Café Saltkråkan – Ein Stück Schweden in Altona

In der Fußgängerzone der Großen Bergstaße in Hamburg-Altona verändert sich zur Zeit einiges.  Unter anderem gibt es hier seit September ein neues Café in skandinavischem Stil. Da ich selbst die  schwedische Art zu leben sehr mag und auch beruflich  über einige Jahre hinweg oft in Schweden war, ruft die heimelige skandinavische Einrichtung des Raumes in mir manche Erinnerung wach, als ich das Café betrete.

Ich bin mit dem Inhaber Marko Holmberg verabredet. Marko ist groß, schlank, sympathisch,  ein Mann mit vielen Ideen, der schon manche Erfahrung als selbständiger Unternehmer gesammelt hat. Mit seinem Café Saltkråkan  hat er in Altona ein liebenswertes Stück Schweden erschaffen. Im Gespräch erzählt er von seinem bewegten beruflichen Weg und schildert, wie er sein Konzept eines skandinavischen Cafés schrittweise umgesetzt hat, welche Risiken zu berücksichtigen waren und was sich in seinem Leben seit der Eröffnung von Café Saltkråkan verändert hat.

 

Cafe Saltkrokan (Außenansicht)

 

Marko, was hat dich dazu gebracht, in die Selbständigkeit zu gehen?

Für mich ist das nicht die erste Erfahrung mit der Selbständigkeit. Schon vor 10 Jahren war ich das erste Mal selbständig mit einer Gastronomie im Rheinland. Das Restaurant habe ich mit einer Köchin zusammen betrieben, d.h. ich war der Inhaber, aber sie hat die Küche geführt.  Anders als hier war das eine Vollküche. Wir haben auch mal einen spanischen Abend gemacht, um einfach auch die Gäste ein wenig wachzurütteln und zu zeigen, es gibt nicht nur 0815-Küche, sondern man kann auch ein wenig mehr daraus machen.

Das habe ich dann nach gut 2 Jahren aufgegeben, aus dem einfachen Grund, weil ich leider in diese Wirtschaftsmisere Deutschlands hineingeraten bin: Es war der Euro, der der Gastronomie so bis Anfang 2003 weh getan hat. Zum Glück war ich dann so vernünftig zu sagen: es ist zwar mein Traum und die Arbeit ist ganz toll, aber es muss auch alles finanzierbar sein. Wenn nicht mehr genug zusammen kommt und sich immer mehr an Schulden aufbaut, dann ist es wichtig, frühzeitig die Reißleine zu ziehen. So habe ich erreicht, dass ich immerhin nach 1 1/2 Jahren wieder schuldenfrei war. Glücklich war dabei, dass gerade zu dem Zeitpunkt ein Bausparvertrag für mich auslief. Das war natürlich super, um so etwas aufzufangen.

Marko HolmbergInsofern habe ich mir gesagt: Wenn ich so etwas noch einmal mache, dann mache ich das nur in einem Rahmen, in dem ich nicht alles auf eine Karte setze. Nicht, dass ich nicht an mich glaube, aber ich bin was das angeht, ein Typ der eher auf Nummer sicher geht. Nicht so ein Spinner, der sich sagt, da nehme ich einfach mal 150.000 € in die Hand, irgendwen findet man dafür schon als Geldgeber. Und wenn das Ganze dann in die Hose geht, dann hat man in der Regel ja nicht nur die Schulden aus dem Kredit, den man aufgenommen hat, sondern da entstehen in dem laufenden, nicht kostendeckenden Betrieb ja auch noch weitere Schulden, die sich dann dabei aufbauen. Ich gehe immer nur so weit, dass ich es selber danach mit einer Anstellung in einem festen Job allein wieder auffangen könnte. Und das kann ich bei dem Konzept hier.

