Bewertungsportale – Meinungsmanipulation in großem Stil

Meinungsindustrie BewertungsportaleAuf den ersten Blick erscheinen Bewertungsportale sehr praktisch. Der Verbraucher erhält angeblich ein ungeschöntes Meinungsbild. Offen bleibt aber bisher, wie die Portalbetreiber die Nutzer vor gefälschten Bewertungen schützen.  Mit Bewertungsportalen werden inzwischen Milliardenumsätze gesteuert – und wenn es um viel Geld geht, werden auch die Methoden ruppig. Unter dem Begriff Online-Reputation-Management (ORM) ist inzwischen eine regelrechte Meinungsindustrie im Internet entstanden.

Während manipulierte Bewertungseintragungen hauptsächlich den Verbraucher in die irre führen und damit letztendlich schädigen, führen die undurchsichtigen Filtermethoden der Portale, die angeblich vor gefälschten Einträgen schützen sollen, zu Meinungsbild-Verzerrungen, die bedrohlich für Geschäftsinhaber werden können.

Aktuelles Beispiel ist das derzeit größte deutsche Bewertungsportal Yelp. Bei der Übernahme des deutschen Empfehlungsportals Qype durch die kalifornische Internetfirma Yelp  kam es plötzlich großflächig zu einem drastischen Absinken der Bewertungen.  Massenhaft verschwanden positive Bewertungen von den Profilen der Anbieter, deutlich auch zu beobachten im Bereich der Gastronomie.

Qype wurde Ende Oktober abgeschaltet, die Bewertungen wurden automatisiert auf Yelp übernommen. Allerdings nicht alle. Übrig blieben viel zu oft nur wenige negative. Zudem wurden viele Anbieterprofile in einem veralteten Zustand von Qype zu Yelp übertragen. Wichtige Informationen zu Geschäftsbetrieben wie Kontaktinformationen, Öffnungszeiten, Angebot stimmen plötzlich nicht mehr mit den aktuellen Gegebenheiten überein, weil offenbar alte Datenbankabzüge aus Qype übernommen wurden.

Ebenso verhält es sich offenbar mit Nutzerprofilen auf der Verbraucherseite: Noch heute, mehr als zwei Monate nach dem Abschalten der Plattform Qype,  sind Nutzer-Anträge für die Profil- und Bewertungsübernahme  von Qype zu Yelp nicht vollständig bearbeitet worden und befinden sich angeblich noch in Prüfung. Yelp ist offenbar bei der Datenübernahme  unkoordiniert und schlampig vorgegangen; und das sehr zum Schaden der Anbieter.

Beim Internetkonzern aus San Francisco will man dagegen von Fehlern bei der Übernahme der Daten von Qype nichts wissen. Der Prozess sei erfolgreich verlaufen. Das massenhafte Verschwinden der positiven Bewertungen erklärt Yelp damit, dass man bei Qype Quantität vor Qualität gestellt habe und dies sich jetzt bei Yelp geändert habe.

Inzwischen haben sich auch schon die Gerichte mit Yelp beschäftigen müssen. Erste Klagen gegen die Meinungsverfälschung durch Yelp haben zu einstweiligen Verfügungen geführt. In der juristischen Begründung heißt es: Zwar ist die Ausfilterung von Meinungen nicht generell unzulässig, sie wird es aber dann, wenn sachliche Gründe für eine Filterung fehlen und dies im Ergebnis zu einer schlechteren Bewertung des Unternehmens führt. In einer solchen willkürlichen Filterung liege ein rechtswidriger Eingriff in das Unternehmenspersönlichkeitsrecht begründet. Bisher will Yelp sich jedoch nicht von deutschen Gerichten beeindrucken lassen.

Manfred Troike,  7. Januar 2014

 

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