Eisprinzessinnen: Unser schönster Lohn sind leuchtende Kinderaugen

Katrin Kerkhoff und Lara Oppenberg, beide gelernte Architektinnen, haben ihren früheren Beruf an den Nagel gehängt und sich ihren Berufstraum erfüllt: Sie eröffneten ihr Eis-Café mit eigener Eismanufaktur „Eisprinzessinnen“ in Altona. Ein wahres Glück für alle kleinen und großen Eisliebhaber, denn das handgemachte Eis der beiden Eisprinzessinnen schmeckt unvergleichlich!

LEINENLOS hatte Gelegenheit mit den beiden Gründerinnen zu sprechen und einen Blick in ihr Eislabor zu werfen.

Der Mitschnitt des Gespräches mit Katrin und Lara steht als Podcast zum Anhören und zum Download im mp3-Format (20 MB) bereit.

Interview-Download (speichern über rechte Maustaste): Eisprinzessinnen im Gespräch mit LEINENLOS
Hintergund-Musik bei Intro und Abspann: “I dunno” by grapes / CC BY 3.0

Für diejenigen, die das Wesentliche gern lesen möchten, gibt es das Gespräch als Transkript unterhalb des Foto-Sliders.

Das Eisgeschäft ist eine wunderbare Sache: Du drückst einem Kind eine Kugel Eis in die Hand und bekommst das Leuchten der Kinderaugen zurück.

Lara Oppenberg und Katrin Kerkhoff, Gründerinnen der Eismanufaktur „Eisprinzessinnen“

  • "Eisprinzessin" Katrin Kerkhoff hinter der Eisvitrine

 

Ihr habt vor einem Jahr eine Eisdiele aufgemacht, man nennt es auch Eis-Salon oder Eis-Manufaktur, weil ihr euer Produkt auch relativ aufwändig von Hand herstellt. Ihr kommt aber aus einem ganz anderen Beruf. Ihr habt Architektur studiert, habt auch als Architektinnen gearbeitet, wie kommt man dazu, sich auf einen Gastronomiebetrieb zu spezialisieren, der neben den üblichen Anforderungen auch noch eine ganz starke saisonale Abhängigkeit mit sich bringt?

Lara: Wir haben uns im Studium vor fast 13 Jahren kennengelernt und dann auch noch eine zeitlang im gleichen Büro gearbeitet. Architektur ist zwar ein ganz spannendes Feld, es zeigte sich aber doch, was es bedeutet in der Realität der Baubranche angekommen zu sein. Wenn man dann spürt, dass man hier nicht die ganz große Leidenschaft entwickeln kann, dann kommt man doch schon mal auf andere Gedanken. Wir haben also einfach mal angefangen rum zu spinnen, was man noch anderes machen könnte. Und da wir beide während des Studiums auch viel in der Gastronomie gearbeitet haben, lag der Gedanke nahe etwas Gastronomisches zu machen. Und für uns war auch von Anfang an klar: Es soll ein Tagesgeschäft sein.

Und wie kommt man dann auf Eis? Eis herstellen ist dann doch etwas ganz spezielles, oder?

Lara: Es gibt den Ausbildungsberuf „Speiseeishersteller“ erst seit 2008. Die meisten, die Eis herstellen, verwenden fertige Pasten. Die Industrie bereitet ganz schön viel vor, so dass Eismachen auch wirklich nichts Schwieriges ist und man bei diesem Ansatz auch gar kein Verständnis für die Grundlagen der Lebensmittel haben muss. Es gibt viele Hilfsmittel mit Garantie für gutes Gelingen.

Wir haben eine Schule besucht, die das Eis auf ganz natürliche Weise herstellt. Wir beide sind voll und ganz Genussmenschen und lieben gute Lebensmittel und haben selbst viel gekocht und gebacken und dabei alles selber gemacht. Und so wollten wir auch unser Eis herstellen. Wir haben in dieser Schule gelernt, dass man keine fertigen Produkte da hinein tut. In Vanille-Eis kommen richtige Schoten und in Erdbeer-Eis kommen Erdbeeren – kiloweise. Kein Farbstoff, keine Emulgatoren, kein Aroma, keine Konservierungsmittel.