Ich habe zwischendurch mit zwei Freunden zusammen schwedischen Cider, ein Fruchtweingetränk, vertrieben. In Skandinavien ist Cider das Hauptgetränk neben Bier und dort nicht mehr wegzudenken. In Deutschland entdecken immer mehr Leute Cider als alkoholische Alternative. Wir waren mit diesem Getränk Vertriebspartner für die schwedische Familienbrauerei Åbro, die eine eigene Quelle besitzt. Das Zuhause von Åbro ist der Ort Vimmerby, der Geburtsort von Astrid Lindgren.

Wir hatten halt die Idee, das hier in Deutschland zu machen. Aber wir waren dann drei Jahre dabei und haben feststellen müssen, dass es ohne ein Marketing-Budget von Millionen zur Verfügung zu haben, sehr schwer ist, das gewinnbringend zu vertreiben und so ein neues Produkt nach vorne zu bringen. Dazu gehört auch, dass man Cider als Fruchtweingetränk auch immer mit Sommer in Verbindung bringt und es oftmals in Deutschland auch noch mit Bier assoziiert wird. Insofern haben wir dann irgendwann die Kündigung bekommen, aus dem einfachen Grund, weil man in der schwedischen Familienbrauerei irgendwann festgestellt hat, dass der Absatz für Deutschland im Vergleich zu den anderen Export-Regionen zu gering war. So hat man uns dann die Vertriebspartnerschaft zum Februar letzten Jahres gekündigt,  in sehr knapper und schlichter Form mit einer e-mail als Antwort auf unsere Erstbestellung für das Jahr 2012.

Für mich war aber immer schon klar, auch im Februar letzten Jahres schon, dass ich mich noch einmal mit einer Gastronomie selbständig machen werde.

Darf ich dich nach deiner Ausbildung fragen? Kommst du aus dem Bereich der Gastronomie?

Ja, ich bin gelernter Hotelfachmann. Witzerweise habe ich meine Ausbildung damals im Scandic-Hotel in Bonn gemacht. Es gab ja schon einmal eine Scandic-Gruppe in Deutschland, die ist jetzt mittlerweile wieder da: Es gibt jetzt das Scandic Emporio. Vor etwa 20 Jahren haben sie die ganze deutsche Kette an Holiday Inn verkauft. Seit einiger Zeit kommen sie nun wieder nach Deutschland mit eigenen Hotels. Und da habe ich gemerkt: Ich war damals schon bei einem skandinavischen Unternehmen! Dann habe ich ein paar Jahre Maritim gemacht, habe dann die Köln-Arena gemacht, dann in die erste Selbständigkeit, kam danach nach Hamburg, habe in Hamburg im Hotel angefangen, um dann mit einer Gastronomieleitung in der Selbständigkeit wieder Fuß zu fassen, habe dann ein Catering-Unternehmen mit aufgebaut, und, und, und,…

Anschließend übernahm ich die Betriebsleitung für ein Café, um da noch weitere Erfahrungen zu sammeln, habe dann Vermietung von Vespa-Rollern betrieben, was für mich so etwas wie ein Hobby ist, und bin danach in die Selbständigkeit mit dem Cider-Thema. – Man muss wirklich versuchen, auf verschiedenen Beinen zu stehen, damit es funktioniert.

Dann habe ich im September letzten Jahres hier diesen Laden aufgemacht. Dazu muss ich sagen, dass es ein Jahr lang aktive Planung gewesen ist, denn seit September 2011 war es für mich klar, dass es dieser Laden hier werden wird.

Cafe Saltkrokan Innenansicht

Das heißt bereits zu diesem Zeitpunkt war das Objekt hier so vorhanden?

Nein, das war überhaupt nicht so, das war noch das alte Objekt. Es stand kurz vor dem Abriss. Als ich das erste Mal hier drin stand, war alles noch ein Stück erhöht, etwa zwei Stufen höher als wir jetzt sitzen. Das Ganze ist später ebenerdig gemacht worden. Der Vermieter wollte das gar nicht, aber es musste gemacht werden. Für mich war das ein Traum, weil das viel schöner ist: Für einen Gast ist die Schwelle auch mental viel geringer in ein ebenerdiges Geschoss zu gehen, als wenn man erst zwei Stufen nehmen muss. Und die Kinderwagen danken es mir auch.

