Intransparent und überhetzt: Der Deutsche Gastro-Gründerpreis 2018

Der Wettbewerbsgedanke

Geballte Gründer-Power wurde versprochen als der Gastro Startup-Wettbewerb von Internorga und Leaders Club und der Gastro-Gründerpreis von orderbird verschmolzen wurden. Der daraus im Dezember relativ kurzfristig neu formierte Deutsche Gastro-Gründerpreis ging damit erstmalig an den Start. Gesucht wurden kreative Gastro-Startups, die mit einem überzeugenden Konzept die deutschsprachige Gastronomiebranche mit prägen wollen.

Die Schwächen des Verfahrens

Die Fusion der ursprünglich doch recht verschiedenen Wettbewerbe ist nicht gelungen. Wettbewerbskonzept, Bewerbungsbedingungen und Auswahlverfahren zeigen Schwächen:

  • Der Aufruf zum Mitmachen Anfang Januar ließ den Bewerbern kaum zwei Wochen Zeit, denn der Teilnahmeschluss war bereits am 15.01.2018.
  • Die Bewerbungsbedingungen ließen einen weit gefassten Gründungszeitrahmen für Gastro-Neuunternehmer zu: Von bestehenden Unternehmen seit 1.7.2016 bis hin zu reinen Konzepten war alles zur Teilnahme zugelassen.
  • Aus den eingereichten Bewerbungen (trotz der kurzen Bewerbungsfrist waren das immerhin 460 Teilnehmer) wählte ein Expertenkreis zehn Gründungskonzepte aus.
  • Das Social-Media-Voting, mit dem man für ein Gründer-Video innerhalb von 10 Tagen Facebook-Klicks sammeln konnte, um dadurch eine Zusatzstimme zur Verbesserung der Expertenkreis-Wertung zu erreichen, wurde aus dem Orderbird-Gründerpreis-Ansatz übernommen. Die Kürze des Zeitraumes für das Voting lässt dabei hauptsächlich die Teilnehmer gut dastehen, die über ein entsprechendes Facebook-Netzwerk verfügen. Das Gastro-Konzept selbst, wird durch die Klicks wohl kaum bewertet.
  • Das Gewicht des Social Media Votings bei der Auswahl der 10 Teilnehmer, die sich der Jury vorstellen dürfen, bleibt unklar. Manche glaubten sogar, unter den ersten 30 Teilnehmern gelandet zu sein, was natürlich ein Missverständnis ist.
  • Der Gastro-Gründerpreis 2017 wurde auf Grund der großen Teilnehmerzahl noch in verschiedenen Kategorien vergeben, um der großen Breite der Ideen gerecht zu werden. Diese Auszeichnung in verschiedenen Kategorien ist bei der Zusammenlegung der Preise leider verloren gegangen.

Gestern wurden nun die zehn ausgewählten Teilnehmer aus den 460 Bewerbungen genannt.  Diese 10 durften heute ihre Geschäftsidee in Hamburg einer Jury aus Branchenexperten vorstellen, die daraus nun heute die 5 Kandidaten für das Publikums-Voting ausgewählt hat, das auf der Internorga am 9. März durchgeführt wird.

Fazit

Der breite Zulassungsrahmen mit Bewerbern, die schon fast 2 Jahre am Markt sind, bis hin zu reinen „Papierkonzepten“, die große Zahl der Teilnehmer, der knappe Zeitrahmen für alle Aktivitäten, die dieser Wettbewerb beinhaltet, und schließlich ein intransparentes Auswahlverfahren, das eher zu einer gewissen Beliebigkeit führt, dies alles gibt leider den eingereichten Gründer-Ideen kaum die Plattform und die Aufmerksamkeit, die sie eingentlich verdient hätten. – Schade um den Aufwand und den Einsatz, den die 450 nicht weiter genannten Teilnehmer gezeigt haben, und der hinter den einzig präsentierten 10  Finalisten untergehen wird.

Manfred Troike, 1. Februar 2018


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