Wie lange hat es bei euch von der ersten Idee gebraucht bis zu den ersten Schritten, dies dann auch konkret umzusetzen?

Katrin: Der Café-Gedanke war so irgendwie im Raum und Lara hätte am liebsten eine Konditorei eröffnet. Wir haben aber Freunde in Siegen, die ein eigenes Café haben und dort auch ihr Eis selber machen. Das hat uns auf diesen Gedanken gebracht. Unter diesem Blickwinkel zieht man den Laden dann einfach doch ganz anders auf.

Lara: Im September waren wir in der Eisfachschule, wir haben aber schon im August unseren Businessplan geschrieben, sehr ausführlich und umfangreich, denn wir wollten natürlich auch sicher gehen, dass es keine Schnaps-Idee ist, die wir da verfolgen. Diesen Businessplan haben wir dann auch von der Handelskammer lesen und bewerten lassen. Und nachdem wir auch von dort das „Ok“ erhalten hatten und das Konzept positiv bewertet wurde haben wir uns an die Umsetzung gemacht.

Wie hat das mit der Finanzierung geklappt? Banken tun sich ja eher schwer in dem gastronomischen Sektor, weil es da doch häufiger zu Ausfällen kommt.

Lara: Wir mussten sie überzeugen und wir haben sie mit unserem Konzept überzeugt.

Katrin: Da kam uns zu Gute, dass wir uns zuvor viele Gedanken gemacht hatten und einen gut durchdachten Businessplan vorlegen konnten, der auch von der Handelskammer positiv beurteilt worden war. Dadurch sind wir auch mit einem ganz positiven Gefühl und mit gutem Selbstbewusstsein in das Bankgespräch gegangen. Wir haben den Plan insgesamt bei drei Banken vorgestellt und es war jedes Mal recht positiv.

Lara: Aber natürlich haben wir trotz des Bankkredits noch vieles in Eigenleistung gemacht. Hier musste viel renoviert und umgebaut werden. Da haben wir dann auch beim Rausreißen, Spachteln und Streichen viel selbst gemacht.

Wie hat das bei den Beratungsansätzen funktioniert? Ihr seid bei der Industrie- und Handelskammer gewesen, die hat euch geholfen, den Businessplan habt ihr weitgehend allein aufgestellt, dann gab es irgendwann die Situation mit dem Gründerpreis von Orderbird, der euch ja auch Unterstützung gebracht hat. Wie seid ihr darauf gekommen?

Lara: Wir sind auf der Internorga auf Orderbird gestoßen. Und wir kannten das Kassensystem bereits von unserem Lehrer auf der Eisfachschule. Bei der Teilnahme haben wir uns gar nicht viel Gedanken gemacht. Das klang alles ganz gut und wir haben uns recht spontan entschlossen bei dem Wettbewerb um den Gastro-Gründerpreis mitzumachen.

Hat euch dann der Gewinn dieses Preises und die Unterstützung, die sich daraus ergeben hat, spürbar weiter geholfen?

Lara: Doch, das glaube ich schon. Allein was an Presseaktivität aus dieser Aktion entstanden ist, hat uns schon ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit gebracht.

Gerade vor der Eröffnung und unmittelbar danach ist ja die Arbeitsbelastung ziemlich groß. Wie sieht denn ein typischer Tag für euch aus?

Katrin: Es ist nicht jeder Tag gleich. Spätestens um 11 Uhr sind wir auf jeden Fall hier und dann starten wir mit den Vorbereitungen. Wir öffnen um 12 Uhr aber es gibt ja vorher noch jede Menge anderes zu erledigen. Dazu gehört zum einen der Papierkram: Die ganzen Büroarbeiten machen wir entweder zu Hause oder hier. Dann muss manchmal bereits morgens mit dem Eismachen begonnen werden oder es sind Blumen zu besorgen oder es sind sonst noch Einkäufe zu erledigen.