Ich habe schon über 5 Jahre lang das Konzept im Kopf gehabt: Ich mache noch mal ein Café auf, aber ganz sicher eben auch nur ein Café, in dem ich keine feste Küche habe, also keine Vollküche mit Abzugshaube und Fettabscheider allein der Kosten wegen. Und ein Café, in dem ich keinen festen Koch habe, das ist mir ganz wichtig, weil darin immer ein Risiko liegt: Wenn der Koch nicht da ist, dann bricht kurzerhand alles zusammen. Würde morgen jetzt hier bei mir die Küchenkraft ausfallen, dann kann zwar nicht jeder beliebige, aber eben doch schon eine große Anzahl von Leuten diesen Job übernehmen. Das ist eben ganz anders, als wenn man jemanden braucht, der im gastronomischen Sinn richtig kochen kann.

Cafe Saltkrokan - InnenraumWie viele Mitarbeiter hat dein Betrieb? Hast du viele Festangestellte oder greifst du eher auf Aushilfen zurück?

Ich habe eine Festangestellte, das war mir wichtig, um einfach auch für mich selbst Entlastung zu schaffen: Wir haben 7 Tage die Woche geöffnet, ich bin aber nicht 7 Tage die Woche hier, denn das würde viel zu tief in mein Privatleben eingreifen. Bei  7 Tagen ohne eigenen Freiraum könnte ich nach kurzer Zeit zum Scheidungsanwalt gehen, weil dann die Beziehung und das Privatleben völlig kippt.

Zur Zeit bin ich gut 6 Tage die Woche hier, sicher sind es hin und wieder auch mal 7 Tage, wenn die Angestellte Urlaub hat, aber mittelfristig versuche ich schon eine 5 Tage-Woche daraus zu machen, im Sinne von anwesend sein, was auch bedeutet, dass man daneben noch einkaufen  muss, dass die Buchhaltung  Zeit in Anspruch nimmt und dass man seine Planung machen muss für Sommer, Herbst und Winter.

Ist der Buchhalter dann extern oder machst du das insgesamt selbst?

Na ja, die Vorbereitung, das Kassenbuch führen und was sonst so alles dazu gehört, das mache ich alles selber. Der Steuerberater ist dann derjenige, der für mich die Umsatzsteuervoranmeldung macht.  Die Belege und die ganzen Rechnungsschnipsel sind bei mir schon sorgfältig abgeheftet und sortiert vom ersten bis zum einunddreißigsten, so dass das dann nur noch gegengebucht werden muss. Aber es ist alles schon im System vorhanden. Genauso verhält sich das mit den Rechnungen, die über das Konto laufen. Da bin ich schon ganz gut organisiert.

Bei der täglichen Arbeitslast in der Gastronomie ist ja selbst das einfache Sammeln, Zusammenstellen und Ablegen der Abrechnungsbelege schon eine Herausforderung. Wenn dann das Personal das im täglichen Ablauf auch nicht gut unterstützt, dann hat man schnell ein Problem.

Gutes Personal zu finden ist aber in der Tat ein Problem, das ist grundsätzlich schwer. Toi, toi toi – das funktioniert hier bei mir zur Zeit echt gut. Ich hoffe, das bleibt auch noch länger so, denn die richtige Saison für ein Café wie dieses kommt ja erst. Da ich draußen 50 bis 60 Plätze habe, werde ich dann natürlich aufstocken müssen.

Cafe-Saltkrokan -TafelHast du im Außenbereich so viel Fläche, die du bei gutem Wetter nutzen kannst? Jetzt muss ich mal zählen: Im Innenbereich hast du wohl so ca. 45 Plätze, oder?

