Luca Sardini – Ein Nachruf

Luca Sardini, Trattoria Roma SparitaEs gibt Begegnungen, die dauern nur eine kurze Zeit und doch wirken sie nach für ein ganzes Leben. Meine Begegnung mit Luca gehörte zu diesen seltenen Begegnungen.

Wir trafen uns zum ersten Mal am 29. September 2012 in der Lobuschstraße 24. Zusammen mit Freunden und Unterstützung seiner Familie war er dort mitten in den Renovierungsarbeiten für sein erstes eigenes Restaurant.

17 Jahre lang hatte er als angestellter Koch in der Gastronomie gearbeitet. Nun wollte er den Sprung wagen und sich selbstständig machen. Die gastronomische Erfahrung brachte er mit. Von mir brauchte er Unterstützung in der Abwicklung der Finanzen. Wir haben uns sofort verstanden.

Für das Konzept seiner Trattoria brauchte Luca eigentlich keine Unterstützung. Er brauchte nur jemanden, der es aufschrieb: „Roma Sparita“ sollte sein Restaurant heißen, übersetzt das verschwundene alte Rom. Die künftige Speisekarte konnte er direkt herunter diktieren. Begeistern wollte er seine Gäste mit wahrem italienischen Essen direkt zubereitet aus frischen Zutaten. Und vermitteln wollte er italienisches Lebensgefühl, die Gäste sollten spüren, dass dieser Betrieb eine Seele hat.

Luca war ein Mensch mit einem großen Herzen. Wenn er jemandem sein Vertrauen schenkte, dann war das von seiner Seite aus umfassend. Wir haben gemeinsam seinen Businessplan ausgearbeitet, wir haben das Bankgespräch vorbereitet und er vertraute mir alle seine Daten an. Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat. Dieses uneingeschränkte Vertrauen zwischen Luca und mir war es, das uns im weiteren Verlauf immer begleitet hat. Und letztendlich war seine Art seinen Gästen, seinen Lieferanten, seinen Mitmenschen Vertrauen zu geben und dafür Vertrauen zu erhalten, eine der wesentlichen Erfolgsprinzipien für sein Geschäft. Nicht allein sein handwerkliches Können sondern besonders auch seine herzliche Zuwendung all seinen Gästen gegenüber machten seinen Restaurantbetrieb erfolgreich. Trotz B-Lage in einem weniger attraktiven Bereich von Hamburg-Ottensen gelang es ihm, sein Restaurant jeden Tag mit vielen Gästen zu füllen.

In der heutigen Zeit, in der viel über exklusive gastronomische Ansätze und stylische Restaurant-Konzepte gesprochen und berichtet wird, war Lucas Trattoria Roma Sparita ein Beispiel dafür, wie handwerklich gute Küche in Verbindung mit herzlicher Zuwendung gegenüber dem Gast nach wie vor Erfolg bringen kann.

Luca hatte schnell die ersten Hürden der Selbstständigkeit überwunden. Meine Unterstützung war nicht mehr nötig. Aber wir blieben in Freunschaft verbunden. Und ich war stolz, wenn er mir Einblick in seinen Betrieb gewährte, mich in seine Pläne einweihte, mich nach meiner Meinung fragte und mir damit seine Wertschätzung zeigte.

Das wichtigste für Luca waren seine Gäste. Es ging ihm nicht darum, reich zu werden. Er wollte nur ein gutes Auskommen haben. Und er hatte einen hohen Qualitätsanspruch. Es fiel im schwer, zu delegieren. Er arbeitete viel und schlief wenig, oft zu wenig. An einem Mittwoch, seinem Ruhetag im Restaurant, wachte er aus dem Schlaf nicht mehr auf. Sein Herz war einfach stehen geblieben. In diesem Jahr hätte er das 5-jährige Jubiläum seiner Trattoria feiern können. Die Verlängerung des Mietvertrages für weitere 5 Jahre hatte er kurz zuvor unterschrieben. Er hatte noch viele Pläne. Viel zu früh ist er von uns gegangen.

Manfred Troike, April 2017

Weiterführende Links:

Roma Sparita – Italienischer Geheimtipp in Ottensen, Manfred Troike, 27. April 2013


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