Lara: Um 12 Uhr wird dann die Tür geöffnet, das Eis ist in der Vitrine und die ersten Gäste kommen. Meistens haben wir uns die Arbeit dann so aufgeteilt, dass einer von uns oben im Laden mit den Aushilfen das Café betreibt, während der andere unten im Eislabor das Eis herstellt. Somit sind wir über den Tag hinweg gewöhnlich auch räumlich getrennt. Daher haben wir für uns innerhalb der ersten halben Stunde, wenn noch nicht so viel los ist …

Katrin: …falls nicht gerade zwei Schulklassen auf einmal kommen (lacht)…

Lara: … das Ritual eingeführt, dass wir uns oben im Laden für eine Viertelstunde zusammen setzen und uns dann beide einen schönen Eisbecher machen…

Katrin: …wir stehen dann beide hinter der Vitrine und nehmen uns die Eiskugeln heraus, die wir gerade möchten, genießen das gemeinsam und danach geht es richtig los.

Wenn ihr nun 7 Tage in der Woche geöffnet habt und immer den Laden im Blick haben müsst, auch wenn Aushilfskräfte da sind, wir schafft ihr das dann, euch zwischendurch mal heraus zu ziehen, mal Urlaub zu machen?

Katrin: Also letztes Jahr gar nicht.

Lara: Vielleicht hatte jeder mal drei Tage Pause von der Eröffnung im Mai bis zur Winterpause.

Katrin: Man hatte sich natürlich auch darauf eingestellt und es macht natürlich auch Spass in unserem Laden zu arbeiten auch wenn 7 Tage die Woche mega-anstrengend ist. Aber zum Herbst hin hat man dann doch gemerkt, dass da echt die Luft raus ist.

Jetzt arbeiten wir aber auch daran, dass das anders wird. Das soll in diesem Jahr nicht wieder so sein. Wir wollen uns ja auch nicht kaputt machen. Jetzt kann jeder im Schnitt einen Tag in der Woche frei machen oder auch mal zwei Tage, damit man auch mal irgendwo hin fahren kann.

Könntet ihr euch vorstellen, dass ihr nicht nur mit Aushilfen arbeitet, sondern auch jemanden Vollzeit anstellt, dem ihr soweit vertrauen könnt, dass ihr die Chance habt, euch auch mal im Sommer über einen längeren Zeitraum frei zu machen?

Katrin: Wir müssen ja nicht zusammen in Urlaub fahren, wenn der Laden geöffnet ist. Das ist ja das Gute daran, dass wir zu zweit sind. Aber wir arbeiten schon daran, jemanden einzustellen. Ab August werden wir auch eine Auszubildende haben.

Ihr betreibt euren Laden jetzt im Team. Das ist ja auch ganz praktisch, weil man dann Last auf mehrere Schultern verteilen kann. Nehmt ihr im Betrieb denn auch unterschiedliche Aufgaben wahr, so dass ihr euch gegenseitig ergänzt oder macht jeder von euch prinzipiell das gleiche, so dass jeder auch die Vertretung des anderen ist?

Lara: Klar, manche Aufgaben hat man einfach aufgeteilt; einer ist mehr für die Mitarbeiter zuständig, der andere kümmert sich mehr um die Buchhaltung und steuerliche Fragen. Zum Glück ist es so, dass es doch ein paar unterschiedliche Vorlieben gibt. So arbeite ich ganz gern unten im Eislabor, während Katrin sich eher um den Verkauf im Laden kümmert.

In der Gastronomie wird ja derzeit viel darüber geklagt, dass es so schwierig sei, zuverlässige und gute Mitarbeiter zu finden. War die Mitarbeitersuche für euch auch ein schwieriges Thema?

Katrin: Wir hatten das Glück vom ersten Tag an, eigentlich ganz gute Mitarbeiter zu bekommen. Natürlich gab es auch die eine oder andere Vollkatastrophe zwischendurch, aber im allgemeinen hatten wir Glück.

Wie habt ihr gesucht? Über Empfehlungen oder Anzeigen? Habt ihr irgendwelche Portale genutzt?

Lara: Nein, die kommen einfach hier vorbei und fragen, ob es Möglichkeiten zum Arbeiten gibt. Man muss dann nur schauen, wer geeignet ist, denn in der Gastronomie braucht man schon eine gewisse Leidenschaft für die Dienstleistung.

Was ist jetzt das Besondere an eurem Eis?