Ja, knapp.  Aber draußen kann ich auf dem breiten Außenbereich eine ganze Menge nutzen. Insgesamt werden das auf jeden Fall 50 Plätze. Das muss auch so sein. Ein Café ist da eben etwas anderes als ein Gasthof. Im Sommer muss sich so ein Betrieb den Winterspeck  ansammeln für die Monate Januar und Februar, wo  generell weniger los ist und ich man mit dem Innengeschäft auskommen muss.

Das ist unmittelbar verständlich. Wenn man sich deine Preisgestaltung anschaut, dann brauchst du schon eine gewisse Menge an Durchsatz, damit du deinen notwendigen Mindestumsatz erreichst.

Gewiss, man muss mal kalkulieren: Ich mache mit keinem Gast hier mehr als 15 €. Das will ich auch nicht, denn ich möchte auch beim Mittagstisch in einer Klasse bleiben, die 6,80 € nicht überschreitet. Aber ich möchte auch ein gutes Qualitätsniveau bieten. Wir haben hier Top-Qualität. Da ist nichts in unserem Angebot, das in Masse gefertigt wird. Das ist schon alles handgemacht. Ich habe zum Beispiel Artikel von John Christiansen, dem Hochzeitkonditor in Hoheluft-West. Die sind so gut, das ist einfach Spitze.

Wie war das bei dir mit der Finanzierung deines Vorhabens? Ist es dir leicht gefallen, eine Bank zu finden, die von dir und deinem Konzept überzeugt war und die notwendigen Kredite bereit gestellt hat?

Ich habe es mit der Haspa versucht, die bei mir als Vermittler für einen KfW-Kredit eingetreten ist. Die Summe ist komplett gegenfinanziert. Ich bin von der KFW-Bank gefördert.

Dann ist das bei dir erfreulich gut gelaufen. Die Gastronomie-Branche wird von Banken als so risikobehaftet betrachtet, dass nicht selten auch bei hohem Eigenkapital-Anteil die Finanzierung verweigert wird.

Also ich habe ein Drittel Eigenkapital zur Verfügung gehabt. Für die Kreditsumme habe ich dann aber auch Sicherungen über die KfW-Förderbank gegengesetzt. Insofern sind das für die Haspa absolut Peanuts. Das habe ich auch ganz klar gesagt. Ich habe mein Konzept vorgestellt, ich konnte auf meine Erfahrung verweisen und habe gesagt: Hier ist mein Konzept, das sind meine Unterlagen, reicht das bitte bei der KfW ein. Und dort wurde es dann auch genehmigt. Die Haspa hätte es aber auch sogar ohne die Absicherung über die KfW-Bank gemacht. Das wäre für mich zwar teuer gewesen, aber man hätte es gemacht. Insofern war die Bereitstellung des notwendigen Kredites keine Hürde.

Da erkennt man, dass neben den eigentlichen Kreditrahmenbedingungen eben doch auch die Unternehmer-Persönlichkeit für die Bank bei der Bewertung einer Finanzierungsanfrage eine ganz wesentliche Rolle spielt.

Und ich habe eben auch darauf geachtet, die Anfangsinvestition möglichst gering zu halten. Ich habe hier bei weitem keine 100.000 € hineingesteckt. Dadurch dass das Geschäft schrittweise und auch ganz gut anlief, konnte ich einiges an Inventar auch Stück für Stück aus dem Tagesgeschäft heraus finanzieren.

Hast du einen Tipp für ein günstiges Geschäftskonto?

Mein Geschäftskonto habe ich bisher auch bei der Haspa, wobei ich die Gebührenerhöhungen, die jetzt zum 1. April angekündigt sind, einfach für unglaublich hoch halte, so dass ich mich umschauen werde, um die Bank für das Geschäftskonto zu wechseln. Allein die Gebühren für Bareinzahlungen, die ja für die Gastronomie zum Tagesgeschäft gehören, sind einfach unverschämt hoch. Damit vertreibt sich eine Bank die Kunden. Das kann man bei jemandem machen, der selten Geld einzahlt, aber das geht einfach nicht bei einem Kiosk, bei kleinen Geschäften oder einem Gastronomiebetrieb. Da müsste man andere Konditionen anbieten.

