Hamburger Gründertag 2013 – Eine persönliche Nachlese

Der Hamburger Gründertag blickt inzwischen auf eine 18-jährige Tradition zurück.  Für mich war es die erste Teilnahme an dieser Veranstaltung.  „Geballte Gründungskompetenz an einem Ort“ betonen die beiden Eröffnungsredner Josef Katzer, Präsident der Handelskammer Hamburg, und Jörg Finnern, Geschäftsführer der H.E.I. Hamburger Existenzgründer Initiative.

Und es wird wirklich viel geboten bei dieser Veranstaltung. Trotzdem fällt die Orientierung leicht: Ein gut aufgemachtes Programm mit 30 Vorträgen von denen jeweils fünf parallel stattfinden ist ein Wegweiser durch den Tag. Für die Klärung von Fragen und zur individuellen Beratung gibt es einen Messebereich, in dem man die Fachleute vor Ort ansprechen kann und es gibt viele Helfer, die einem als Lotsen helfen, den eigenen Weg durch das reichhaltige Wissens- und Gesprächsangebot zu finden. Wer es bis jetzt noch nicht wusste, erkennt es hier: Das Thema „Existenzgründung“ ist komplex,  vielschichtig und facettenreich.

Nach einer ersten Orientierung an den Messeständen lasse ich mich im Wesentlichen durch das breite Vortragsprogramm leiten:

Als Berater für Gründer in der Gastronomie interessieren mich natürlich die Fördermöglichkeiten und öffentlichen Finanzierungsmittel für meine Kunden. In diesem Bereich gibt es immer wieder Veränderungen und es ist wichtig, sich auf Stand zu halten. Unter dem Titel „Sie investieren – Wir finanzieren – Öffentliche Fördermittel“ gaben Jens Jurewitz von der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg und Ute Hauptmann von der KfW-Bankengruppe einen Überblick über die komplexe Förderthematik. Jens Jurewitz legte dann auch ein beachtliches Tempo vor, um in den verfügbaren 45 Minuten möglichst viel anzusprechen. Vermutlich hat er da einige Zuhörer, die sich unvorbereitet eine Einführung in dieses Thema erhofften, auf der Strecke gelassen. Weniger ist manchmal mehr, insofern war der Überblick über Förderungsangebot und Förderbedingungen der KfW-Bankengruppe durch Ute Hauptmann angenehmer zu verfolgen. Ein wichtiger Hinweis war für mich: Die KfW-Bankengruppe unterhält ein Infocenter für die telefonische Beratung zu allen Förderprogrammen. Und hier handelt es sich um kein anonymes Call-Center, sondern um KfW-Mitarbeiter mit gutem fachlichen Hintergrund.

Das Highlight meines individuell zusammengestellten Vortragsprogramms waren dann 45 Minuten mit Anne-Birthe Schmidt, von der Firma „Umsatzbrennerei“ unter dem Titel „Akquise? Ja bitte! – Wie sie der Welt sagen, dass es Sie gibt!“. Mit großem Engagement und Schwung zeigte Anne-Birthe Schmidt an Hand praktischer Beispiele, dass es darauf ankommt, die richtige innere Haltung zu finden und dann seinen persönlichen und authentischen Stil in der Akquise zu entwickeln. Ein gelungener Beitrag, der so ganz ohne spröde Vertriebstechniken daher kam.

Das nächste Vortragssegment habe ich dann „geteilt“: Eigentlich hatte ich vor, mich über das Thema „Unterstützung nach der Gründung“ zu informieren. Sven Gabriel von der Handelskammer Hamburg, zeigte  das Angebot auf. Hervorgehoben wurden dabei unter anderem der Rat und die Unterstützung, die angeboten werden, wenn das Unternehmen einmal in Schwierigkeiten geraten sollte. Gerade in diesen Situationen ist es gewiss eine große Hilfe, wenn man einen persönlichen Zugang zur Handelskammer hat. Wichtiger als die Inhalte des Beitrags war für mich daher, dass man in Sven Gabriel einen kompetenten Ansprechpartner kennenlernen konnte, auf den man ratsuchend zugehen kann, wenn es einmal nötig sein sollte. Der Beitrag von Anita Schell, der dann gezielt die Förderung für das Handwerk betrachten sollte, startete durch technische Probleme mit etwas Verzögerung. Zusammen mit einigen anderen Teilnehmern nutzte ich die Gelegenheit, um zu „zappen“ und kurzentschlossen zu einem anderen Parallel-Vortrag zu wechseln. Vielleicht wäre es gut gewesen, beide Teile zum Thema „Unterstützung nach der Gründung“ zu trennen, da man erwarten konnte, dass der Beitrag zum Bereich Handwerk nicht alle Zuhörer ansprechen würde.

