bildnachweis Beitragsbild:

Von Riessdo – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.