Cafe Saltkrokan, Konzept

Wie hast du für dein Café geworben? Was hast du an Marketing-Maßnahmen genutzt, um überhaupt erst einmal bekannt zu werden?

Also dazu sage ich dir so viel: Es ist tatsächlich so, dass ich bis heute in der Tat leider wirklich noch gar nichts an Werbung gemacht habe.

Das höre ich erstaunlicher Weise oft. Und dennoch scheint es dann doch auch einfach so zu funktionieren. Wie erklärst du dir das?

Ich denke, ich habe da einfach Glück gehabt. Und richtig gut geht das ohne die entsprechende Werbung auch nicht. Daran muss ich wirklich dringend arbeiten. Gestern Abend habe ich zum Beispiel eine Lesung veranstaltet und hatte dafür einen richtig guten Schauspieler und Sprecher als Vorleser gewinnen können. 20 Leute hatten zugesagt, von denen dann schließlich nur 12 gekommen sind, weil die anderen abgesagt haben. So etwas ärgert mich dann wirklich sehr. Das war so eine tolle Stimmung und ich habe im Endeffekt einfach zu wenig Werbung gemacht. So etwas ist dann einfach schade. Ich hätte draußen Tafeln hinstellen müssen und die Veranstaltung viel breiter ankündigen müssen. Man lernt daraus.

Das schlimme ist ja – dazu zähle ich hoffentlich nicht – das ein Gastronom oftmals so ein schlechter Marketingchef ist und auch so ein schlechter Buchhalter, weil er eben Gastronom ist. Das sieht man überall. Ich versuche trotzdem das Beste zu geben. Das sieht man an dem ganzen Auftritt hier.

Dein Geschäftsauftritt hier ist wirklich ausnehmend schön. Ich habe gesehen, es gibt von Café Saltkråkan sogar ein kleines Image-Video im Netz. Das Video ist sehr gelungen. Allerdings muss ich sagen, wenn man den Laden hier betritt, ist die Atmosphäre noch deutlich heimeliger. Der kurze Video-Clip gibt dann doch die Stimmung nicht ganz so gut wieder.

Ja, es ist ja auch nur als Vorab-Eindruck gedacht. Die Botschaft ist dann auch „Schaut gern vorbei und macht euch euer eigenes Bild“.

Dieses Video ist übrigens auch eine kleine Gründer-Geschichte: Ein Videojournalist, Rainer Titz, hatte sich mit „startup-film“ ebenfalls selbständig gemacht und brauchte ein paar Referenz-Videos. Und da war das natürlich eine ideale Kombination. Da haben wir uns gegenseitig geholfen. Das Ding ist jetzt auf meiner Homepage und ich habe es bei Facebook gepostet. Das ist schon eine schöne Sache für mein Marketing.

Mit welchen Marketing-Maßnahmen möchtest du  Aufmerksamkeit erreichen?

Ich muss marketingmäßig mehr machen, das meiste hat sich bisher eher zufällig ergeben. So bin ich in der Jahresausgabe von PRINZ Hamburg Top Guide 2013. Die haben mich Ende Oktober/Anfang November im letzten Jahr besucht, ohne dass ich etwas davon wusste. Und dann hörte ich von Bekannten, dass ich in der Jahresausgabe bin. Das ist natürlich eine gute Werbung. Und dann bin ich kurz darauf in Szene Hamburg aufgenommen worden. Die waren natürlich auch unangekündigt hier.

Deshalb ist es immer wichtig, jeden hier gut zu bedienen und immer die gleiche hohe  Qualität zu halten. Die beste Werbung ist immer, wenn die Leute weiter erzählen, dass es ihnen  gefallen hat.

