Chickpeace aus Hamburg gewinnt den Gastro-Gründerpreis 2017 als sozialstes Konzept

Projekt für geflüchtete Frauen lockt mit internationalen kulinarischen Begegnungen

Am 16. Oktober wurden die fünf Gewinner des Gastro- Gründerpreis 2017 auf der Berlin Food Night gekürt. Chickpeace Lunch aus Hamburg gewinnt den Gastro-Gründerpreis als sozialstes Konzept. Wie können geflüchtete Frauen wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen? Diese Frage stellte sich die Hamburger Sozialarbeiterin Manuela Maurer und kam schnell auf ein Thema, das schon immer Menschen zusammenbringt: Kochen und Essen. Denn die Gastronomie ist einer der wenigen Wirtschaftszweige, in der auch Ungelernte Ihre Talente einbringen können – und damit eine ideale Chance für Migrantinnen und Migranten. Maurers Idee führte erst zu einem Catering-Service und ab Frühjahr 2018 auch zum festen Lokal: So viel soziales Engagement unterstützt auch die Jury vom Gastro-Gründerpreis 2017.

Es begann mit einem Kochkurs

Geflüchtete Frauen brauchen eine besondere Förderung. Oft fehlt das Augenmerk für ihre Integration. Daher haben Sozialarbeiterin Manuela Maurer und Pädagogin Olivia Beryt ein Angebot für geflüchtete Frauen geschaffen, das sie aus den Flüchtlingsunterkünften herausholt und ihnen die Begegnung und den Austausch mit Deutschen und anderen Kulturen ermöglicht. Wo geht das besser als beim gemeinsamen Kochen und Essen? Dabei können die geflüchteten Frauen Gastfreundschaft leben – ein wichtiges Gut in ihren Herkunftsländern. Im ersten Schritt entstand ein Kochkurs, bei dem deutsche und geflüchtete Frauen im Tandem kochten. Schon bald entwickelte sich daraus ein Catering-Service, der heute regelmäßig zwei bis drei Aufträge pro Woche hat.

Kochen verbindet Menschen und Kulturen

Bei Chickpeace arbeiten Frauen aus Syrien, Eritrea, Somalia und Afghanistan. Das spiegelt sich auch in der Speisekarte wider, auf der Gerichte wie Safran-Hühnchen mit winterlichem Couscous oder Kousa mashi, gefüllte Zucchini, mit orientalischem Mandelreis und natürlich verschiedene Mezze stehen. Diese und andere vielfältige Speisen bietet Chickpeace bald von Montag bis Mittwoch in der Comune an, einem soziokulturellen Raum im Gängeviertel mitten in der Hamburger City. Bisher entdecken die Gäste Chickpeace hauptsächlich über Mundpropaganda und Facebook. „Die Kunden freuen sich, dass sie mit ihren Aufträgen etwas Sinnvolles unterstützen können“, erzählt Sabine Cole, die sich bei Chickpeace um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Mit dem Mittagstisch soll nun jedermann in den Genuss der bunten Köstlichkeiten kommen.

Wirtschaftliche Perspektive für geflüchtete Frauen

Neben der Integration steht bei Chickpeace noch ein weiterer Gedanke im Mittelpunkt: „Wir wollen den Frauen eine wirtschaftliche Perspektive geben. Denn Frauen trauen sich oft noch nicht mal den Gedanken zu, sie könnten die Familie ernähren. „In der Gastronomie ist dies aber möglich“, so Initiatorin Manuela Maurer. Mit ihren Mitstreiterinnen hofft sie, „ein Leuchtturmprojekt zu erschaffen, an dem sich andere Frauen orientieren können und ihr eigenes Chickpeace-Projekt auf die Beine stellen.“

Mehr über Chickpeace:

Comune, Valentinskamp 28A, 20355 Hamburg – https://www.facebook.com/pontonzwei

Film: https://youtu.be/dnSpH0QYz8o

Die Gewinner der weiteren vier Kategorien

BRLO BRWHOUSE – wirtschaftlichstes Konzept
Schöneberger Straße 16, 10963 Berlin
Keine Schnapsidee: An einem feucht-fröhlichen Abend im Jahr 2014 entschieden die Studienfreunde Christian Laase und Katharina Kurz: „Wir brauen unser eigenes Bier.“ Zusammen mit Braumeister Michael Lembke setzten sie ihren Plan in die Tat um – erst als Wanderbrauer und seit 2017 im eigenen BRLO BRWHOUSE. Im angeschlossenen Restaurant serviert Chefkoch Ben Pommer perfekt auf die hauseigenen Biere abgestimmte Gemüsegerichte im außergewöhnlichen Ambiente. Brauerei und Restaurant sind in 38 Überseecontainern untergebracht – und komplett mobil.

GOOD BANK – innovativstes Konzept
Rosa-Luxemburg-Straße 5, 10178 Berlin
Vom Beet direkt auf den Tisch – und das mitten in der Großstadt Berlin. Im weltweit ersten Vertical-Farm-Restaurant GOOD BANK werden die Nahrungsmittel, aus denen die Gerichte bestehen, direkt vor Ort angebaut: aus genfreiem Saatgut, ohne Pestizide, dafür aber reich an Vitaminen und Nährstoffen. Dabei nutzen die Gründer Ema Paulin und Leandro Vergani das Konzept der vertikalen Landwirtschaft, das eine tragfähige Landwirtschaft in mehrstöckigen Gebäuden in Städten ermöglichen soll. So entstehen im GOOD BANK extrem frische und sehr leckere Speisen.

siehe auch: Good Bank – ein kleiner Blick auf das Essen der Zukunft, LEINENLOS, 17. März 2017

ReFOODgees – nachhaltigstes Konzept
Wechselnde Standorte, Köln
Essen verbindet Kulturen – unter diesem Motto veranstalten die ReFOODgees in Köln exklusive Dinnerabende und Kochkurse, sind auf Street-Food-Festivals präsent und bieten einen Catering-Service. Mit ihrer authentischen orientalischen Küche begeistern sie ihre Gäste und leisten einen aktiven Beitrag zur Integration von Flüchtlingen. Bei den reFOODgees kochen Migranten aus Syrien – gelernte Köche und Foodies. Mit Gesprächen, Musik und gegenseitigem Austausch geben die Initiatoren des Projekts – Christian Schmitt und Lena Breuer – den ReFOODgees, den Geflüchteten, ein Gesicht.

Kimbap Spot – authentischstes Konzept
Hellweg 21, 44787 Bochum
Colourful, handmade, plantbased – mit diesen Worten fasst Gründerin Kyung-Ah Meiers das Konzept des Kimbap Spot zusammen. Ihre Liebe zur koreanischen pflanzlichen Küche weckte bei der Gründerin die Idee, ihre kunterbunten Köstlichkeiten erst auf Street-Food-Märkten und ab Oktober 2017 auch im eigenen Restaurant in Bochum anzubieten. Ihr farbenfrohes, handgemachtes koreanisches Soulfood begeistert nicht nur eine wachsende Fangemeinde, sondern auch die Jury des Gastro-Gründerpreis 2017.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.