Genusswochenende in Hamburg – Junge Winzer und ihre neuen Weine

Savoir-Vivre Gourmet-Messe in Hamburg

Mehr als 70 Weinmacher, vor allem aus der jungen Generation präsentieren an diesem Wochenende auf einer Gourmet-Messe in der Handelskammer Hamburg ihre neuesten Kreationen.  Veranstalter ist das Gourmet und Reisemagazin Savoir-Vivre. Es macht Spaß von Stand zu Stand zu bummeln und nicht einfach nur zu probieren, sondern direkt mit den Winzern ins Gespräch zu kommen. Man erfährt viel über die Bodenbeschaffenheit, den Anbau und über das Spielen mit neuen und alten Rebsorten. Die Weingenießer von heute sind anspruchsvoller geworden, darauf haben sich auch die Weinbauern eingestellt. Die Wein-Herstellung erfordert neben einer hohen fachlichen Qualifikation auch eine Menge Kreativität. Wein ist ein Naturprodukt, auf dessen Endergebnis der Verarbeiter sehr viel Einfluß nehmen kann. Charaktervolle Weine entstehen mit viel Handarbeit was  Ernte und Herstellung betrifft. Außergewöhnliches zu schaffen, das sich von der Masse abhebt, ist  zeitaufwendig und arbeitsintensiv. Viele der auf der Messe vorgestellten Produkte sind nur direkt über den Erzeuger erhältlich. Daher gibt es auf dieser Messe manches Neue zu entdecken!

Es ist uns kaum möglich, den Eindruck eines Weines unabhängig von der eigenen Stimmung wahrzunehmen. So wird jeder einen Wein immer auf  seine ganz persönliche Art erleben. Von den vielen Eindrücken, die ich von meinem heutigen Messebesuch mitgenommen habe, sind mir drei in besonderer Erinnerung geblieben, die ich stellvertretend für alle anderen hier nennen möchte.

Neverland-Wine, Sebastian Class

GOT – Good old Times

„Neverland“  nennen Sebastian Class und Julia Einsfeld ihr Projekt, in dem sie charakterstarke, außergewöhnliche Weine jenseits der Konventionen schaffen wollen.  Ihre erste Kom­po­si­ti­on trägt den etwas archaisch anmutenden Namen „GOT“ (steht als Abkürzung für Good old Times), eine ungewöhnliche Cuvée  aus Scheurebe, Huxelrebe, Bacchus und Gewürztraminer, eine Wiederentdeckung von vier ur­ty­pi­schen Sorten, denen sie mit diesem weißen Blend ein besonderes Come­back er­mög­li­chen. Ein ungewöhnliches Geschmackserlebnis: zart, frisch, fruchtig und dennoch auch würzig mit angenehmer Säure.

„Crazy“ Grauburgunder von Frank Achenbach

Frank Aschenbach, Wild WinesFrank Achenbach ist 22 Jahre alt und gehört zu den Jungwinzern, die bewusst Neues ausprobieren wollen. „Schon mit 16 Jahren bekam ich von meinem Vater die Verantwortung für einen eigenen Weinberg“, erzählt er. Inzwischen hat er eine eigene Weinlinie, die sich bewusst deutlich von der Traditionslinie des elterlichen Weinbaus absetzt. „Frank’s wild wines“ nennt er seine ersten vier Weißweine, die er an diesem Wochenende in Hamburg präsentiert.

Seinen Grauburgunder hat er „Crazy“ genannt und dieser Wein ist für mich wirklich eine bemerkenswerte Innovation:  Manche machen aus blauen Trauben einen weißen Wein – Frank Achenbach  macht aus Weißweintrauben einen verrückten Rosé! Wie das geht?  100% gesunde Grauburgundertrauben, deren reife Beeren sich graubraun färben, werden wie ein Rotwein zwei Wochen lang auf der Maische – also mit der Beerenhaut – vergoren. Das Ergebnis ist faszinierend im Geschmack: Ganz anders als jeder Grauburgunder, den ich je probiert habe, intensiv, vielschichtig, langanhaltend – man muss ihn versuchen! Zwei Rotweine von Frank Achenbach werden in diesem Herbst die Linie ergänzen. Man darf gespannt sein.

 

Weingut Gaul-Triebel

Michael Triebel, WinzerDas Weingut Gaul-Triebel liegt im Bereich Mittelhaardt/Deutsche Weinstraße im Anbaugebiet Pfalz.  Heute wird der Betrieb von  Inge und Bernd Triebel mit ihrem Sohn Michael geführt. Michael-Triebel präsentiert in Hamburg eine ausgezeichnete Auswahl seiner Weine. Die Besonderheit der mineralischen Böden des Weinguts, sorgfältige Handarbeit und der Mut mit der Tradition zu spielen und gut kontrolliert mit Unkonventionellem zu experimentieren zeigen im Ergebnis sehr charaktervolle Weine. Mir haben es besonders sein Riesling und der Grauburgunder angetan: Das wunderbare, intensive Bouquet verzaubert bereits beim Einschenken die Nase und es bleibt auch noch eine zeitlang als sanfter, vielschichtiger Duft im geleerten Glas.

Die Savoir-Vivre Messe dauert noch bis morgen Sonntag, den 27. April. Es gibt also noch Gelegenheit,  sich selbst ein Bild zu machen.

26. April 2014, Manfred Troike

Fotos:

  • Neverland e.K.
  • Weingut Achenbach
  • Weingut Gaul-Triebel

 

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