Wie verteilt sich deine Auslastung so über die Woche? Gibt es bestimmte Tage, an denen besonders viel los ist?

Das ist leider bisher überhaupt nicht vorhersagbar. Da ist keine Beständigkeit drin. Sonntags ist generell ein guter Tag. Aber ansonsten kann man über den Wochenverlauf überhaupt keine Vorhersagen treffen. Und selbst am Sonntag ist es im Tagesverlauf sehr verschieden: Mal ist das Frühstück gut besucht und dafür ist der Nachmittag ruhig; manchmal ist es genau umgekehrt.

Wäre ein Reservierungssystem da für dich hilfreich? Eine Gruppe von drei jungen Männern hat sich jetzt mit einem Online-Reservierungssystem selbständig gemacht und sie sind offenbar sehr erfolgreich damit, weil es den Restaurants zu einer gleichmäßigeren Auslastung verhilft und natürlich das Geschäft vorhersehbarer macht.

Dazu haben wir einfach zu wenig  Reservierungen. Für ein Café ist es weniger üblich, dass man reserviert.  Wir haben in der Woche drei bis vier Reservierungen. Das wird hoffentlich mehr, wenn erst die Frühjahrssaison beginnt. Und wenn man sicher sein möchte, dass man zum Beispiel am Sonntag zum Frühstück einen Platz bekommt, sollte man einfach kurz anrufen.

Gibt es schon einen festen Kundenstamm?

Ja, es gibt einige Gäste die regelmäßig kommen. Aber  es sind auch immer wieder viele neue Gesichter da.

Wenn du jetzt noch einmal rückblickend auf deine Gründungsgeschichte schaust, gibt es da etwas, wo du aus heutiger Sicht sagst, dass dir in einem bestimmten Bereich Unterstützung gefehlt hat oder du Rat und Hilfe gebraucht hättest?

Nein, eigentlich nicht. Da hat mir sicher geholfen, dass ich das ganze ja schon einmal gemacht hatte. Es war für mich nicht das erste Mal.

Wie bist du auf das schwedische Konzept gekommen?

Meine Frau ist Finnland-Schwedin und seit  9 Jahren sind wir regelmäßig im Sommer in den finnischen Schären. Wir sind auch oft in Stockholm. Ich finde das Land einfach großartig. Daher kam das. Und wir haben dadurch auch ein gutes Netzwerk. Es gibt viele Schweden, Finnen und Dänen, die in Hamburg leben. Das sind etwa 10.000 Leute, die entweder Skandinavier sind oder Skandinavien-affin sind. Insofern wusste ich, dass es ein vielversprechendes Konzept ist. Wesentlich ist nur die Lage. Und das hier mitten in Altona ist eine 1A-Lage für so ein Café.

Cafe Saltkrokan, Verkaufsregal

Wie bist du zu deinen schönen Tischen und Stühlen hier gekommen, die so gut in das schwedische Konzept passen?

Die Tische habe ich von einer Schreinerin bauen lassen und dann anschließend selber lasiert.  Die Stühle habe ich über vier Monate hinweg  gesammelt, dann selbst abgeschliffen und selbst zweimal lackiert. Das Ganze ist schlicht, hat aber auch etwas zum Anfühlen.

Das schwedische Thema habe ich schon sehr konsequent durchgearbeitet. Wenn man hier zum Beispiel außerhalb der Geschäftszeiten anruft, dann hört man einen schwedischen Sprecher, der sonst für ein bekanntes schwedisches Möbelhaus die Werbung spricht. Es ist schon hilfreich, wenn man ein paar gute Kontakte hat.

Was war das schönste Erlebnis in der ganzen Gründungsphase?

Das schönste Erlebnis war für mich kurz vor der Eröffnung, als ich zum ersten Mal sehen konnte, wie der Laden aussieht. Der Raum war ja vorher nackt. Das muss ja mit dem Interieur Schritt für Schritt wachsen. Als wir das erste Mal Fotos für unseren Flyer und die Homepage gemacht haben, da stand hier noch nichts drin und wir mussten die ersten  Möbel nur für  den Foto-Termin zusammenstellen.

