„Grete Schulz“ – Der Laden ist leer

Café Grete Schulz„Grete Schulz“ – Ein veganes Café und Feinkostgeschäft in Hamburg-Eimsbüttel.

Leckeres Frühstück, wechselnder Mittagstisch, unterschiedliche Snacks und selbstgebackene Kuchen, dazu eine feine Auswahl rein pflanzlicher Feinkostprodukte und Kaffeespezialitäten: Das war das Konzept von Jennifer Hinze für den Laden, mit dem sie sich vor 7 Monaten selbstständig gemacht hatte.

Ergänzt hatte sie ihr Angebot um Kuchen und Torten zum Vorbestellen und Abholen, Catering und ein Mietangebot  für einen Veranstaltungsraum mit Platz für bis zu 16 Gästen.

Es war der Versuch, sich trotz des Schwerpunktes auf hochwertigen, veganen Produkten möglichst breit aufzustellen.

Gute Lage, guter Ansatz, viel persönliche Begeisterung und trotzdem hat es nicht richtig gezündet. Vielleicht war es dann doch zuviel auf einmal: Café, Ladengeschäft, Catering? Es bleibt leider letztlich immer offen, warum etwas zum Erfolg wird und manches eben doch nicht. Oft ist der Planansatz zu optimistisch: Unternehmensgründer, die zugleich Mitarbeiter einstellen, werden von ihrem tatsächlichen Finanzbedarf überrascht: Sie haben im Vergleich zu ihrem Planansatz oft einen erheblichen Mehrbedarf.

Jennifer geht offen mit diesem Scheitern um. Für sie ist es eine wichtige Erfahrung, ein wichtiger Teil des beruflichen Weges, der sie jetzt zu neuen Zielen führt. Ihren eigenen Laden muss Jennifer Hinze schließen. Doch ab 1. August übernimmt sie die Leitung des Cafés Entenwerder.

Wenn ich mein Geschäft nicht gegründet hätte und der Laden nicht pleitegegangen wäre, würde ich heute noch in der Bank arbeiten. Dann hätte ich nicht nur die geniale Zeit mit Grete verpasst – sondern niemals so eine Chance wie jetzt bekommen.

Jennifer Hinze, Inhaberin vom Café Grete Schulz

Aber natürlich bleibt da noch manches für das „Grete Schulz“ zu tun, auch wenn sie den Laden nun geschlossen hat und nach vorne schaut. Noch sind Verpflichtungen da: Der Mietvertrag läuft, die Rückzahlung des Kredits ist noch ungeklärt. 80.000 Euro hatte Jennifer für Renovierung, Umbau und Einrichtung des Ladens aufgenommen. Ob und wie sie das Geld nach der Schließung von Grete Schulz zurückzahlen muss, dafür muss eine Lösung gefunden werden.

Ein Jahr Gründungsgeschichte, ein Leben wie im Zeitraffer, eine spannende Geschichte aufgeschrieben für das Hamburger Abendblatt von Miriam Opresnik: „Mein erster Laden“.

Fotos:
© Grete Schulz Pflanzliche Feinkost, Inhaberin: Jennifer Hinze

Hintergrund:

GreteSchulz-DankeJennifer Hinze hatte ihren gut bezahlten Bankjob gekündigt, um sich mit einem veganen Feinkostgeschäft mit Café selbstständig zu machen. Der Laden am Stellinger Weg 38A wurde nach ihrer Urgroßmutter benannt: Grete Schulz. Bei der KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, hat Jennifer Hinze einen Kredit in Höhe von 80.000 Euro aufgenommen. Ursprünglich war sie davon ausgegangen, dass ihre monatlichen Fixkosten bei 5500 Euro liegen – zuletzt waren es aber 8500 Euro pro Monat. Hohe Fixkosten und geringe Umsätze haben dazu geführt, dass Jennifer Hinze den Laden schließen musste. Der geplante Mindestumsatz von 20.000 Euro Umsatz im Monat wurde nicht erreicht. Es waren im Durchschnitt nur rund 10.000 Euro. Das Hamburger Abendblatt hat die Gründungsgeschichte von Jennifer Hinze seit Oktober 2015 begleitet.

Die bewegte und bewegende Geschichte dieses mutigen Sprunges in die Selbstständigkeit mit all ihren Höhen und Tiefen wurde von Miriam Opresnik als Gründertagebuch aufgeschrieben: www.abendblatt.de/hinze

LEINENLOS, 14. Juli 2016

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