Katrin: Es ist mit Liebe gemacht.

Lara: Wir sparen an nichts. Es kommen einfach nur natürliche Zutaten hinein und davon auch reichlich. Das erkennt man an der Farbe und am Geschmack. Es ist nichts Künstliches darin.

Ich finde ja wirtschaftliche Kennwerte immer interessant: Was ist bei euch denn so ein Durchschnitts-Bon?

Katrin: Das kann man ganz schwer sagen. Bei Eis sind typisch zwei Kugeln, also 2,20 €, aber viele nehmen dann auch noch etwas dazu.

Lara: Sahne und mit Streuseln und dann noch einen Cappuccino dazu. Oder sonntags, da gönnt man sich etwas, das ist so ein typischer Spaghetti-Eis-Tag. Da muss man dann ganz viel Vanille-Eis haben und ganz viel Erdbeersoße herstellen. Da ist dann natürlich der Pro-Kopf-Verzehr höher.

Gibt es ein besonders schönes Ereignis, das euch aus diesem ersten Jahr in Erinnerung geblieben ist?

Katrin: Die Eröffnung selbst war ein ganz tolles Erlebnis, obwohl wir beide völlig neben der Spur waren. Wir hatten nämlich die Nacht durchgemacht, weil wir sonst nicht rechtzeitig fertig geworden wären. Wir haben die ganze Nacht durch bis zum Morgen Eis gemacht.

Lara: Wir sind dann nur ganz kurz nach Hause, um uns ein wenig frisch zu machen und sind dann sofort wieder hierher. Und dann waren so viele Leute da, ganz viele Freunde und so viele nette Nachbarn, die uns freudig begrüßt haben. Wir wussten ja gar nicht, wie viele Leute kommen. Wir konnten gar nicht einschätzen, ob man überhaupt mitbekommen hatte, dass hier etwas Neues eröffnet wird. Natürlich hatten wir im Businessplan ein ganz großes Kapitel über Werbung geschrieben, aber aus zeitlichen Gründen haben wir es dann nicht geschafft, diese Werbung überhaupt zu machen. Und dann war es so ein großes und wunderbares Ereignis. Wenn ich jetzt daran denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut.

Katrin: Das hat einen einfach auch sehr berührt.

Und gab es auch etwas, das euch in besonders unangenehmer Erinnerung geblieben ist?

Katrin: Eigentlich nicht. Natürlich gibt es immer mal etwas, das nicht ganz glatt läuft, aber größere Katastrophen gab es nicht.

Was ist für euch eine gute Möglichkeit, um nach einem langen Arbeitstag auch wieder zu entspannen?

Katrin: Mir persönlich fällt das nie besonders schwer. Wenn ich da an meine Zeit früher im Büro als Architektin zurückdenke, da war das schwieriger. Da hat man doch noch vieles mit sich nach Hause genommen.

Und wenn ihr nun nach vorne schaut: Gibt es etwas, das ihr euch für die Zukunft an Neuem vorgenommen habt? Werdet ihr etwas verändern?

Lara: Wir haben tatsächlich etwas Neues vor: Wir haben Pläne, dass es neben diesem Standort hier noch an anderen Orten unser Eis zu kaufen geben soll. Das heißt nicht, dass wir einen neuen Laden aufmachen. Es bedeutet aber, dass wir unsere Lagerkapazität vergrößern müssen. Das ist aber dann auch etwas, wo man noch jemanden einstellen muss, um in Schichten arbeiten zu können.

Und würdet ihr aus heutiger Sicht diesen Weg in die Selbstständigkeit noch einmal gehen?

Katrin: Auf jeden Fall!

Lara: Es ist zwar anstrengend. Aber es ist doch auch eine wunderschöne Arbeit, die wir beide hier machen. Was kann es denn schöneres geben: Du drückst einem Kind eine Kugel Eis in die Hand und bekommst das Leuchten der Kinderaugen zurück.

Dann danke ich euch für diese Einblicke und wünsche euch für die Zukunft viele neue Kunden, die ihr mit eurem Eis glücklich machen werdet.

Das Gespräch mit Katrin Kerkhoff und Lara Oppenberg führte Manfred Troike am 12. Juni 2015


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