Und als ich dann die Fotos gesehen habe, da war schon ein ganz glückliches Gefühl da, weil man sehen konnte, wie schön es wird. Das waren ganz viele Momente innerhalb einer Woche, in der sich das ganze zum ersten Mal zu einem Ganzen zusammen gefügt hat. Das was schon etwas sehr Besonderes.

Und jetzt noch einmal der Blick zurück:  Was war das unangenehmste Erlebnis? Gibt es etwas, das überhaupt nicht gut geklappt hat?

Problematisch war die Abhängigkeit von den Handwerkern. Wenn man in einen Neubau einzieht, dann muss man immer mit Verzögerungen rechnen, weil irgendetwas bei der Planung mit den Handwerkern immer nicht aufgeht. Schlimm war es, als ich mit meinem Inventar zum abgesprochenen Termin hier hinein wollte: Da war noch nicht eine einzige Wand gestrichen. Alles, was ich hier an Möbeln hineingebracht habe, musste dreimal hin und her geschleppt werden, weil die Planung nicht eingehalten worden war. Das betraf nicht nur Tische und Stühle sondern auch Kühlschrank, Spülmaschine, alles was hier zur Ausstattung gehört. Das hat mich schon sehr genervt. Erst unmittelbar am Tag der Eröffnung sind die letzten Dinge fertig geworden.

Cafe Saltkrokan, skandinavisches Flair

 

Welche Veränderungen haben sich durch diese Geschäftsgründung in deinem Leben ergeben?

Ich bin zufriedener mit dem, was ich mache. Ich bin ausgeglichener, was mich selbst angeht. Sicherlich habe ich weniger Freizeit. Das ist logisch. Vorher konnte ich mir meine Zeit freier einteilen. Zur Zeit ist es so, dass ich doch sehr viel hier bin, einfach schon aus dem Grund, um die Kosten jetzt am Anfang des Jahres möglichst niedrig zu halten. Ich hatte ja noch keine Möglichkeit im Vorlauf diesen „Winterspeck“ aufzubauen. Daher muss ich Gas geben und das merke ich schon. Aber ich bin zufriedener, der Arbeitsalltag ist für mich entspannter und das ist sehr viel wert.

 

Hast du bestimmte Versicherungen abgeschlossen, um für dich das Risiko zu verringern?

Ich habe meinen eigenen Ausfall abgesichert, zudem habe ich dann noch eine Rentenversicherung abgeschlossen. Und das Inventar ist auch abgesichert.  Ich habe da ein Gesamtpaket als Gewerbeversicherung, das  mir eine Versicherungsmaklerin, die ich gut kenne und der ich vertraue, zusammengestellt hat.

Wie groß schätzt du die finanziellen Risiken für dich selbst ein?

Wichtig war für mich, dass die ganze Unternehmung auf meinen Schultern ruht. Meine Partnerin hat damit nichts zu tun. Sie hat ihren Job und ihr Einkommen und steckt in keiner Bürgschaft für dieses Unternehmen. Das habe ich alles auf meinen Namen gemacht. Mir war das ausgesprochen wichtig. Denn wenn etwas passiert und es nicht funktioniert, dann ist wenigstens ein gesichertes Einkommen da, aus dem man die laufenden Betriebskosten und die eigene Krankenversicherung bezahlen kann. So ist man in jedem Fall auf der sicheren Seite. Das lässt sich in einer Partnerschaft besser machen, als wenn jemand Single ist. Zum Glück haben sich die ersten Wochen ja  gut entwickelt, so dass ich bisher sagen kann, dass das Konzept funktioniert.

Marko, ich danke dir, dass du bereit warst für dieses offene und interessante Gespräch.

Aufgezeichnet von Manfred Troike am 22.02.2013

 

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