Bloß keine Online Reservierungen! Oder doch?

Online ReservierungReservierungssysteme für Restaurants können heute deutlich mehr als ihre analogen Vorgänger. Zum Beispiel bieten sie die Möglichkeit für Gäste, Tische online zu reservieren. Doch viele Gastronomen sind skeptisch. Warum?

Gegenüber dem klassischen Reservierungsbuch aus Papier bieten digitale Reservierungssysteme auch eine Tischreservierung über das Internet. Das geht zum Teil voll automatisch, also ohne dass der Gastronom überhaupt noch Hand anlegen muss. Der Gast sieht bereits auf der Webseite des Restaurants die noch verfügbaren Zeiten, wählt die Zahl der Gäste aus und bucht sofort verbindlich einen Tisch. Das System verschickt automatisiert eine Bestätigungsmail und überträgt die Reservierung in das digitale Reservierungsbuch. Toll möchte man meinen, ein prima Service für den Gast und weniger Arbeit für den Gastronomen. Doch das sehen nicht alle so.

Gastronomen möchten selbst entscheiden

Viele Gastronomen scheuen die Entscheidung Online-Reservierungen anzubieten. Zu groß ist die Angst die Tischplanung aus der Hand zu geben. Es besteht die Sorge vor einer „Verselbstständigung“ des Systems. Man möchte nicht plötzlich vor einem Chaos von Doppelbelegungen stehen. Doch ist diese Sorge berechtigt?

„Nein“ sagt Axel von Leitner, Entwickler der Reservierungssoftware CentralPlanner, „nicht, wenn das System mit normalem gastronomischem Sachverstand eingerichtet wird. Wenn ich natürlich abends meine Tische im Abstand von 45 Minuten vergebe, meine Gäste jedoch im Schnitt 90 Minuten bleiben, kriege ich ein Problem. Das ist aber kein Fehler des Reservierungssystems, sondern schlichtweg schlechte Planung.“

Wenn zu Beginn wenige Punkte beachtet werden, sinkt sogar das Risiko von Doppelbelegungen bei einer gleichzeitig besseren Auslastung – und das vor allem bei viel weniger Arbeit.

Vier Voraussetzungen für funktionierende Online-Reservierungen

  1. Zu Beginn Reservierungen erst einmal manuell bestätigen: Niemand zwingt einen dazu, die Tischreservierung sogleich voll zu automatisieren. Man kann Reservierungssysteme in der Regel so einstellen, dass der Gast zunächst online nur eine Anfrage stellt. Der Restaurantbesitzer oder der Service können dann die Reservierung bestätigen, oder ablehnen, falls kein freier Tisch mehr verfügbar ist.

  2. Nicht von Anfang an alle Tische zur Online-Reservierung freischalten, sondern zunächst nur einen Teil: Im Lauf der ersten Wochen kann man dann schauen, wie die Kunden die Möglichkeit annehmen. Gleichzeitig kann sich das Personal an die automatische Tischvergabe gewöhnen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.

  3. Nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Online-Reservierungen zulassen: Restaurants, in denen es ab einer gewissen Uhrzeit richtig brummt, kommen irgendwann nur noch schwer hinterher zwischen telefonischen Reservierungen, Online-Reservierungen und Walk-Ins zu unterscheiden – und dann auch noch alle richtig auf die Tische zu verteilen. Um das zu verhindern kann man im Reservierungssystem einstellen, dass Online-Reservierungen z.B. bis spätestens 18:30 Uhr desselben Tages eingegangen sein müssen. Von da an geht nur noch die telefonische Anfrage oder der Walk-In.

  4. Ein möglichst einfaches und intuitives Reservierungssystem nutzen: Viele Anbieter locken mit unzähligen Features und Funktionen ihrer Systeme, während in der Praxis nur wenige wirklich intensiv benötigt werden. Im Gegenteil, insbesondere Servicekräfte, die nur aushilfsweise mit dem System arbeiten, kommen sonst in der Hektik schnell durcheinander. Bei Reservierungssystemen ist es wie bei den Restaurants selbst: Nicht das Restaurant mit der größten Karte ist das beste, sondern das, was ausgewählte Gerichte in top Qualität liefert.

Zu guter Letzt: Die bisherigen Kanäle wie die Reservierung per Telefon oder persönlich vor Ort können ja weiterhin wie gewohnt genutzt werden. Das Risiko Online-Reservierungen einmal auszuprobieren ist gering. Die Chance auf mehr und zufriedenere Gäste, die auch mal eben schnell vom Rechner aus einen Tisch reservieren können, ist hingegen groß. Und wer nicht wagt, der nicht gewinnt – schon gar nicht in der Gastronomie.

11. August 2014, Sven Sester

Zum Autor:
Sven Sester schreibt über einfache Webanwendungen beim Software-Anbieter 42he aus Köln

 

One Response to “Bloß keine Online Reservierungen! Oder doch?

  • Ja leider nutzen einige Gastronomen noch nicht alles was die Online-Welt so Gutes anbietet. Gerade beim Reservierungs-Tool CentralPlaner geht der Nutzer ja erst mal kein Risiko ein, denn die Starter-Version ist im Moment 100% kostenfrei. Und gerade am Anfang schalte ich die automatische Reservierung einfach ab. Gut die 50 Reservierungen pro Monat in der kostenfreien Starter-Version sind nicht die Welt, aber zum Testen aller Funktionen und auch zum ausprobieren wie die Akzeptanz beim Gast und beim Personal ist reicht das völlig aus. Ich finde ein Reservierungs-Tool grundsätzlich eine sinnvolle Erweiterung der Serviceleistung gegenüber dem Gast, so muss der Gast nicht erst rumtelefonieren um herauszufinden, ob es noch einen freien Tisch in seinem Lieblingsrestaurant gibt oder nicht.

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