Mein Programmwechsel führte mich zum Thema „Liquiditätsplanung“. Birgit Kownatzki von der HypoVereinsbank und Dirk Fricke-Rüter führten als Spezialisten für Gründungsfinanzierungen auf lockere Art durch das für manchen Gründer etwas spröde Thema, gaben hilfreiche Hinweise und betonten die Wichtigkeit von rechtzeitiger und offener Kommunikation im Fall von Liquiditätsengpässen. Mit beiden Vortragenden hatte man Persönlichkeiten vor sich, die dem gängigen Bild des etwas steifen Bank-Mitarbeiters mit ihrer Frische und Offenheit ein deutliches Gegengewicht entgegen setzten.

Was der Gastwirt wissen muss – Gastronomie leicht gemacht“ war für mich ein verlockender Titel, liegt doch meine Beratung eher auf den betrieblichen Abläufen und nicht im Dienstleistungskern des Gastronomiebetriebes. Frank Döblitz und Claudia Warning als erfahrene Mitarbeiter des Verbraucherschutzamtes im Bereich der Lebensmittelhygiene zeigten auf, dass es jenseits von Vorschriften auf die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Gastronom und Verbraucherschutzamt ankommt und gaben gute praktische Hinweise. Auch hier war für mich die wichtigste Erkenntnis: Verordnungen bekommen durch Menschen ein Gesicht, umso entscheidender ist es daher, das offene, persönliche Gespräch zu suchen.

Meine nächste Station, der Beitrag „Stolperfallen vor und nach der Gründung – Aus Irrtümern der Anderen lernen“, war für mich dann weniger ergiebig. Vortragende waren Tim Decker von der Hamburger Sparkasse, der für seinen Kollegen Christopher Peters eingesprungen war,  und Jens Jorewitz von der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg. Anstelle von echten Erkenntnissen aus der Praxis wurden für meinen Geschmack doch eher allgemeine, lehrbuchhafte Hinweise gegeben. Angenehm war der Workshop-Charakter, in dem die beiden Vortragenden das Thema gestalteten. Dennoch fehlte mir persönlich dadurch manchmal der rote Faden und man bemerkte auch, dass das ganze Themenfeld doch sehr in Bewegung ist und dadurch auch die beiden fachlichen Spezialisten hier mitunter weniger sattelfest wirkten als mancher ihrer Zuhörer, was sich an einigen Diskussionsbeiträgen (z.B. Gründen aus der Kündigung) abzeichnete. Vielleicht wäre es besser gewesen, zu diesem Thema junge Unternehmer einzuladen, um dazu persönliche Erfahrungen einzubringen.

Mein Gründertagsabschluss war der workshopartig gestaltete Beitrag „Erfolgreicher Social Media-Einsatz für Gründer – Kommunikation und Prozesse gestalten“. Sven-Olaf Peeck von crowmedia führte sehr unkonventionell durch das Thema. Ein wenig fühlte ich mich dabei an Online-Chats oder Foren-Beiträge erinnert, bei denen ich mitunter etwas ungeduldig nach den Kernaussagen suchen muss. Die erhoffte Orientierung in dem unübersichtlichen Themenfeld „Social Media“ blieb für mich aus. Es blieb bei einem Aufblättern von Stichworten zu dem Themenfeld und dem Hinweis, dass weder zur eigenen Nutzung dieser Medien Empfehlungen gegeben werden könnten noch, dass künftige Entwicklungstrends aktuell erkennbar seien. Das ganze Gebiet entwickelt und verändert sich einfach zu schnell. Das wusste ich auch schon vorher. Allerdings fühle ich mich jetzt mit dieser Erkenntnis nicht mehr so allein. Gut also, dass wir einmal darüber gesprochen haben…

Mein persönliches Resümee zum Hamburger Gründertag 2013: Eine gute Veranstaltung, weil man wirklich an einem Platz Informationen zu allen wichtigen Themen, die den Existenzgründer beschäftigen, vorfindet. Vor allem aber findet man zu all diesen Themen persönliche Ansprechpartner. Und das ist wohl das wichtigste, denn Wirtschaft wird durch Menschen gemacht.

24. März 2013, Manfred Troike


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